Schönheitsideal: Deshalb sind Frauen stolz auf ihre langen Achselhaare

Aktualisiert

SchönheitsidealDeshalb sind Frauen stolz auf ihre langen Achselhaare

Körperbehaarung bei Frauen ist verpönt. Das musste schon Topmodel Heidi Klum erfahren. Die Aktion #Januhairy ruft nun Frauen dazu auf, ihre Körperhaare zu zeigen.

von
jk
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Ungefähr 8 Wochen und über 8100 Franken investieren westliche Frauen im Verlauf ihres Lebens in die Rasur ihrer Körperhaare. Das zeigt eine britische Studie von 2017. Damit soll nun Schluss sein: Unter dem Hashtag #Januhairy erobern momentan unzählige Fotos von Frauen, die ihre behaarten Achseln oder Beine in die Kamera halten, das Netz.

Ungefähr 8 Wochen und über 8100 Franken investieren westliche Frauen im Verlauf ihres Lebens in die Rasur ihrer Körperhaare. Das zeigt eine britische Studie von 2017. Damit soll nun Schluss sein: Unter dem Hashtag #Januhairy erobern momentan unzählige Fotos von Frauen, die ihre behaarten Achseln oder Beine in die Kamera halten, das Netz.

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Ins Leben gerufen wurde #Januhairy von der 21-jährigen Engländerin Laura Jackson (im Bild). Die Aktion hat zum Ziel, dass Frauen ihre Körperbehaarung den ganzen Januar lang wachsen lassen und diesen Prozess auf Instagram dokumentieren. Das soll helfen, die Körperbehaarung von Frauen zu enttabuisieren.

Ins Leben gerufen wurde #Januhairy von der 21-jährigen Engländerin Laura Jackson (im Bild). Die Aktion hat zum Ziel, dass Frauen ihre Körperbehaarung den ganzen Januar lang wachsen lassen und diesen Prozess auf Instagram dokumentieren. Das soll helfen, die Körperbehaarung von Frauen zu enttabuisieren.

Instagram / Laura Jackson
Das Ganze soll die Körperbehaarung bei Frauen enttabuisieren und Frauen den Druck nehmen, sich täglich minutiös zu enthaaren. Denn: Körperhaare seien natürlich.

Das Ganze soll die Körperbehaarung bei Frauen enttabuisieren und Frauen den Druck nehmen, sich täglich minutiös zu enthaaren. Denn: Körperhaare seien natürlich.

Cudger

Ungefähr 8 Wochen und über 8100 Franken investieren westliche Frauen im Verlauf ihres Lebens in die Rasur ihrer Körperhaare. Das zeigt eine britische Studie von 2017. Damit soll nun Schluss sein: Unter dem Hashtag #Januhairy erobern momentan unzählige Fotos von Frauen das Netz, die ihre behaarten Achseln oder Beine in die Kamera halten.

Ins Leben gerufen wurde #Januhairy von der 21-jährigen Engländerin Laura Jackson.

Ihre Aktion hat zum Ziel, dass Frauen ihre Körperbehaarung den ganzen Januar lang wachsen lassen und diesen Prozess auf Instagram dokumentieren. Das soll helfen, die Körperbehaarung von Frauen zu enttabuisieren. So schreibt Laura auf Instagram: «Körperbehaarung bei Frauen wird in unserer Gesellschaft noch immer kaum akzeptiert. Die Gesellschaft tut so, als wären die natürlichen Körperhaare bei Frauen etwas Unansehnliches, Widerwärtiges.»

Heidi Klum beschimpft

Ähnliche Erfahrungen machte das deutsche Topmodel Heidi Klum. Klum, die dem gängigen Schönheitsideal eigentlich entspricht, postete vor einiger Zeit ein Strand-Foto von ihren Beinen auf Instagram. Bei genauem Hinschauen werden feine blonde Härchen an den Oberschenkeln sichtbar. Grund genug für einige Follower, Klum zu beschimpfen und darauf hinzuweisen, sich gefälligst die Beine zu enthaaren: «Rasier dir mal die Beine!» oder «Ey, sowas geht gar nicht».

Lauras Aktion setzt einen Gegentrend: Nach einer Woche finden sich schon 2500 Bilder unter dem Hashtag #Januhairy auf Instagram. Frauen aus aller Welt haben sich Laura angeschlossen und lassen ihre Körperbehaarung einen Monat lang spriessen. Sie alle unterstützten die Idee, dass Frauen sich nicht mehr täglich gezwungen fühlen sollen, sich an jeglichen Stellen ihres Körpers zu enthaaren.

«Frauen sind mit oder ohne Körperhaare schön»

Auf Social Media wird die Aktion rege diskutiert. Eine Instagram-Userin verkündet euphorisch, 2019 werde das Jahr, in dem Frauen endlich damit aufhören würden, sich für ihre natürlichen Körperhaare zu schämen. Doch nicht alle sind begeistert. Auf Facebook schreibt eine Frau etwa: «Sorry, ich mache da nicht mit. Ich rasiere mich schliesslich für mich selber, um mich sauber und wohl zu fühlen.»

Und auch Männer mischen sich in die virtuelle Diskussion ein. Auf Twitter verweist ein User darauf, dass Frauen in der heutigen Gesellschaft das Recht hätten, zu tun, was sie wollten, und das sei richtig so. Sie müssten sich einfach bewusst sein, dass geschätzte 99 Prozent aller Männer Körperhaare bei Frauen abstossend fänden: «Körperhaare bei Frauen sind schlicht und einfach unattraktiv.» Ein Instagram-User hingegen schreibt: «Ich als Mann kann nur sagen, dass Frauen schön sind – mit oder ohne natürliche Körperbehaarung. Es ist die Wahl der Frauen.»

Jugendlicher Körper

Laut dem Soziologen Johannes Krause von der Universität Düsseldorf hat ein Schönheitsideal stets eine soziale und eine evolutionäre Komponente. «Das Ideal der Haarlosigkeit wird üblicherweise mit einem jungen Körper in Verbindung gebracht. Jugendlichkeit wiederum signalisiert eine noch lang anhaltende Fruchtbarkeit, was evolutionär bedingt vor allem bei Frauen als attraktiv gilt.» Das Kriterium der Haarlosigkeit sei folglich eine evolutionäre Komponente des Schönheitsideals, so Krause.

Weiter gebe es feministische Stimmen, die betonen, dass das weibliche Schönheitsideal von Männern bestimmt werde. «Folgt man diesen Stimmen, ist die Verweigerung der Rasur auch ein Ausdruck der Emanzipation», sagt Krause. Er wage dennoch zu bezweifeln, dass eine Social-Media-Bewegung die langanhaltende und flächendeckende Wirkung entfalten könne, die für ein so generelles Umdenken in Sachen Körperbehaarung nötig sei.

Geschichte der Haarentfernung

Das Schönheitsideal des haarlosen Körpers ist keinesfalls neu: Bereits die antiken Ägypter entfernten sich etwa die Beinhaare mit Fledermausblut oder Harz. Gut dokumentiert ist auch die Tatsache, dass römische Frauen sich sowohl Bein-, Achsel wie auch Schamhaare minutiös entfernten. Unter den Europäern war die Haarentfernung unterhalb des Hemdkragens später lange Zeit bis ins 19. Jahrhundert als mühsam und sogar gesundheitsgefährdend verschrien. Das schreibt die Rebecca Herzig, Professorin für interdisziplinäre Studien in den USA, die dem Thema ein ganzes Buch gewidmet hat. Laut Herzig war es Darwin, der ein Umdenken bewirkte. So deuteten Anhänger der Evolutionstheorie die Haarlosigkeit der Menschen im Gegensatz zu den Tieren als Zeichen der Überlegenheit. Das sich wandelnde weibliche Schönheitsideal und die Pioniere des Massenkonsums griffen die Haarlosigkeit dankbar auf und bald schon etablierte sie sich als festes weibliches Schönheitsideal.

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