Gerichtsprozess verloren: Derdiyok unterliegt 0:2
Aktualisiert

Gerichtsprozess verlorenDerdiyok unterliegt 0:2

Das Obergericht spricht den Zeugen im Fall Derdiyok vom Vorwurf der üblen Nachrede frei. Der Buchhalter habe nur ausgesagt, was er glaubte gesehen zu haben. Von absichtlichem Lügen könne keine Rede sein.

von
A. Hirschberg
Eren Derdiyok ist vor Gericht abgeblitzt. Das Obergericht hat den Zeugen im Fall der Flaschen-Attacke freigesprochen.

Eren Derdiyok ist vor Gericht abgeblitzt. Das Obergericht hat den Zeugen im Fall der Flaschen-Attacke freigesprochen.

Durfte Artan S. (Name geändert) sagen, er habe gesehen wie Fussballer Eren Derdiyok seinem Freund Martin T. im Kaufleuten eine Flasche auf den Kopf schlug? Dieser Frage ist das Zürcher Obergericht am Freitagnachmittag nachgegangen. Denn der Nati-Spieler hatte den Buchhalter aus dem Kanton Zürich wegen übler Nachrede angezeigt.

Der Prozess am Zürcher Obergericht drehte sich um einen Vorfall, der sich im April 2009 ereignete. In der Nacht auf Karsamstag wurde dem damals 21-jährigen Martin T. im Kaufleuten eine Flasche über den Kopf geschlagen. Zuvor war es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Lageristen und dem Nati-Spieler gekommen.

Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt

Der damals 25-jährige Artan S., der beste Freund von Martin T., hatte die Diskussion zwischen den beiden aus rund drei Metern Entfernung beobachtet. Er glaubte gesehen zu haben, wie Derdiyok seinem Freund eine durchsichtige Flasche auf den Kopf schlug. Dies erzählte er Martin T. auch im Unispital, wo dieser wegen Verletzungen am Auge operiert werden musste.

Martin T. wandte sich darauf an die Presse und berief sich bei der Beschuldigung von Derdiyok auf die Aussage seines Freundes Artan S. Die Polizei wurde eingeschaltet und der Nati-Spieler angezeigt. Das Verfahren gegen Derdiyok wegen Körperverletzung wurde aber eingestellt. Der Staatsanwalt sah keinen Beweis, dass der Fussballer die Flasche tatsächlich geschwungen und Martin T. verletzt hatte.

Nicht wissentlich die Unwahrheit gesagt

Derdiyok wiederum hatte Artan S. wegen übler Nachrede und Verleumdung angezeigt, weil dieser und sein Freund Martin T. ihn vor einer rechtskräftigen Verurteilung in der Presse beschuldigt hatten.

Nachdem Derdiyok bereits vor Bezirksgericht abgeblitzt war, sprach nun auch das Obergericht Artan S. von allen Vorwürfen frei. Gemäss dem Gerichtsvorsitzenden Thomas Meyer habe Artan S. seinen Freund und die Polizei über das informiert, was er glaubte, gesehen zu haben. Dabei habe er nicht mit Absicht oder wissentlich die Unwahrheit gesagt. Ausserdem gebe es keinen Hinweis, dass Artan S. mit der Geschichte zur Presse gegangen sei. Er habe vermutlich auch nicht gewusst, dass Martin T. dies tun würde.

Dem Gericht ging es in diesem Fall auch darum, Augenzeugen zu schützen. «Augenzeugen schildern, was sie glauben, gesehen zu haben. Man kann an ihre Aussagen bezüglich des Wahrheitsbeweises nicht zu hohe Anforderungen stellen», so Thomas Meyer.

Deine Meinung