Aktualisiert 20.07.2017 12:51

Drohender RohstoffmangelDer Welt geht der Meeressand aus

Meeressand ist ein begehrter Rohstoff. Doch nun wird die endlos scheinende Ressource knapp. Deshalb wollen Forscher künftig die Wüste anzapfen.

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Wer schon einmal am Strand war, kann kaum glauben, dass Sand endlich ist.

Wer schon einmal am Strand war, kann kaum glauben, dass Sand endlich ist.

Keystone/AP/Felipe Dana
Doch genau das ist er, wie Forscher warnen. Denn jährlich werden weltweit bis zu 15 Milliarden Tonnen Sand abgebaut. Dies nicht nur legal im grossen Stil, ...

Doch genau das ist er, wie Forscher warnen. Denn jährlich werden weltweit bis zu 15 Milliarden Tonnen Sand abgebaut. Dies nicht nur legal im grossen Stil, ...

/Richard du Toit
... sondern auch illegal im kleinen. So wagen sich auf den Kapverdischen Inseln tagtäglich Frauen ins Meer, um Eimer um Eimer Sand aus den Fluten zu holen.

... sondern auch illegal im kleinen. So wagen sich auf den Kapverdischen Inseln tagtäglich Frauen ins Meer, um Eimer um Eimer Sand aus den Fluten zu holen.

Screenshot Youtube/Deutsche Dokus

Der Ausdruck «wie Sand am Meer» verliert seine Bedeutung: Drückt man damit heute aus, dass etwas in grosser Menge vorhanden ist, geht das künftig nicht mehr. Denn der als endlos geltende Rohstoff geht zur Neige.

Grund für den sich anbahnenden Mangel: Man benötigt ihn zur Herstellung von verschiedensten Dingen wie Haarspray oder Zahnpasta, vor allem aber für Beton. Rund 200 Tonnen Sand sind für ein Einfamilienhaus nötig, rund 30'000 Tonnen für einen Kilometer Autobahn. Die Helmholtz-Gemeinschaft schätzt den weltweiten Sandverbrauch auf jährlich 15 Milliarden Tonnen (siehe Bildstrecke). Und der Verbrauch nimmt wegen des globalen Baubooms ständig zu. Laut dem Geologen Michael Welland von der University of Nottingham hat sich ein wahrer Krieg um Sand entwickelt. In Marokko etwa baue «die Mafia rund 45 Prozent der Sandstrände ab, radikal und profitorientiert − ein ökologisches Fiasko», sagte er dem Fernsehsender Arte.

Wüstensand ist nicht das Gleiche

Wüstensand fällt zurzeit als Alternative noch weg. Denn die Oberflächenstruktur ist eine ganz andere: Die aus dem Meer stammenden Sandkörner sind scharfkantig und gebrochen, die aus der Wüste geschliffenen glatt und rund – und damit nicht zur Betonherstellung geeignet.

«Wüstensand verhält sich wie eine Hand voll Murmeln», zitiert Sueddeutsche.de den Bauexperten Dirk Hebel von der Universität Karlsruhe. Meeressand dagegen könne durch hohe Reibungswiderstände Druckkräfte aufnehmen und weiterleiten und mache Beton überhaupt erst belastbar.

Alternativen sind in der Mache

Dass man das künftig auch über den Wüstensand sagen kann, daran arbeiten Experten von Polycare Research Technology im deutschen Gehlberg. Sie haben einen Weg gefunden, um Wüstensand mit Polyesterharzen zu binden und ihn so auch zum Bauen nutzbar zu machen.

In dem von ihnen entwickelten Verfahren umschliesst das Harz die feinen Sandkörner und verleiht ihnen Oberflächenhaftung. Heraus kommt sogenannter Polymerbeton, der laut Hersteller drei- bis fünfmal stabiler als normaler Zementbeton aus Meeressand ist. Selbst extremen Wetterlagen soll er standhalten können.

Vielseitig und schnell einsetzbar

Weiterer Vorteil: Nicht nur Sand, sondern alle rieselfähigen Materialien können zur Herstellung des Polymerbetons verwendet werden. Noch dazu lässt sich dieser schnell einsetzen – die Abbindezeit beträgt nur rund 20 Minuten.

Das kommt an. Wie Sueddeutsche.de berichtet, melden sich beinahe wöchentlich Bauherren aus Saudiarabien, Kuwait oder Libyen – Staaten, deren Fläche bis zu 95 Prozent mit Wüstensand bedeckt ist.

Kritik und Konter

Doch es gibt auch andere Haltungen. So kritisiert etwa Dirk Hebel, dass auch der Wüstensand nicht nachhaltig sei, denn auch dieser sei endlich. «So würden wir ein Problem durch das nächste ersetzen.»

Polycare-Gründer Gunther Plötner will davon jedoch nichts wissen. Stattdessen verweist er auf Wanderdünen, die immer wieder Oasen überrollen und diese absterben lassen. Wenn sein Unternehmen nun den Wüstensand abtrage, würde das den Menschen vor Ort sogar zugutekommen.

Um weiteren Widersachern etwas entgegenzusetzen und nachhaltiger zu arbeiten, forschen Plötner und seine Mitarbeiter zudem daran, nachhaltigere Alternativen für die aus Erdöl gewonnenen Polyesterharze zu finden.

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