#Wetterberichtigung: Deshalb heisst das aktuelle Tief Ahmet
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#WetterberichtigungDeshalb heisst das aktuelle Tief Ahmet

Schluss mit Irma, Gertrud oder Klaus: Ein Verein will dafür sorgen, dass Schweizer Medien in Zukunft Wetterphänomene vermehrt auch mit den Namen von Migranten versehen.

von
Patrick McEvily
So sieht die aktuelle Wetterlage aus.

So sieht die aktuelle Wetterlage aus.

wetterberichtigung.org

Darum gehts

  • Altertümliche Namensgebungen bei Wetterphänomenen sollen bald der Vergangenheit angehören.

  • Ein Verein will, dass die Bevölkerung im deutschsprachigen Raum besser abgedeckt wird.

  • Hoch- und Tiefdruckgebiete sollen nicht nur Irma oder Klaus, sondern auch Goran oder Dragica heissen.

Unter dem Hashtag #Wetterberichtigung haben sich mehrere Journalisten und Journalistinnen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zusammengeschlossen. Sie fordern die Redaktionen im Land auf, die Bevölkerung in den jeweiligen Ländern besser abzudecken. Bei Meldungen zu Wetterphänomenen würden heute eher altertümliche Namensgebungen verwendet. Dies will die Gruppe laut einem Communiqué ändern:

Ein erster Schritt wäre, wenn in der Wetterberichterstattung im Januar die Hoch- und Tiefdruckgebiete namentlich genannt würden. Regen bringen unter anderem die Tiefs Ahmet, Goran, Jussuf, Flaviu und Dimitrios, für Sonne sorgen die Hochdruckgebiete Dragica, Bozena und Chana.

Für mehr Repräsentation in deutschsprachigen Medien

Hinter der Initiative steht der Verein Neue Schweizermedien Medienmacher*innen (NCHM). Der Verein wurde im vergangenen Sommer von Journalist*innen von Radio X, der WOZ und der News-Plattform babanews.ch gegründet. In Deutschland besteht eine ähnliche Initiative bereits seit einigen Jahren.

Mit ihrem Aufruf wollen die Aktivisten darauf aufmerksam machen, dass in hiesigen Redaktionen Medienschaffende mit Migrationshintergrund untervertreten sind. Im Nachbarland Deutschland geht man diesbezüglich von einer Anzahl von 10-15 Prozent aus. Für die Schweiz gehen die Verantwortlichen von NCHM von einer noch tieferen Zahl aus. Sie fordern eine öffentliche Diskussion zu Lösungsansätzen, und auch vor Quoten schrecken sie nach eigenen Angaben nicht zurück. Darüber hinaus fordert die Gruppe mehr Vielfalt in den Beiträgen. In einer Medienmitteilung heisst es: «Medien sollten mit Diversity-Checklisten arbeiten und auch nicht-weisse Menschen zeigen. Bei jedem Thema, in jeder Sendung.»

So geht das mit den Namen

Für die Namensgebung sämtlicher Hoch-und Tiefdruckgebiete ist im deutschsprachigen Raum das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin zuständig. Dieses gibt jeweils, zwischen geraden und ungeraden Jahren wechselnd, Hochs weibliche- oder männliche Namen.
Für das Jahr 2021 hat sich die Initiative #wetterberichtigung insgesamt 14 Namen gesichert. Über die kommenden Wochen werden uns also nach Ahmet auch Chana oder Dragica begegnen.

Bereits hat sich aber auch Kritik laut gemacht. So machen verschiedene User in den sozialen Medien darauf aufmerksam, dass gerade Tiefdruckgebiete eine negative Konnotation mit sich brächten. Die deutsche AFD-Politikerin, Alice Weidel meldet sich kritisch:

Freude an der Initiative hat hingegen die Klimaaktivistin Luisa Neubauer:

Mehr Informationen zum Verein NCHM findest du hier . Die Initiative #wetterberichtigung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichzeitig angelaufen.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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