Der weisse Tod lauert mitten im Skigebiet
Aktualisiert

Der weisse Tod lauert mitten im Skigebiet

Was früher meist Tourenskifahrer ereilte, trifft heute zunehmend «Normal»-Skifahrer: Immer mehr Lawinenunfälle ereignen sich in Pistennähe. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge des neuen Materials.

Der 10-jährige Bub kam mit dem Schrecken davon. Er wurde am Sonntag zusammen mit einem 40-jährigen Mann von einer Lawine mitgerissen. Der Junge konnte sich selber befreien und um Hilfe rufen. Nicht nur er hatte Riesenglück. Er rettete auch dem unter gut einem Meter Schnee begrabenen Mann das Leben. Weniger Glück hatte ein Mann in Zermatt. Er verstarb am Wochenende in den Schneemassen, als er von einer Lawine mitgerissen wurde. Auffallend dabei: Beide Unfälle ereigneten sich in einem Skigebiet.

Die Hälfte in Pistennähe

Für den erfahrenen Rettungsspezialisten Dominik Hunziker ist das kein Zufall. «Rund die Hälfte der Lawinenniedergänge mit Opfern ereignet sich heute in Pistennähe.» Noch vor 15 Jahren sah dieses Verhältnis ganz anders aus. Hunziker: «Damals waren es vielleicht 10 Prozent. Die anderen Unfälle ereigneten sich hauptsächlich bei Tourenskifahren». Bei rund 150 Lawinenunfällen pro Jahr in der Schweiz sind demnach rund 75 in unmittelbarer Nähe der präparierten Skipisten. Die Rega bestätigte diesen Trend ebenfalls.

Neues Material, mehr Tiefschneefahrer

Der Grund für diese Tendenz ist für Hunziker klar: «Mit den Snowboards und den breiteren Skiern, die heute im Angebot stehen, lässt es sich viel einfacher im Tiefschnee fahren.» Das führt dazu, dass heute nahezu jeder verschneite Hang in den Skigebieten nach kurzer Zeit abgefahren wird – ob der Hang gesperrt ist oder nicht. «Man sieht die verrücktesten Sachen. Die Leute steigen über die Sicherheitsnetze oder schaufeln sich unter ihnen durch. Praktisch keine Sicherheitsabschrankung ist heute vor diesen Leuten sicher», weiss Hunziker, der seit vielen Jahren als Ausbildner der Lawinensuchspezialisten tätig ist.

Tiefschneefahren als Teil des Angebots

Den Bergbahn-Verantwortlichen attestiert Hunziker «gute Arbeit», was das Sperren von Pisten anbelangt. Allerdings sei auch klar, dass verschneite Hänge Teil des Angebots der Bergbahnbetreiber sei, so Hunziker. Das Hauptproblem liege aber klar bei den Ski- und Snowboardfahrern. «Die Schneesportler informieren sich heute einfach vielfach zu wenig über die Gefahren.» Es gehe ihnen nur darum, möglichst viele verschneite Hänge an einem Tag abzufahren, über die Gefahren seien sich viele gar nicht bewusst. Die Tourenskifahrer dagegen bereiteten sich einerseits viel besser auf ihre Abfahrten in den verschneiten Hängen vor und seien zudem viel besser ausgerüstet.

Erfolge mit Suchsystemen

Zurzeit gibt es zwei verschiedene elektronische Suchsysteme. Das Lawinenverschüttetensuchgerät LVS, im Volksmund Piepser genannt, arbeitet mit der Frequenz 457kHz. Die Geräte verschiedener Hersteller sind kompatibel, so dass mit jedem «Piepser» ein anderer «Piepser» gefunden werden kann. Der grosse Vorteil dieses Systems liegt darin, dass der Verschüttete direkt durch seine Kameraden geortet werden kann. Bedingung ist jedoch dass alle Beteiligten ausgerüstet sind und die Geräte bedienen können. Da liegt wiederum das Problem, denn nur jeder Dritte Lawinenverschüttete ist mit einem LVS ausgerüstet. Daher setzt die organisierte Rettung parallel zum LVS das RECCO System ein. Das Gerät sendet ein Signal aus, das von den Suchspezialisten empfangen werden kann und ist mittlerweile in vielen Wintersportkleidungen eingebaut. Der Erfolg dieses Gerätes einer Schwedischen Firma ist unterdessen klar erwiesen. «In den letzten zwei Jahren konnten gleich viele Personen aus den Lawinen geborgen werden, wie in den 20 Jahren zuvor», sagt Hunziker.

Die Sucherfolge begünstigt hat aber auch eine andere technische Errungenschaft – das Mobiltelefon. In rund 75 Prozent der Lawinenunfälle wird heute innert Minuten Alarm geschlagen. Zeit, die unter Umständen Leben retten kann.

Unzureichend ausgerüstet

Offensichtlich scheinen sich aber die Schneesportler gerade im Skigebiet oft zu sicher. Eine geeignete Ausrüstung für das Pulverschneefahren sei jedenfalls in den Skigebieten immer noch selten anzutreffen, sagt Hunziker und fragt rhetorisch: «Oder wie viele Skifahrer sehen Sie mit einem Rucksack und entsprechender Ausrüstung auf den Skipisten?»

Marius Egger, 20minuten.ch

Tipps vom Experten Fragt man den Rettungsspezialisten, wie man am ehesten eine Lawine überlebt, kommt die Antwort prompt: «Oberstes Gebot sind Planung und Ausrüstung», sagt Dominik Hunziker. Über die verschiedenen Angebote wie Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Recco-Suchsystem, ABS-Lawinenairbag oder Weste/Rucksack mit eingenähtem Atemschlauch sollte man sich genauestens informieren. Wird man einmal von einer Lawine mitgerissen, ist der Handlungsspielraum «sehr gering», so der Rettungsspezialist. Ob Schwimmbewegungen während des Lawinenniedergangs tatsächlich die Überlebenschancen erhöhen, ist bis heute nicht bewiesen. Und in praktisch allen Fällen, die Hunziker bekannt sind, waren die Unfallopfer im Schnee einbetoniert. Sie konnten sich also nicht selber befreien. In diesem Fall gibt es nur eine Möglichkeit: «Möglichst die Ruhe bewahren und dadurch wenig Sauerstoff verbrauchen - wenn das möglich ist», rät der Experte. Das dies erfolgsversprechend sein kann, weiss Hunziker aus Erfahrung. In einem Fall habe ein Mann 2 ¾ Stunden unter einer Lawine überlebte - «weil er die Ruhe bewahren konnte». (meg)

Tipps vom Experten Fragt man den Rettungsspezialisten, wie man am ehesten eine Lawine überlebt, kommt die Antwort prompt: «Oberstes Gebot sind Planung und Ausrüstung», sagt Dominik Hunziker. Über die verschiedenen Angebote wie Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Recco-Suchsystem, ABS-Lawinenairbag oder Weste/Rucksack mit eingenähtem Atemschlauch sollte man sich genauestens informieren. Wird man einmal von einer Lawine mitgerissen, ist der Handlungsspielraum «sehr gering», so der Rettungsspezialist. Ob Schwimmbewegungen während des Lawinenniedergangs tatsächlich die Überlebenschancen erhöhen, ist bis heute nicht bewiesen. Und in praktisch allen Fällen, die Hunziker bekannt sind, waren die Unfallopfer im Schnee einbetoniert. Sie konnten sich also nicht selber befreien. In diesem Fall gibt es nur eine Möglichkeit: «Möglichst die Ruhe bewahren und dadurch wenig Sauerstoff verbrauchen - wenn das möglich ist», rät der Experte. Das dies erfolgsversprechend sein kann, weiss Hunziker aus Erfahrung. In einem Fall habe ein Mann 2 ¾ Stunden unter einer Lawine überlebte - «weil er die Ruhe bewahren konnte». (meg)

Tipps vom Experten Fragt man den Rettungsspezialisten, wie man am ehesten eine Lawine überlebt, kommt die Antwort prompt: «Oberstes Gebot sind Planung und Ausrüstung», sagt Dominik Hunziker. Über die verschiedenen Angebote wie Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Recco-Suchsystem, ABS-Lawinenairbag oder Weste/Rucksack mit eingenähtem Atemschlauch sollte man sich genauestens informieren. Wird man einmal von einer Lawine mitgerissen, ist der Handlungsspielraum «sehr gering», so der Rettungsspezialist. Ob Schwimmbewegungen während des Lawinenniedergangs tatsächlich die Überlebenschancen erhöhen, ist bis heute nicht bewiesen. Und in praktisch allen Fällen, die Hunziker bekannt sind, waren die Unfallopfer im Schnee einbetoniert. Sie konnten sich also nicht selber befreien. In diesem Fall gibt es nur eine Möglichkeit: «Möglichst die Ruhe bewahren und dadurch wenig Sauerstoff verbrauchen - wenn das möglich ist», rät der Experte. Das dies erfolgsversprechend sein kann, weiss Hunziker aus Erfahrung. In einem Fall habe ein Mann 2 ¾ Stunden unter einer Lawine überlebte - «weil er die Ruhe bewahren konnte». (meg)

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