Ölpest: Der zweite Versuch ist in vollem Gange
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ÖlpestDer zweite Versuch ist in vollem Gange

Im Golf von Mexiko ist ein zweiter Versuch angelaufen, das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe mit einer Stahlbetonglocke abzudichten. Die Ölfirmen schieben sich derweil die Schuld zu.

Der politische Druck auf den Ölkonzern BP steigt. Seit deren Bohrinsel vor drei Wochen im Golf von Mexiko versunken ist, sprudelt ungehindert Öl aus zwei undichten Stellen am Meeresboden. Ein erster Versuch, das Hauptleck mit einer mehr als hundert Tonnen schweren Stahlkuppel abzudichten, scheiterte vergangene Woche. Nun soll am (morgigen) Donnerstag ein zweiter Anlauf mit einer kleineren Stahlkuppel unternommen werden. Der Container hat seinen Zielort in 1600 Meter Tiefe bereits erreicht.

Bei einer Anhörung im US-Senat am Dienstag verurteilten die Sitzungsteilnehmer scharf die gegenseitigen Schuldzuweisungen der beteiligten Ölkonzerne. Stattdessen sollten die Unternehmen die Verantwortung für eine «Kaskade von Fehlern» übernehmen, die zum Untergang der Förderplattform «Deepwater Horizon» führten. «Es wird keine Entschuldigung geben», falls sich herausstellen sollte, dass die Betreiber die gesetzlichen Vorschriften missachtet hätten, erklärte die republikanische Senatorin Lisa Murkowsi.

BP will für Schäden geradestehen

Ein Abstellventil von Transocean habe versagt, bemängelte BP. «Offshore-Projekte für die Öl- und Gasförderung beginnen und enden beim Betreiber, in diesem Fall BP», sagte hingegen Transocean-Vorstandschef Steven Newman.

Die «Haftung und Schuld» liege hier, sagte BP-America-Chef Lamar McKay und zeigte auf den Zeugenstand, wo die Manager von BP, des Plattform-Besitzers Transocean und des technischen Dienstleistungskonzerns Halliburton Platz genommen hatten. Dennoch werde sein Konzern die Aufräumarbeiten übernehmen und alle «legitimen» Finanzansprüche begleichen, sagte McKay wiederholt bei der Anhörung - auch über die gesetzlich festgeschriebene Obergrenze von knapp 60 Millionen Euro hinaus. Die Schäden durch die Ölpest könnten sich auf mehrere Milliarden Dollar belaufen.

Ausgang des zweiten Rettungsversuchs ungewiss

Der Ausgang des nun angelaufenen Rettungsversuchs ist ungewiss: Die Experten haben wegen der Tiefe des Meeresgrundes mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine mehr als hundert Tonnen schwere Stahlkuppel sollte am Wochenende über das Hauptleck gestülpt und 85 Prozent des auslaufenden Öls eingefangen und abgesaugt werden. Doch ein Gas-Wasser-Gemisch verstopfte die Öffnung an der Spitze des Behälters und verhinderte ein Absaugen. BP will nun am Donnerstag eine kleinere Stahlkuppel über das Hauptleck stülpen und ein abermaliges Verstopfen durch die Einleitung von heissem Wasser und Methanol vermeiden. Der zwei Tonnen schwere Container befindet sich bereits seit der Nacht zum Mittwoch auf dem Meeresboden.

Seit die Bohrinsel am 22. April versunken ist, sind bereits 15 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen. Die Umweltschutzbehörde von Louisiana warnte am Mittwoch vor einer weiteren Ausweitung der Ölpest.

Gesetzesentwurf sieht Vetorecht gegen Bohrungen vor

Als Reaktion auf die Ölpest planen zwei US-Senatoren eine Gesetzesinitiative, die den Einzelstaaten ein Vetorecht gegen Bohrungen vor der Küste geben würde. Das geht aus einem Entwurf hervor, der am Mittwoch vorgestellt werden sollte und vorab der Nachrichtenagentur AP bekannt wurde.

Darin fordern der demokratische Senator John Kerry und sein unabhängiger Kollege Joe Lieberman, dass US-Staaten zum einen ein Vetorecht bekommen, falls Bohrungen in Nachbarstaaten möglicherweise negative Auswirkungen auch auf sie haben könnten. Zum anderen sollen Staaten das Recht bekommen, Bohrungen bis zu 120 Kilometer vor ihrer eigenen Küste abzulehnen. (dapd)

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