Aktualisiert 28.03.2019 23:47

Rekord bei Zug-Sprayereien

«Der Zug ist die Meister-Disziplin im Graffiti»

Die BLS spricht von einem «traurigen Rekord»: 2018 wurden so viele Züge versprayt wie noch nie. Auch die SBB kämpft mit Vandalenakten. Ein Sprayer erzählt, warum Züge beliebt sind.

von
cho
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Unter Sprayern gelten Züge als fahrende Leinwände. Rund 1,3 Millionen Franken musste die BLS im vergangenen Jahr in die Graffiti-Reinigung von Zügen aufwenden: «Das ist trauriger Rekord.»

Unter Sprayern gelten Züge als fahrende Leinwände. Rund 1,3 Millionen Franken musste die BLS im vergangenen Jahr in die Graffiti-Reinigung von Zügen aufwenden: «Das ist trauriger Rekord.»

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340 Wagen seien im vergangenen Jahr verschmiert worden, was der Fläche eines Fussballfeldes entspreche.

340 Wagen seien im vergangenen Jahr verschmiert worden, was der Fläche eines Fussballfeldes entspreche.

Instagram/graffiti_bern
«Was sich gegenüber 2018 massiv verändert hat, ist die Menge an Sprayereien und...

«Was sich gegenüber 2018 massiv verändert hat, ist die Menge an Sprayereien und...

Keystone/Valentin Flauraud

Unter Sprayern gelten Züge als fahrende Leinwände – und werden immer öfter auch als solche missbraucht: «Es ist effektiv ein Problem, das zunimmt», erklärt BLS-Sprecher Stefan Dauner gegenüber Energy Bern. 340 Wagen seien im vergangenen Jahr verschmiert worden, was der Fläche eines Fussballfeldes entspreche. Rund 1,3 Millionen Franken musste die BLS im vergangenen Jahr in die Graffiti-Reinigung von Zügen aufwenden: «Das ist trauriger Rekord.»

Aber auch die SBB kämpft mit steigenden Kosten. Während 2017 insgesamt 1937 Graffiti an Zügen gezählt wurden, wuchs diese Zahl 2018 auf 2507. Ensprechend stiegen auch die Reinigungskosten von 5,4 Millionen Franken (2017) auf 5,8 Millionen im letzten Jahr. Das sei aber nicht das einzige Problem: «Was sich gegenüber 2018 massiv verändert hat ist die Menge an Sprayereien. Zudem werden viel grössere Flächen versprayt», so Sprecher Christian Ginsig.

«Es ist eine fahrende Leinwand»

Aber warum werden überhaupt so oft Züge versprayt? 20 Minuten konnte mit einem jungen Sprayer sprechen: «Der Zug ist die Meisterdisziplin im Graffiti und mit viel Aufwand verbunden», so der Mann, der anonym bleiben will. Im Gegensatz zu Graffiti an der Wand würden Zugs-Graffiti von viel mehr Menschen gesehen: «Es ist eine fahrende Leinwand.»

Hier verfolgte Polizei Sprayer im Fluss

Wände, Masten und Menschen versprayte ein betrunkener 42-Jähriger in Luzern. Als ihn Polizisten festnehmen wollten, sprang er in die Reuss und schwamm zwei Kilometer weit. Die Polizei folgte ihm an einem Weg am Ufer, im Zeitraffer sehen Sie ein Stück dieses Veloweges, wo die Polizisten den Mann verfolgten.

Den Zug mit Spraydosen zu verschmieren ist keineswegs ein neues Phänomen. Doch die Zahlen steigen. «Ich denke, dass sich die neuen Generationen von Sprayern heute schon viel früher an die Züge wagen», sagt der Szenekenner. Dabei könne nicht jeder einen «Zug malen» Und man müsse genau wissen, wann, wo und wie sich man sich Zutritt verschafft.

«Können Züge nicht umzäunen»

Ist ein Zug erstmal verschmiert, wird er von den Transportunternehmen möglichst schnell aus dem Verkehr genommen und gereinigt. Gut 90 Prozent aller Graffiti seien innerhalb von zwei Tagen wieder verschwunden, gibt etwa die BLS an. Viel mehr als die möglichst rasche Entfernung der Sprühfarbe bleibe nicht, so BLS-Sprecher Dauner: «Wir können schlicht nicht alle Züge über Nacht umzäunen. Hinzu kommt, dass vermehrt auch tagsüber Wagen verschandelt werden.»

Sämtliche Zugs-Graffiti werden zur Anzeige gebracht. Sprayereien fallen unter die Delikt-Kategorie «Vandalismus nach Vorgehensweise». Die Kantonspolizei Bern registrierte letztes Jahr 4400 Anzeigen in diesem Bereich, wobei es in urbanen Gebieten öfter zu Sprayereien komme als in ländlichen, weiss Kapo-Sprecherin Jolanda Egger.

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