«Wir sind darauf angewiesen!»: Der Zentralschweiz gehen die Blutreserven aus
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«Wir sind darauf angewiesen!»Der Zentralschweiz gehen die Blutreserven aus

Die Blutreserven in der Zentralschweiz sind bei fünf von acht Blutgruppen tief bis kritisch. Das hat auch mit Corona zu tun. Beim Blutspendedienst wünscht man sich mehr Spenden.

von
Gianni Walther
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Beim Blutspendedienst Zentralschweiz sind die Bestände mancher Blutgruppen derzeit tief.

Beim Blutspendedienst Zentralschweiz sind die Bestände mancher Blutgruppen derzeit tief.

Blutspende SRK Schweiz
Die aktuellen Blutbestände in der Zentralschweiz. Ist der Bestand «Hoch», ist der Blutvorrat gut gefüllt. Wird «Normal» angegeben, reichen die Bestände für zehn Tage. Bei «Tief» reicht der Blutvorrat für sechs Tage. Bei «Kritisch!» sind es vier Tage und bei «Bedrohlich tief!» zwei Tage.

Die aktuellen Blutbestände in der Zentralschweiz. Ist der Bestand «Hoch», ist der Blutvorrat gut gefüllt. Wird «Normal» angegeben, reichen die Bestände für zehn Tage. Bei «Tief» reicht der Blutvorrat für sechs Tage. Bei «Kritisch!» sind es vier Tage und bei «Bedrohlich tief!» zwei Tage.

bsd-luzern.ch
Dass die Vorräte erschöpft sind, hat auch mit dem Coronavirus zu tun. Die Spendenzahlen haben noch nicht das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

Dass die Vorräte erschöpft sind, hat auch mit dem Coronavirus zu tun. Die Spendenzahlen haben noch nicht das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

WeArePepper/Dominik Baur

Darum gehts

  • In der Zentralschweiz sind die Bestände vieler Blutgruppen derzeit sehr tief.

  • Bei zwei Blutgruppen ist der Bestand normal bzw. hoch.

  • Wegen Corona bleibt ein Teil der Spendenden aus. Gewisse Spenden können wegen Infektionen nicht genutzt werden.

  • Die Blutversorgung ist gewährleistet.

Die Blutreserven vieler Blutgruppen in der Zentralschweiz sind derzeit auf tiefem Niveau. Bei den Blutgruppen A- und B- sind die Reserven des Blutspendedienstes Zentralschweiz «Bedrohlich tief!». Gemäss Angaben auf der Webseite des Blutspendedienstes Zentralschweiz reicht der Vorrat noch für zwei Tage. Markiert mit «Kritisch!» sind die Blutgruppen 0-, A+ und AB-. Dort reicht der Vorrat für vier Tage. Auf tiefem Niveau (sechs Tage) ist die Gruppe 0+. Bei AB+ (hoch) und B+ (normal, Vorrat reicht zehn Tage).

Spendezahlen noch nicht auf Niveau vor Corona

«Kritisch sind jene Blutgruppen mit negativem Rhesusfaktor», sagt Claus Werle, Leiter Blutspendemanagement beim Blutspendedienst Zentralschweiz. Diese Blutgruppen kommen in der Bevölkerung nur wenig vor. Gleichzeitig ist dieses Blut mit mehr Blutgruppen kompatibel als jene mit positivem Rhesusfaktor (siehe Box). Es komme hie und da vor, dass die Bestände bei diesen Gruppen in kritische Bereiche geraten. Die Vorräte unterliegen jedoch ständigen Schwankungen. Auch über die Ostertage dürften nun weniger Blutspenden eingehen.

Einen Grund sieht Werle beim Coronavirus: «Die Spenderzahlen sind noch nicht wieder auf dem Niveau von 2019 angelangt.» So erhält der Blutspendedienst weniger Spenden, da nach wie vor erkrankte Personen zu Hause bleiben. «Es kommt auch vor, dass Konserven unbrauchbar werden, wenn Spender uns im Nachhinein eine Infektion melden», sagt Werle. 

Es braucht regelmässig Spenden

Die Blutreserven gehen der Zentralschweiz aber nicht aus: «Wir haben notfalls die Möglichkeit, auf Blutreserven anderer Regionen zurückzugreifen», sagt Werle. Trotzdem sagt er: «Wir sind darauf angewiesen, dass wir jetzt Spenden bekommen. Deshalb organisieren wir auch immer wieder Blutspendeaktionen in Gemeinden.» Zudem ist der Blutspendedienst auch an den Luga-Wochenenden vertreten: Jeweils von Freitag bis Sonntag kann man dort Blut spenden.

Auch gebe es immer wieder Aktionen bei Firmen, das sei aber auch immer mit einem grösseren Aufwand verbunden. Hinzu kommt: Bei solchen Aktionen steigen die Blutreserven jeweils stark an. Schwierig dabei ist jedoch, dass Blut nach sechs Wochen nicht mehr brauchbar ist. Dementsprechend sinken die Bestände sechs Wochen nach einer Blutspendeaktion in einer Firma wieder. «Deswegen sind wir darauf angewiesen, dass wir in unseren Zentren regelmässig Personen Blut spenden. So wird die Menge der Spenden besser verteilt», so Werle.

Verträglichkeit von Blutgruppen

Nicht alle Personen können Blut jeder Blutgruppe erhalten. Benötigt jemand eine Blutspende, muss die Verträglichkeit zwischen Spender und Empfänger gegeben sein. So kommt es auf die Blutgruppe (0/A/B/AB) und den Rhesusfaktor (+/-) an. Ist dabei die Verträglichkeit nicht gegeben, kann dies zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. So kann beispielsweise eine Person mit der Blutgruppe AB+ Blut von Personen aller anderen Blutgruppen erhalten. Umgekehrt kann diese Person aber ausschliesslich Blut für Patienten mit der Gruppe AB+ spenden. Weitere Informationen dazu findest du hier. Weiter sind nicht alle Blutgruppen gleich stark vertreten. So haben in der Schweiz rund 85 Prozent der Bevölkerung eine Blutgruppe mit positivem und nur 15 Prozent eine Blutgruppe mit negativem Rhesusfaktor. Weitere Infos dazu gibts hier.

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