Opel Olympia Rekord: Der zuverlässige Wagen für Aufsteiger
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Opel Olympia RekordDer zuverlässige Wagen für Aufsteiger

Die Konkurrenz war geschockt, als Opel 1953 den Olympia Rekord enthüllte. Weniger wegen der modernen Form als wegen des Kampfpreises.

von
B. v. Rotz
Opel Olympia Rekord (1956) - wer vom Käfer aufstieg, erhielt ein deutlich komfortableres Auto.

Opel Olympia Rekord (1956) - wer vom Käfer aufstieg, erhielt ein deutlich komfortableres Auto.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Platz für fünf Personen und Gepäck.

Platz für fünf Personen und Gepäck.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Die Zweifarbenlackierung war in den Fünfzigerjahren sehr beliebt.

Die Zweifarbenlackierung war in den Fünfzigerjahren sehr beliebt.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com

Der auf der Automobilausstellung in Frankfurt im März 1953 vorgestellte Opel Olympia Rekord war die erste Nachkriegs-Neuentwicklung von Opel. Mit seiner selbsttragenden Ganzstahlkarosserie, die durchaus amerikanischen Linien folgte, bot er auf bescheidener Grundfläche (4,24 Meter lang und 1,62 Meter breit, bei 1,5 Meter Höhe) Platz für fünf Personen und deren Gepäck.

Der vom Vorkriegsmodell Olympia übernommene 1,5-Liter-Motor leistete nun 40 PS und beschleunigte den Wagen auf fast 120 km/h. Opel hatte den Olympia Rekord konsequent entwickelt, so dass er schon bei der Lancierung kaum Schwächen aufwies.

Ein hübsches Auto für wenig Geld

Zwar war der Opel Olympia Rekord nicht das erste Ponton-Auto in Deutschland – da waren ihm Borgward, Ford oder Fiat voraus –, aber man hatte es in Rüsselsheim geschafft, amerikanische Linien und Ornamente attraktiv auf ein europäisches Mass zusammenzudampfen. Mit seinem Haifischmaul wirkte der kompakte Opel aufmerksamkeitsheischend, die verhältnismässig grossen Glasflächen schufen ein helles Interieur.

Der Clou aber war der attraktive Preis: 7300 Franken (inklusive Heizung). Ein VW Käfer kostete zwar etwa einen Tausender weniger, aber der fuhr ja auch keine 120 km/h und bot zudem deutlich weniger Platz.

Ist günstig auch gut?

Natürlich rissen sich die Tester der verschiedenen Autozeitschriften darum, den neuen Opel zu fahren. Einige kauften sich sogar einen für sich selber, offenbar überzeugte der Olympia Rekord. Mit einem Verbrauch von 7 bis 11,5 Litern je nach Fahrweise, einer Höchstgeschwindigkeit von 116 km/h und einer Beschleunigungszeit von 36,5 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h bewies der stabil gebaute Opel, dass er das Zeug hatte, vorne in seiner Klasse mitzufahren.

Auch das Fahrverhalten überzeugte und überhaupt gab es nur wenige Kritikpunkte, wie etwa die nicht ganz vollständig durch die Scheibenwischer bestrichene Windschutzscheibe.

Jährliche Überarbeitungen

Die Käufer des Olympia Rekord konnten sich also glücklich schätzen, hätte es nicht einen Wermutstropfen gegeben, den die Opelaner den Amerikanern zu verdanken hatten. Jährlich nämlich erneuerten die Rüsselsheimer wie ihre US-Mutter ihren Verkaufsspitzenreiter. Dies trübte dann jeweils die Freude am Vorjahresmodell ein wenig, machte aber die Neukäufer umso stolzer.

1954 etwa erhielt der Olympia Rekord einen neuen Kühlergrill und einen verbesserten Motor. Einen weiteren Sprung machte dann das Modell für 1956. Der Motor leistete nun 45 PS, die Front wirkte durch einen neuen Kühlergrill geglättet und erstmals kam ein kombiniertes Zünd-/Startschloss zum Einsatz. Der Verbrauch sank trotz gestiegener Fahrleistungen.

Auch im Jahr darauf wurden nochmals ein paar Retuschen vorgenommen, dann löste der Opel Rekord P1 den Olympia nach 586'872 produzierten Wagen 1957 ab.

Am Lenkrad des «Zuverlässigen»

Setzt man sich 60 Jahre später hinter das Kunststofflenkrad, muss man den damaligen Testern zustimmen, dass das Fahren eines Olympia Rekord kaum aussergewöhnliche Fähigkeiten verlangt.

Drei am Lenkrad geschaltete Gänge zeigen, wie alt der Opel wirklich ist. Die 122 km/h Höchstgeschwindigkeit glaubt man unbesehen, belässt es aber lieber bei 70 oder 80 km/h und ist froh, wenn die 6-Volt-Batterie den Wagen nach jedem Stopp wieder zu starten vermag. Die Fahrt im alten Opel ist weniger ein Abenteuer als eine Zeitreise.

Weitere Informationen, viele Bilder und Werbesujets von damals finden sich auf www.zwischengas.com.

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