Aktualisiert 15.01.2015 16:53

Thomas Jordan

«Der Zeitpunkt für die Aufhebung war richtig»

Der Entscheid der SNB zur Aufhebung des Mindestkurses erschüttert die Wirtschaft. Chef Thomas Jordan rechtfertigt den Schritt.

von
K. Wolfensberger

Herr Jordan, der Mindestkurs war das zentrale Instrument der Schweizer Geldpolitik in den letzten drei Jahren. Was hat sich nun verändert?

Die SNB ist überzeugt, dass jetzt der richtige Moment ist, den Mindestkurs aufzuheben. Wir beobachten zurzeit geldpolitische Entwicklungen in den grossen Währungsräumen, aufgrund derer eine Aufrechterhaltung in Zukunft nicht mehr nachhaltig wäre. Aus diesem Grund mussten wir sofort reagieren.

Wurde der Druck an den Märkten zu gross?

Nein, der Druck war nicht ausschlaggebend. Wir waren überzeugt, dass sich die internationale Situation so geändert hat, dass ein Mindestkurs längerfristig keinen Sinn mehr ergibt. So driftet die Geldpolitik in den grossen Währungsräumen auseinander, einige Zentralbanken straffen sie, andere lockern sie. Das führt zu grossen Spannungen und dazu, dass der Mindestkurs längerfristig nicht mehr funktionieren kann.

War der plötzliche Ausstieg eine Panikreaktion?

Der Ausstieg aus einer solchen Politik erfolgt immer überraschend, genauso wie auch der Einstieg überraschend erfolgte. Die Reaktion war aber keineswegs eine Panikreaktion. Sie war wohlüberlegt. Dass die Märkte im ersten Moment extrem reagieren würden, war allerdings zu erwarten. Das wird sich in den nächsten Tagen oder Wochen aber wieder einpendeln. Sollten die Märkte dies erfordern, werden wir erneut intervenieren und aktiv sein.

Schadet die Aufhebung nicht massiv der Schweizer Exportwirtschaft oder dem Tourismus?

Der Mindestkurs wurde in einer Zeit grösster Verunsicherung und einer Überbewertung des Frankens eingeführt. Als Massnahme hat er die Schweizer Wirtschaft vor enormen Schäden bewahrt. Der Franken bleibt im Moment hoch bewertet, aber nicht mehr so stark wie auch schon. Die Wirtschaft konnte die letzten drei Jahre nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Sie haben die kürzlich eingeführten Negativzinsen verstärkt. Warum?

Der Negativzins ist ein sehr starkes Instrument, das auch in der Schweiz eine grosse Wirkung entfalten wird. Für Personen, die mit Spekulationsgeldern auf dem Geldmarkt unterwegs sind, wird das Halten von Schweizer Franken nun eine sehr, sehr teure Angelegenheit.

Werden die Banken die Negativzinsen der SNB jetzt an die Kleinsparer weitergeben?

Dieser Entscheid liegt bei den Banken. Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommen wird. Die Banken haben ein grosses Interesse daran, dass die Kleinsparer über Jahre ihre Kunden bleiben. Anders sieht es bei den Grosskunden aus, die kurzfristig grosse Bestände in Franken halten wollen. Dort wirkt der Negativzins, was auch genau der Absicht der SNB entspricht. Ich halte fest: Die komplexe internationale Situation führt dazu, dass wir nicht in einem geldpolitischen Paradies leben. Alles hat seine Kosten. Hohe Zinsen für den Sparer, ein tiefer Frankenkurs für die Exportwirtschaft und keine Risiken für die SNB, das kann die Nationalbank im Moment leider nicht bieten. Unsere beschränkten Mittel versuchen wir optimal zu nutzen.

Könnte es trotzdem dazu kommen, das Sparer Bargeld horten?

Nein, das glaube ich nicht. Das Diebstahlrisiko ist sowohl für Privat-, als auch für Geschäftskunden viel zu gross.

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