Aktualisiert 27.08.2012 20:05

Rummel um «Rommel»Der Wüstenfuchs in der «braunen Sauce»

Selten hat ein deutscher Film im Vorfeld so viele Wellen geschlagen wie «Rommel». Besonders von Seiten der Familie des Nazi-Generals hagelt es Kritik. Was ist historisch, was angedichtet?

von
obi

«Rommel-Familie schiesst gegen Wüstenfuchs-Film» titelte die «Bild»-Zeitung im September 2011. Kaum hatten die Dreharbeiten zu «Rommel» damals unter der Regie von Niki Stein begonnen, hagelte es Kritik. Im Vorfeld bereits hatte die Filmbio über den Generalfeldmarschall des Dritten Reiches mit Problemen zu kämpfen. Das erste Drehbuch war von der deutschen Filmförderung einstimmig abgelehnt worden. Doch als die revidierte Drehbuchfassung eintraf, setzte es wiederum Kritik von allen Seiten - vor allem aber von der Rommel-Enkelin Catherine.

Ihr Grossvater werde als «führertreuer Betonkopf geschildert», dem man «keine politische Einsicht» zubillige, so Catherine Rommel in einem Schreiben an Peter Boudgoust, den Intendanten des zuständigen Südwestrundfunks. In einem späteren Interview meinte sie sogar, es werde «braune Sosse» über die historische Figur ausgegossen. Drehbuchautor Niki Stein habe sich zu sehr auf die Rommel-Biografie des Holocaust-Leugners David Irving verlassen. Der an Parkinson erkrankte, langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel liess durch seine Frau ausrichten, «bei jeder Ankündigung des Films in den TV-Illustrierten zu lesen, dass der Filmheld aufreisserisch als ein Günstling, Emporkömmling und Nazi-Verbrecher tituliert wird. Das stimmt doch einfach nicht. Das sind Lügen.»

Stellvertretend für eine ganze Nation

«Rommel»-Produzent Nico Hoffmann verwies im Gegenzug auf die «monatelange Recherche mit der Unterstützung führender deutscher Historiker». Letztere konstatierten, das Drehbuch nehme zwar «die Freiheit der Kunst in Anspruch», enthalte trotzdem «keine historischen Fehler». Regisseur Stein sagte gegenüber dem «Spiegel», es gehe darum «den Konflikt des Menschen Erwin Rommel» darzustellen, «der quasi stellvertretend für eine ganze Nation steht: Nämlich das allmähliche und (zu) späte Erkennen, dass der, dem man leidenschaftlich gedient hat, ein Verbrecher ist.»

Gerade in der angelsächsischen Geschichtswahrnehmung wird Erwin Rommel, dem sein Einsatz im Nordafrika-Feldzug den Namen Wüstenfuchs einbrachte, gerne die Rolle des ehrenhaften Feindes zugewiesen; des Generals, der nach bestem Wissen und Gewissen Befehle ausführte, ansonsten aber Zweifel am Nazi-Ethos äusserte. Auch die deutsche Populärwissenschaft stützte dieses idealisierte Bild Rommels, hatte sie in ihm ihren einzigen Helden eines Krieges, in dem die meisten ihrer deutschen Protagonisten abscheuliche Nazi-Verbrecher waren.

Keine Verklärung

Mit Spannung wird nun das fertige Werk erwartet. Laut Vorab-Bericht der «Bild» ist Entwarnung angesagt: «Enttäuscht oder empört werden am Ende der 120 Minuten nur diejenigen sein, die den Generalfeldmarschall Erwin Rommel bis heute als Helden ohne Schatten verklären.» Der Gros des Publikums werde aber die – glaubwürdigere – Darstellung eines Menschen sehen, der sich vom begeisterten Nazi zum leisen Zweifler wandelt, letztendlich aber den Schritt in den Widerstand nie unternimmt.

Besonders gute Noten bekommt dabei «Tatort»-Kommissar Ulrich Tukur, der den Nazi-General spielt. Auch aus wissenschaftlicher Sicht zeigt man sich «voll zufrieden», wie Professor Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand» gegenüber der «Bild» sagte. «Der Film orientiert sich sehr sorgfältig an allen verfügbaren historischen Quellen.» Catherine Rommel und Familie lehnten es ab, sich den Film vor der TV-Premiere anzusehen.

«Rommel» wird am 1. November um 20 Uhr auf ARD erstmals ausgestrahlt.

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