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HooligansDer wöchentliche Stammeskrieg

Nach dem Geisterspiel in Basel und vor dem Zürcher Derby steht einmal mehr die Fankultur und nicht das Spiel im Zentrum der Aufmerksamkeit. Muss das sein?

von
mec

Ausschreitungen, Rauchpetarden, Spielunterbrüche, Schlägereien, Polizeieinsätze – nicht selten beherrschen solche Schlagzeilen die Berichterstattung über Fussball. Oft sind für Ausschreitungen oder Sachbeschädigungen nur wenige Einzelpersonen verantwortlich. Diese werden aber von ihren Fanklubs geschützt. Die Fanklubs werden wiederum vom Fussballklub geschützt.

Ein FC tut gut daran, es sich mit seinen Fanklubs nicht zu verscherzen. Immerhin garantieren die Hardcore-Fans einen festen Umsatz bei den Saisonkarten. Ausserdem macht die optische und akustische Kulisse, die von den Anhängern in der Kurve erzeugt wird, einen Matchbesuch zum Erlebnis. Eine ideale Symbiose, müsste man meinen, wenn da nicht die Gewaltbereitschaft einiger weniger wäre.

Fans werden nicht bestraft

Das Beispiel Salzburg verdeutlicht dies: Wegen wiederholten Werfens von Gegenständen aus dem Basler Sektor auf das Spielfeld wird das Spiel von Red Bull Salzburg gegen den FC Basel längere Zeit unterbrochen. Der FCB-Präsident muss die Fans im Basler Sektor beruhigen. Nach dem Spiel bestraft die Uefa Basel mit einem Geisterspiel und einer Busse von umgerechnet 130'000 Franken.

Wie werden die zehn bis fünfzehn Basel-Fans, die die Gegenstände geworfen haben, bestraft? Gar nicht. Sie sind geschützt in der Anonymität des Fanklubs. Der Verein verlangt weder deren Auslieferung noch den Ausschluss aus dem Fanklub. Auch der Fanklub wird nicht sanktioniert. Man schickt lediglich die betriebseigenen Fanarbeiter mit eindringlichen Botschaften zu den Fanklubs.

Lösung Hooligan-Konkordat

Erst neulich forderte Dortmunds Präsident Hans-Joachim Watzke vor dem Derby gegen Schalke Gefängnis­strafen für Randalierer. Auf solch klare Forderungen aus der Teppichetage eines Vereins wartet man in der Schweiz vergebens. England hat sein Hooligan-Problem erst in den Griff bekommen, als Stehplätze abgeschafft und Stadiontickets nur noch gegen Ausweisregistrierung verkauft wurden.

In der Schweiz sind in einigen Kantonen, darunter Zürich und Bern, die verschärften «Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen», das sogenannte Hooligan-Konkordat, in Kraft. Es erlaubt, gegen gewaltbereite Fans befristete Stadionverbote oder Rayonverbote zu verhängen, und regelt auch die Ganzkörperkontrollen durch die Polizei. Basel ist dem Hooligan-Konkordat noch nicht beigetreten.

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