Kampf den Kalorien: Der Westen macht mobil gegen gefährlich Fette
Aktualisiert

Kampf den KalorienDer Westen macht mobil gegen gefährlich Fette

Deutsche Politiker wollen eine Strafsteuer auf fettes Essen, die USA verbietet Transfette gleich ganz. Auch in der Schweiz werden Massnahmen gegen gefährliche Kalorien gefordert.

Wer sich eine Packung Chips oder einen Burger gönnen will, muss tiefer in die Tasche greifen als Fans von Salat und Vollkornbrot. Zumindest in Ländern wie Dänemark, wo man bereits eine spezielle Steuer auf besonders kalorienhaltige Lebensmittel kennt. Oder in Mexiko: Dort kommt die Strafsteuer auf Kalorienbomben Anfang 2014. Für Lebensmittel mit mehr als 275 Kalorien je 100 Gramm muss ab dann ein Aufschlag von acht Prozent berappt werden. Deutsche Politiker wollen dieses System jetzt übernehmen. Vertreter von SPD und CDU fordern die Fettsteuer, um das Übergewicht der Deutschen zu verringern. Der Aufschlag soll in Höhe der Mehrwertsteuer sein, berichtet die Bild-Zeitung.

In den USA verbietet man die üblicherweise in Fertiggerichten und Snacks verwendeten Fette gleich ganz. Tabu sind künftig im Heimatland des Fast Food die sogenannten Transfette, industriell gehärtete Pflanzenfette. Sie erhöhen laut Studien das Cholesterin im Blut und können so zu Herzinfarkten führen. Die US-Hersteller müssen in Zukunft auf gesündere, ungehärtete Fette zurückgreifen. Rund 20'000 Herzinfarkte sollen dadurch jährlich verhindert werden, erhoffen sich die amerikanischen Behörden.

Swissheart: «Verbot kann Sinn machen»

Hier wird die Schweizerische Herzstiftung hellhörig: «Ein Verbot kann als letzte Möglichkeit durchaus Sinn machen, wenn die Industrie nicht auf freiwilliger Basis umstellen möchte», sagt Sprecher Peter Ferloni. «Denn auf schädigende Inhaltsstoffe sollte grundsätzlich verzichtet werden.» Die Umsetzung sei aber Sache des Bundesamts für Gesundheit. Dort sieht es schlecht aus für die Idee: «Ein Verbot der Transfette ist zur Zeit in der Schweiz kein Thema», heisst es auf Anfrage. Obwohl eine aktuelle Studie zeigt, dass hierzulande in Städten 16 Prozent und auf dem Land fast jedes fünfte Kind übergewichtig ist. Immerhin: 2008 hat die Schweiz einen Höchstwert von zwei Gramm pro 100 Gramm pflanzliche Speiseöle und -fette für die gefährlichen Transfette festgelegt.

Wenig Resonanz findet in der Schweiz die Strafsteuer für Dickmacher. «Das Beispiel Dänemark hat gezeigt, dass der administrative Aufwand zu gross ist. Ausserdem braucht es viele Ausnahmen, etwa für Produkte wie Olivenöl oder Nüsse», sagt Thomas Mattig, Direktor Gesundheitsförderung Schweiz. Dieser Meinung schliesst sich SP-Gesundheitspolitikerin Bea Heim an, hält aber fest: «Die Transfettsäuren sind ein Problem.» Anstelle eines Verbots möchte sie aber freiwillige Zielvereinbarungen mit den Produzenten. «So können sie sich schrittweise umstellen.» Heim ist ausserdem sicher, dass das Verbot in den USA auch Auswirkungen auf die Schweiz haben wird. «Es gibt Firmen, die in die Vereinigten Staaten exportieren. Die kommen unter Druck.» Generell gelte aber halt die alte Regel: «Weniger Guetzli, mehr Gesundes.»

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