92 und nicht müde: Der wohl älteste «Raubkopierer» der Welt
Aktualisiert

92 und nicht müdeDer wohl älteste «Raubkopierer» der Welt

Er hat tausende Hollywood-Filme illegal verbreitet und fürchtet sich nicht vor Strafe: Hyman Strachman ist 92 und kopiert aus Überzeugung. Seine Klientel feiert ihn als Helden.

von
dsc
Er ist kein Filmverrückter oder skrupelloser Geschäftsmann, sondern ein Patriot mit ungewöhnlichem Hobby.

Er ist kein Filmverrückter oder skrupelloser Geschäftsmann, sondern ein Patriot mit ungewöhnlichem Hobby.

Von der renommierten «New York Times» stammt die rührende Geschichte eines 92-jährigen Mannes, der seinen Lebensabend mit dem Anfertigen von «Raubkopien» verbringt. Hyman Strachman wird deswegen nicht etwa straf- und zivilrechtlich verfolgt. Der weisshaarige New Yorker, der auf Long Island lebt, ist vielmehr zum schrulligen Helden geworden.

Grund sind die Empfänger der von ihm kopierten Hollywood-Streifen. Strachman, der von seinen Freunden «Big Hy» genannt wird, hat im Gegensatz zu den Raubkopierer-Banden in Asien und Übersee ein edles Motiv. Der Witwer schickt die selbst gebrannten DVDs an US-Truppen im Irak und in Afghanistan. Die Filme sollen die Soldaten in Gefechtspausen unterhalten und auf andere Gedanken bringen.

Hunderte pro Tag

Strachman kauft seit 2004 billige Kopien der neuesten Kinohits auf der Strasse und verbringt die meiste Zeit damit, die Datenträger zu vervielfältigen. Früher benutzte er dazu einen herkömmlichen PC, doch inzwischen verfügt er über eine Vervielfältigungs-Maschine, die mehrere hundert Discs pro Tag schafft.

Die Reaktionen der US-Soldaten sind überwältigend. Woche für Woche treffen Dankesschreiben ein. «Jedes Mal wenn ich ein emotionales E-Mail oder einen Brief erhalte, sende ich eine weitere Box», verrät der 92-jährige Filmpirat. Er wisse, dass er mit seinem Tun gegen die strengen Urheberrechts-Gesetze verstosse, doch er tue es trotzdem. «Wenn ich jünger wäre, würde ich dafür wohl ins Kittchen wandern.»

Man lässt ihn gewähren

Die US-Unterhaltungsindustrie lässt den vermutlich ältesten Raubkopierer der Welt gewähren - wenn auch zähneknirschend. Ein Sprecher nahm gegenüber der «New York Times» Stellung. «Wir sind dankbar, dass die von uns produzierte Unterhaltung jene erfreut, die weit weg von zuhause sind.» Rechtliche Schritte werden offenbar keine ergriffen.

Strachman versichert, dass er keine einzige Filmkopie für sich behält - und jede Masterdisc umgehend vernichtet. Weil sich die US-Streitkräfte aus dem Irak und Afghanistan zurückziehen, ist das Ende seines geliebten Hobbys nah. Das mache nichts, sagt der Weltkriegs-Veteran. Er freue sich, wenn die Soldaten heimkehren.

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