Aktualisiert 30.10.2014 12:45

«Bachelor» und Co.

Deshalb lieben wir Trash-TV

Mit seichten Formaten wie «Der Bachelor» fesselt 3+ die Zuschauer. Medienexperten erklären, warum Trash-TV so gut ankommt.

von
Julia Panknin/Lorena Sauter

Die zweite Folge der dritten «Bachelor»-Staffel schlug ein wie eine Bombe: Mit 16,3 Prozent Marktanteil bei den 15 bis 49-Jährigen sassen fast doppelt so viele Ladys vor dem Bildschirm als letztes Jahr. Trash-TV ist in. Und 3+ setzt mit «Bachelor», «Supervujo» oder den «Bellers» voll auf diese Karte.

Solche Formate profitieren offenbar davon, dass alle in der Kaffeepause oder auf dem Pausenplatz über die Ladys und ihren Liebsten diskutieren. Martin Wettstein, Projektassistent für Medienpsychologie an der Universität Zürich, liefert dazu die wissenschaftliche Begründung: «Menschen vergleichen sich gerne mit weniger gebildeten, höher verschuldeten oder moralisch weniger gefestigten Personen, weil ihr eigenes Selbstwertgefühl davon profitiert.» Und über die Fehler der anderen lässt sich dann natürlich prächtig lästern.

Vujo ist der Grund für Rafaels Erfolg

Es komme heute jedoch noch ein deutlich wichtigerer Faktor hinzu, führt Wettstein aus: «Heutige Rezipienten sehen sich ihre Serien und Filme im eigenen Tempo an selbst gewählten Tagen an und geniessen sie hauptsächlich ganz für sich allein oder mit dem Partner.» Dadurch stirbt jedoch die Anschlusskommunikation mit Freunden und Arbeitskollegen. Von dem Bedürfnis, sich über die Peinlichkeiten der Darsteller zu unterhalten, profitieren im Umkehrschluss Formate mit hohen Einschaltquoten – weil alle anderen diese sehen, müssen wir sie auch schauen.

Dass «Der Bachelor» in der Schweiz aktuell so erfolgreich ist, erklärt Medienpsychologe Stefan Caduff 20 Minuten wie folgt: «Die Attraktivität ist vor allem durch den Erfolg des Ex-Bachelors gestiegen. Durch Vujos mediale Präsenz als C-Promi ist auch die Sendung laufend im Gespräch.»

Simpel und peinlich – das wollen wir sehen

Die Strategie von 3+, vorwiegend auf einfach gestrickte Doku-Soaps wie «Der Bachelor», «Die Bellers» und «Supervujo» zu setzen, scheint auf jeden Fall aufzugehen. Laut 3+-Chef Dominik Kaiser steigen nicht nur die «Bachelor»-Quoten. Es wollten auch mehr als 200'000 Zuschauer sehen, wie Irina Beller mit Kohle um sich wirft. Ob die Pilot-Sendungen für «SuperVujo» und Co. als Doku-Soaps weitergeführt werden, entscheidet 3+ laut Kaiser im November.

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