Neue Details: Deshalb kam es zum Drama an der Goa-Party
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Neue DetailsDeshalb kam es zum Drama an der Goa-Party

Zwei Tage nach dem tödlichen Drama von Giswil wird bekannt: Die Goa-Party hätte gar nicht dort stattfinden sollen. Die Staatsanwaltschaft hat derweil den Obduktionsbericht aus Zürich erhalten.

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feb/fum

Der Schock in der Goa-Szene sitzt tief: Am frühen Sonntagmorgen wurde der 19-jährige Stefan S. in Giswil OW aus der Melchaa gezogen, wenig später verstarb er. Der Vater vermutete gestern, dass sein Sohn wohl beim Pinkeln ins Wasser gefallen sei. Viele Teilnehmer zweifeln jedoch an dieser Darstellung: «Der Mann hatte nur gerade Badehosen an, als man ihn fand. Wir gehen davon aus, dass er absichtlich ins Wasser gestiegen ist», sagt Veranstalter Demian Tomarchio. Drei weitere Party-Teilnehmer bestätigen diese Version unabhängig voneinander.

Zudem wird bekannt, dass die Veranstaltung gar nicht in Giswil hätte stattfinden sollen – geplant war sie eigentlich im luzernischen Hergiswil. Die Organisatoren hatten dort bereits einen Platz am Waldrand auserkoren, die Werbung lief über Facebook. Die Kantonspolizei und die Gemeinde Hergiswil bestätigen, dass eine Bewilligungsanfrage für eine Veranstaltung mit dem Namen «Sommertraumtanz/ Geburtstagsfest» eingegangen sei. «Weil es sich um eine Anfrage für 200 Leute handelte, wurden wir hellhörig», sagt Gemeindeammann Walter Grüter auf Anfrage.

In Zusammenarbeit mit der Polizei habe man bemerkt, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Geburtstagsfest handelte. Weil auch der Grundeigentümer seine Einwilligung nicht gab, sei im Gemeinderat rasch klar gewesen, dass eine Bewilligung nicht in Frage komme, so Grüter. Gemäss der Kantonspolizei wurde dies den Veranstaltern am Dienstag, also vier Tage vor dem Anlass, so mitgeteilt.

Umstellung in letzter Minute

Die Absage, verbunden mit der Androhung von Verhaftungen, falls die Party doch dort stattfinden sollte, erwischte die Organisatoren offenbar auf dem falschen Fuss. Sie mussten innerhalb kürzester Zeit einen neuen Ort für die Party suchen. Gemäss Jerry Iten, der an der Party fürs Licht zuständig war, sei eine Absage aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen. Eine Person aus dem Umfeld der Organisatoren habe dann das idyllische Giswil vorgeschlagen – mit den bekannten Folgen.

Wie Esther Omlin von der Obwaldner Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mitteilt, ist Stefan S. höchstwahrscheinlich ertrunken. Dies habe der Obduktionsbericht vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich ergeben. Zudem sei auch von Drogenkonsum auszugehen. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung würden damit aufrechterhalten.

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Kapo Obwalden war vor Ort

Aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung ist die Kantonspolizei Obwalden am Samstag vor 18 Uhr zum Veranstaltungsort der Goa-Party ausgerückt. Wie Pikettoffizier Fredi Blättler auf Anfrage sagt, habe man den Veranstalter ermahnt, dass eine grössere Party an diesem Ort nicht erlaubt sei und dass ihm eine Anzeige drohe, falls Musik abgespielt und Getränke verkauft würden. Von den zu diesem Zeitpunkt anwesenden rund 25 Personen wurden die Personalien aufgenommen.

Gegen 2 Uhr kontrollierten die Beamten die Stelle nochmals: «Da war die Party in vollem Gang. Es war uns nicht möglich, den Veranstalter zu finden», so Blättler. Weil der Polizei im engen Tal das Risiko einer Auflösung zu gross erschien, liess man das Fest aber weiterlaufen. Das dritte Mal rückte die Polizei dann in den frühen Morgenstunden des Sonntags aus - da war das tödliche Drama schon geschehen. (fum)

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