Aktualisiert 18.06.2019 04:17

Porträt

Der Wilde, der sich teilweise nicht mehr spürt

Claudio Imhof ist der Bahn-Crack unter den Profis an der Tour de Suisse. Sein Ziel sind die Olympischen Sommerspiele 2020.

von
Herbie Egli, Murten

Claudio Imhof ist eigentlich mehr auf der Bahn als auf der Strasse zuhause. Der 28-jährige Thurgauer gewann an Europa- und Weltmeisterschaften mehrere Medaillen. Daher ist ein ehemaliger Bahnfahrer auch sein Idol. «Bradley Wiggins inspirierte mich. Er konnte danach auf der Strasse reüssieren», sagt Imhof. Der Ende 2016 zurückgetretene Brite ist fünffacher Olympiasieger sowie siebenfacher Weltmeister auf der Bahn und gewann 2012 die Tour de France.

Imhof konnte auf der Strasse Anfang Mai an der Rhône-Alpes-Isère-Tour die Startetappe für sich entscheiden. Mit dem Start an der Tour de Suisse, die er mittlerweile im Trikot des Bergpreisleaders bestreitet, geht für den Thurgauer «ein Traum in Erfüllung». Er möchte, wenn immer möglich, ein kürzlich erlebtes Missgeschick vermeiden. «An der Tour de Romandie hatte ich vor dem Start einer Etappe auf dem Sitz im Bus alles bereit gemacht. Danach verwechselte ich mit Teamkollege Mathias Flückiger das Kombi, den Helm und den Funk. Fünf Minuten vor dem Start mussten wir alles wechseln.»

Diese Anekdote passt irgendwie zu Imhof. Marcello Albasini, der sportliche Leiter, beschreibt ihn als «Wilder». Als einer, der sich teilweise nicht mehr spürt, wenn er mal drauflosfährt. «Wenn ich in eine Euphorie verfalle, ist das nicht nur eine schlechte Eigenschaft. Das kann auch gut sein», schmunzelt Imhof. Der Thurgauer hofft trotz seinen 28 Jahren, dass er den Sprung ins Profifeld auf der Strasse noch schafft. Ein anderes, grosses Ziel, sind für ihn die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, wo er auf der Bahn starten möchte.

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