Ryanair-Flug von Irland nach Polen musste in Berlin notlanden
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Ryanair in Berlin«Der weissrussische Geheimdienst wollte Verhalten vertuschen»

Erneut musste eine Ryanair-Maschine notlanden – kurz nach der von Lukaschenko erzwungenen Landung in Minsk. Ein Experte vermutet ein Ablenkungsmanöver des weissrussischen Geheimdienstes.

von
Céline Krapf
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Der Ryanair-Flug von Irland nach Polen wurde am Sonntag ausserplanmässig unterbrochen.

Der Ryanair-Flug von Irland nach Polen wurde am Sonntag ausserplanmässig unterbrochen.

Christophe Gateau/dpa
Die Maschine musste in Berlin notlanden.

Die Maschine musste in Berlin notlanden.

Christophe Gateau/dpa
Die Bundespolizei überprüfte daraufhin die Maschine.

Die Bundespolizei überprüfte daraufhin die Maschine.

Christophe Gateau/dpa

Darum gehts

  • Nach der international scharf verurteilten Festnahme des Regierungskritikers Roman Protassewitsch steigt der Druck auf Belarus durch EU-Sanktionen.

  • Ähnlich wie die Zwangsnotlandung vor rund einer Woche musste am Sonntagabend in Berlin erneut ein Flugzeug zwischenlanden wegen eines «Luft-Notfalls».

  • Nun wird von Kritikern vermutet, dass diese Vorfälle einen Zusammenhang haben.

Erneut musste am Sonntagabend ein Flugzeug ausserplanmässig zwischenlanden, wieder war es eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair – und dies nur knapp eine Woche nach der Zwangslandung durch Belarus Machthaber Alexander Lukaschenko. Beim damaligen Zwischenstopp in Minsk verhafteten die Behörden den Regierungskritiker Roman Protassewitsch.

Das Flugzeug am Sonntag war auf dem Weg von Dublin nach Krakau und musste wegen eines «Luft-Notfalls» einen unfreiwilligen Zwischenstopp in Berlin einlegen. «Es ist kaum ein Zufall, dass innerhalb einer Woche zwei Ryanair-Maschinen wegen einer angeblichen Bombendrohung zwischenlanden mussten», sagt Stephan Kux, Dozent für Europäische Politik an der Universität Zürich. Weiter sei auch Berlin als Landeort keine Überraschung: «Deutschland ist die grösste Macht in der EU und hat die Sanktionen gegen Weissrussland mitinitiiert.» Er hält es für möglich, dass Nachahmungstäter am Werk waren: «Sehr wahrscheinlich der weissrussische Geheimdienst, der sein eigenes, skandalöses Verhalten vertuschen möchte», glaubt Kux.

Ablenkung war «zu plump»

Klar komme eine erneute Bombendrohung für Minsk nicht ungelegen, sagt auch Benno Zogg, Weissrussland-Experte vom Center for Security Studies der ETH Zürich. Schliesslich lenken solche auch vom Vorfall mit Protassewitsch ab. «Selbst simple Drohungen stiften Verwirrung», sagt Zogg. Denn Behörden seien dazu verpflichtet, Bombendrohungen ernst zu nehmen. «Solche Drohungen wird es immer geben», sagt der Experte – die Frage sei, wie die Behörden damit umgehen würden, wenn sie sich häuften oder ein Muster ihrer Urheberschaft erkennbar wird.

Politik-Dozent Stephan Kux glaubt, mit weiteren Vertuschungsversuchen seitens Minsk sei nun zu rechnen. «Nur gehe ich nicht davon aus, dass sie sich wieder gegen Ryanair richten.» Denn: Dem Minsker Geheimdienst sei diese Operation nicht gelungen. «Sie ist einfach zu plump», sagt Kux. Durch die Untersuchung der deutschen Behörden könnten aber bald mehr Informationen ans Tageslicht kommen.

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