Aktualisiert 31.03.2015 09:17

Body- und Slutshaming

Deshalb wird die Bachelorette gehasst

Frieda Hodel wird die erste Schweizer TV-Bachelorette. Schon jetzt wird die 32-Jährige im Netz runtergemacht. Was steckt dahinter?

von
Julia Panknin
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Frieda Hodel (32) soll die erste Schweizer Bachelorette sein - doch weiss die Zürcherin auch, was auf sie zukommt? Die Öffentlichkeit scheint bei «Bachelor» und «Bachelorette» nämlich mit zweierlei Mass zu messen.

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Wir erinnern uns: Ex-Bachelor Vujo Gavric verdiente sich mit seinen wirren Sprüchen und wilden Knutschereien den Titel des charmanten Machos - und eine eigene Reality-Show.

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Sein Nachfolger Rafael Beutl liess sich von seinen Ladys abschlecken, gab sich einer Busenmassage hin und züngelte in nur einer Folge ganze elf Mal. Und trotzdem brannte sich der Berner mit der Schmalzlocke uns als Prinz Charming ins Gedächtnis.

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Sie ist überdurchschnittlich schön, sehr trainiert und präsentiert sich selbstbewusst in den sozialen Medien: Frieda Hodel ist die erste Bachelorette der Schweiz.

Schon jetzt wird im Netz bereits auf der 32-jährigen Gesundheitsberaterin rumgehackt: Einmal ist sie zu dünn, dann wieder zu durchschnittlich. Sie würde sich zu sehr auf ihr Äusseres konzentrieren und wäre deshalb keine gute Lebensgefährtin, heisst es weiter.

Selbst an ihrem Charakter wird gezweifelt, weil es sonst unerklärlich scheint, dass eine Frau wie Hodel mit 32 immer noch Single ist. So oder so ähnlich tönt es auch in den Leserkommentaren auf 20min.ch.

Body- und Slutshaming

Für dieses Phänomen haben die Amerikaner den Begriff «Body- und Slutshaming» geprägt: Eine Person, meist weiblichen Geschlechts, wird für ihren Körper, ihre Art, sich zu kleiden, und die Art, wie sie ihre Sexualität auslebt, verurteilt. Aber warum?

Franziska Schutzbach vom Zentrum Gender Studies der Universität Basel erklärt sich das Verhalten mit dem kulturhistorischen Hintergrund unserer Gesellschaft: Frauen hafte bis heute vor allem in Sachen Partnerwahl und Sexualität eine passive Rolle an. «Der Mann ist traditionell derjenige, der auswählt. Das kennen wir aus Märchen wie ‹Aschenputtel›. Die Bachelorette wartet aber nicht wie die Prinzessin, sie nimmt sich, was sie will», sagt sie.

«Ein altes Schema»

Dieser Rollentausch provoziere die negativen Reaktionen, meint auch Dr. Christa Binswanger, Leiterin Fachbereich Gender und Diversity an der Universiät St. Gallen: «Die Bachelorette nimmt die männliche Position ein, weil sie auswählen darf und der Mann sich fügen muss. Dass Frauen in solchen Machtposition über ihre Sexualtiät abgewertet werden, ist ein altes Schema.»

Schutzbach sieht Reality- und Casting-Shows zudem als Spiegel unserer Gesellschaft: In vielen Bereichen gehe es zunehmend um Bewertung und darum, besser zu sein als andere. Beim weiblichen Geschlecht geschehe dies sogar noch erbarmungsloser: «Aus diversen Studien wissen wir, dass Frauen in jeder Situation mehr leisten müssen, um die gleiche Anerkennung wie Männer zu bekommen.» Gleichzeitig werde es durch die Anonymisierung im Internet leichter, Menschen zu kritisieren.

«Die Bachelorette ist eine Provokation»

In Sachen Sexualität ist die Gleichstellung in unseren Köpfen sogar noch schwieriger, meint Binswanger. «Während Männer traditionell promiskuös sein dürfen, soll die Frau zwar sexy sein, um dem Mann zu gefallen. Das Idealbild für sie ist es jedoch, die grosse Liebe, also den Einen, zu finden und ihm treu zu sein.» Und Schutzbach ergänzt: «Die Bachelorette ist eine Provokation, weil sie sich vergnügt, ihren Körper geniesst und einfach macht, was sie will. Das wird als eine Art fehlgeleitete Weiblichkeit verstanden, für die sie gehasst wird.»

Frieda Hodel muss sich also warm anziehen. Ihre deutschen und amerikanischen Vorgängerinnen haben es bereits am eigenen Leib erfahren. Mehr dazu erfahren Sie in der Bildstrecke.

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