Aktualisiert 23.07.2012 07:26

Nigeria-Connection

Deshalb bekommen wir so stupiden Spam

Je irrwitziger ihre Geschichten über reiche Verwandte und Prinzen, die in Nigeria Millionen hinterlassen haben, desto erfolgreicher sind Cyber-Betrüger. Das zeigt eine neue Studie.

von
Alex Hämmerli
Nur die Leichtgläubigsten fallen auf die Nigeria-Connection rein.

Nur die Leichtgläubigsten fallen auf die Nigeria-Connection rein.

Jeder von uns hat sie schon bekommen: E-Mails von angeblichen Vertretern verstorbener afrikanischer Geschäftsleute, die Millionenbeträge versprechen, wenn man denn nur die «dringend benötigten» paarhundert Dollar überweist, um letzte bürokratische Hürden zu überwinden. Das Englisch oder Deutsch ist grottenschlecht, die Story haarsträubend unglaubwürdig.

Bei den allermeisten Computernutzern landen die E-Mails dort, wo sie hingehören: Im Papierkorb. Nur schwer kann man sich vorstellen, dass jemand auf einen solch plumpen Betrugsversuch reinfallen könnte. Dennoch muss sich das Geschäft mit der millionenfachen Spam-Lüge lohnen, denn sonst hätten es die Gauner längst aufgegeben. Nun zeigt eine neue Studie der Microsoft-Forschungsabteilung, dass die Nigerianischen Scammer (engl. Betrüger) mit ihren hanebüchenen Geschichten gezielt nach den Leichtgläubigsten unter den Leichtgläubigen suchen.

Misstrauische werden so früh wie möglich ausgesiebt

Die Logik ist folgende: Der millionenfache Versand von Mails ist fast gratis. Schreibt ein potenzielles Opfer aber zurück, so muss der Betrüger auf die Antwort reagieren. Das wiederum verursacht grossen Aufwand, da das Opfer nun im Zuge etlicher E-Mails davon überzeugt werden muss, das Geld zu überweisen. Riechen in dieser Phase zu viele den Braten und springen vorzeitig ab, bedeutet das für die Betrüger einen Verlust.

Um solche Situationen möglichst zu verhindern, sind die Lockangebote so offensichtlich mies verfasst. Microsoft-Experte Cormac Herley schreibt in seiner Studie, das diene den Scammern als Filter, um sogenannt «falsch-positive» Kontakte, die nichts als Mühe verursachen, auszusortieren. Was bleibt sind die wirklich Leichtgläubigen, die sich bis zum Schluss problemlos übers Ohr hauen lassen.

Auf der Jagd nach den Betrügern

Stimmt die These von Herley, könnte man den internationalen Scam-Betrug ausmerzen. Es müsste nur eine genügend grosse Masse an Empfängern auf die Angebote zum Schein eingehen, obwohl sonnenklar ist, dass hinter dem Prinzen ein krimineller Ring steht. Exakt dieses Vorgehen hat sich zum Hobby einiger Internet-Aktivisten entwickelt, etwa der Betreiber von 419eater.com. Die Zahl 419 steht für den entsprechenden Paragraphen im nigerianischen Gesetzbuch.

Wie gross ist der Schaden?

Wie viele Menschen den E-Mail-Betrügern auf den Leim gehen, lässt sich nur schwer ermitteln. Denn oft melden sich die Opfer nicht – etwa weil es ihnen peinlich ist, dass sie auf die billige Masche reingefallen sind – oder weil sie sich bewusst sind, dass sie das Geld ohnehin nie mehr sehen werden. Konkrete Schweizer Zahlen gibt es daher weder bei der Meldestelle Melani, noch beim Bundesamt für Statistik noch beim Bundesamt für Polizei. Die holländische Firma Ultrascan schätzte im Jahr 2007, dass der finanzielle Schaden damals 4,3 Milliarden Dollar betrug. Neuere Zahlen gibt es nicht.

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