Beitrittsgesuch sistiert: Der Zickzack-Kurs des Ricardo Lumengo
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Beitrittsgesuch sistiertDer Zickzack-Kurs des Ricardo Lumengo

Ricardo Lumengo wird vorerst kein Grüner. Er hat sein Beitrittsgesuch zurückgezogen. Offenbar sucht er nochmals das Gespräch mit der SP.

von
rn

Der wegen Wahlfälschung erstinstanzlich verurteilte Nationalrat Ricardo Lumengo bleibt vorerst fraktionslos. Die Fraktion der Grünen musste an ihrer heutigen Sitzung nicht wie angekündigt über sein Beitrittsgesuch befinden.

Noch vor der Sitzung habe Lumengo Fraktionspräsidentin Maya Graf darüber informiert, dass er sein Gesuch auf Eis legen möchte, sagt Miriam Behrens, Generalsekretärin der Grünen auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Seinen Entscheid begründete er damit, dass er eventuell nochmals mit der SP ins Gespräch kommt.»

SP-Nationalrat Lumengo nach dem Schuldspruch

Lumengo hatte ursprünglich um eine Aufnahme in der Grünen Fraktion ersucht, weil er nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil von seiner Partei, der SP, zum Rücktritt als Nationalrat aufgefordert worden war. Der 48-Jährige entschied sich in der Folge jedoch, im Parlament zu bleiben. Dafür verliess er die Partei und damit auch die sozialdemokratische Fraktion.

Anschlusslösung gesucht

Ohne Fraktion zu politisieren sei jedoch schwierig, sagte Lumengo bereits gestern zu 20 Minuten Online. Deshalb suche er im Parlament nach einer Anschlusslösung. Auf Anfrage begründet er heute seinen Zickzack-Kurs damit, dass er Zeit brauche, um zu entscheiden, welcher Partei er beitreten wolle. «Das Anliegen ist nicht dringend», so der 48-Jährige. Er könne nicht ausschliessen, dass er bis zur Frühjahrssession fraktionslos bleibe.

Neben einer Reaktivierung des sistierten Beitrittsgesuchs bei den Grünen könnte sich der Berner nur noch eine Rückkehr in die SP-Fraktion vorstellen. Nicht infrage kommt für Lumengo hingegen ein Beitritt zur CVP-EVP-glp-Fraktion: «Da gibt es zu viele Punkte, bei denen unsere Interessen auseinander gehen.»

Überraschung bei der SP

In der SP reagiert man mit einer gewissen Überraschung auf die neuste Entwicklung im Fall Lumengo. SP-Sprecher Andreas Käsermann hielt lediglich fest, dass Lumengo aus eigenem Antrieb aus der Fraktion und der Partei ausgetreten sei.

Wenn er als Parteiloser zurück in die SP-Fraktion wolle, könne Lumengo einen Antrag stellen. Die Fraktion würde dann darüber befinden. «Es liegt aber kein Antrag vor», so Käsermann weiter.

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