18.05.2019 19:21

Einfluss des Vollmonds

Der «Werwolf-Effekt» führt zu mehr Unfällen

Eine neue Studie bringt frischen Wind in eine alte Diskussion. Tatsächlich soll es an Vollmond mehr Strassenunfälle geben – vor allem wegen Männern über 40.

von
srt
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Männer über 40 sollen in der Zeit vor Mitternacht bei Vollmond für mehr Verkehrsunfälle sorgen. Von diesem «Werwolf-Effekt» berichtet eine neue Studie.

Männer über 40 sollen in der Zeit vor Mitternacht bei Vollmond für mehr Verkehrsunfälle sorgen. Von diesem «Werwolf-Effekt» berichtet eine neue Studie.

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Wissenschaftlich ist es umstritten, ob der Vollmond tatsächlich einen Einfluss auf das Verkehrsverhalten hat.

Wissenschaftlich ist es umstritten, ob der Vollmond tatsächlich einen Einfluss auf das Verkehrsverhalten hat.

istockfoto/Tirc83
Allerdings zeigte auch eine Auswertung der Schadenstatistik über fünf Jahre des Versicherers Allianz Suisse, dass am Tag und in der Nacht vor dem Vollmond 16 Prozent mehr Schadensmeldungen registriert werden als an einem durchschnittlichen Tag.

Allerdings zeigte auch eine Auswertung der Schadenstatistik über fünf Jahre des Versicherers Allianz Suisse, dass am Tag und in der Nacht vor dem Vollmond 16 Prozent mehr Schadensmeldungen registriert werden als an einem durchschnittlichen Tag.

Keystone

Esoterischer Humbug oder wissenschaftlich bewiesenes Phänomen? Der Einfluss des Vollmonds wird immer wieder leidenschaftlich diskutiert. Gerade im Strassenverkehr ist der Spruch «Es ist wohl mal wieder Vollmond» ein Klassiker. Das subjektive Empfinden besagt, dass Autofahrer bei Vollmond aggressiver, fahriger und generell unberechenbarer unterwegs sein sollen.

Nun giesst eine neue Studie Öl in die seit jeher hitzige Diskussion. In Japan wurden die Ambulanz-Einsätze der letzten fünf Jahre überprüft. Der Untersuch von insgesamt über 850'000 Vorfällen führte zur Erkenntnis, dass bei Vollmond vier Prozent mehr Unfälle als an normalen Tagen geschehen.

Männer über 40 im Fokus

Brisantes Detail: Wie die britische «Sun» berichtet, steigt die Zahl der Unfälle bei Männern über 40 sogar noch deutlicher an. Fünf Prozent mehr Zwischenfälle gibt es in dieser Altersgruppe, wenn der Mond in voller Pracht am Nachthimmel steht. Vor allem in der Zeit kurz vor Mitternacht sei die Gefahr von Unfällen mit Männern über 40 besonders ausgeprägt – weshalb Forscher vom sogenannten «Werwolf-Effekt» sprechen.

Ist helles Mondlicht schuld?

Tatsächlich aber gibt es keine endgültige Erklärung, weshalb reifere Männer bei Vollmond häufiger Unfälle bauen. Das helle Mondlicht könne dazu führen, dass Fahrer Distanzen und Geschwindigkeiten falsch einschätzen, so die Auftraggeber der Studie. Auch könne die gute Nachtsicht dazu verleiten, mehr aus dem Fenster und weniger auf die Strasse zu schauen. Dafür jedoch, dass Männer – und Menschen generell – bei Vollmond per se «neben der Spur» sind, gibt es weder eindeutige Beweise noch Erklärungen.

Auch in der Schweiz mehr Schäden

Unbestritten ist jedoch, dass der Mond einen Einfluss auf Natur und Mensch hat. Laut einer Umfrage deutscher Meinungsinstitute glauben rund 92 Prozent der Befragten, dass der Mond das Verhalten der Menschen beeinflusst. In anderen Umfragen gaben 40 Prozent aller Befragten an, dass sie bei Vollmond unter Schlafstörungen leiden. Die Auswirkung des Mondes ist denn auch im Schweizer Strassenverkehr festzustellen. So zeigte eine Auswertung der Schadenstatistik über fünf Jahre des Versicherers Allianz Suisse, dass am Tag und in der Nacht vor dem Vollmond 16 Prozent mehr Schadensmeldungen registriert werden als an einem durchschnittlichen Tag.

Oder liegt es an den Feiertagen?

Eine mögliche Erklärung lieferte der deutsche Psychologe Arno P. Müller in der «Zeitschrift für Anomalistik». Dieser untersuchte die beeindruckende Zahl von acht Millionen Verkehrsunfällen in Deutschland zwischen 1964 bis 1986 und prüfte ihren Bezug zu den Mondphasen. In der statistischen Auswertung ergab sich dabei ein Zusammenhang der Unfallzahlen zum Mondgeschehen – mit einer Zunahme bei Neumond, aber abnehmenden Zahlen bei Vollmond.

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass die Zu- oder Abnahme der Unfälle nicht direkt an der Mondphase lag, sondern am Fakt, dass es mehrere bewegliche Feiertagen gibt, die durch das Osterdatum und dadurch durch den Vollmond definiert werden. Rund um diese Tage liegen oft Ferien und Freitage, an denen sich das Verkehrsaufkommen verändert – und damit auch die Zahl der Unfälle.

Achtung: Am Samstag ist Vollmond

Letzten Endes wird die Diskussion, ob Vollmond tatsächlich zu mehr Unfällen führt oder nicht, wohl nie endgültig geklärt. Sicher ist nur, dass auch dieses Wochenende auf Schweizer Strassen wieder heisst: «Es muss wohl wieder Vollmond sein!»

Was meinen Sie: Hat der Vollmond Einfluss auf den Strassenverkehr oder das Verhalten der Menschen? Schreiben Sie es in den Kommentaren.

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