Alltagswissen: Deshalb wird Ouzo trüb, wenn man Wasser zugiesst
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AlltagswissenDeshalb wird Ouzo trüb, wenn man Wasser zugiesst

Beim Kontakt mit Wasser werden Anis-Schnäpse milchig. Doch warum eigentlich? Niederländische Wissenschaftler haben nachgeforscht.

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In der Flasche ist Ouzo glasklar.

In der Flasche ist Ouzo glasklar.

Flickr.com/Börkur Sigurbjörnsson/CC BY 2.0
Doch sobald Wasser dazu gegossen wird, ändert sich das Bild: Das einst klare Getränk wird milchig.

Doch sobald Wasser dazu gegossen wird, ändert sich das Bild: Das einst klare Getränk wird milchig.

Wikimedia Commons/udm/CC BY-SA 3.0
Genauso verhält es sich bei Pastis und ...

Genauso verhält es sich bei Pastis und ...

iStock/Gutzemberg

Ouzo, Raki, Pastis und Absinth haben miteinander gemein, dass sie trüb werden, sobald man sie mit Wasser aufgiesst. Dieser Vorgang wird als Louche-Effekt (siehe Box) bezeichnet. Der Begriff leitet sich ab vom französischen Wort «louche», was unter anderem trüb und undurchsichtig bedeutet.

Für die Verwandlung verantwortlich ist hingegen der sogenannte Tyndall-Effekt, der nach seinem Entdecker, dem irischen Physiker John Tyndall, benannt ist.

Stabiles Dreiergespann

Ouzo beispielsweise besteht aus drei Flüssigkeiten: Neben Alkohol sind auch Wasser und Anisöl enthalten. Während sich Öl und Wasser nicht mischen lassen, löst sich Anisöl durchaus in Alkohol. Für Ouzo bedeutet das: Es handelt sich um eine Mischung aus Wasser und Alkohol, wobei sich in diesem das Anisöl befindet. Dieser Mix ist stabil, homogen – und transparent.

Fügt man diesem nun Wasser hinzu, gerät die Mischung aus dem Gleichgewicht: Die Ölmoleküle sind dann von zu vielen Wassermolekülen umgeben, von denen sie abgestossen werden und sich deshalb zu winzigen Tröpfchen zusammenfinden. An denen wird dann das Licht gestreut und man kann nicht mehr einfach hindurchschauen, wie Forscher der Universität Twente in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten.

In einem einzelnen Tropfen ist viel los

Doch nicht immer braucht es für den Tyndall-Effekt die Zugabe von Wasser: Als das Team um Huanshu Tan einzelne Ouzo-Tropfen auf eine Unterlage gaben und ihre Entwicklung filmten, beobachteten sie, wie sich der einst klare Tropfen schon nach kurzer Zeit trübte (siehe Video unten). Dies, weil der Alkohol verdunstet und dadurch das ursprüngliche Gleichgewicht aus den Fugen geraten war.

Weiter beobachteten die Forscher, dass der Tyndall-Effekt zunächst am Rand des Tropfens auftrat. Sie schätzen, dass der Alkohol dort schneller verdampft als in der Mitte.

Aber auch dort passierte etwas: heftige Verwirbelungen, mit deren Hilfe kontinuierlich Alkohol – und mit ihm das Anisöl – an den Rand transportiert wurde, wie es in einem Bericht der Hochschule heisst. Weil der Alkohol dort nach und nach verdampfte, blieb gegen Ende nur ein Ölring übrig. Der Tropfen selbst bestand dann nur noch aus Wasser und war damit wieder klar und transparent. Am Schluss war auch dieses verdampft und alles, was vom Ouzo übrig blieb, war ein Ring aus Anisöl.

Deshalb wird Ouzo trüb, wenn man Wasser reing

Beim Kontakt mit Wasser werden Anis-Schnäpse milchig. Doch warum eigentlich? Niederländische Wissenschaftler haben nachgeforscht.

Das passiert, wenn Ouzo auf Wasser trifft. (Video: PNAS/H. Tan et al.)

Louche-Effekt

Dabei handelt es sich nicht nur um einen Namen. Vielmehr kann mit Hilfe des Louche-Effekts der Anisgehalt verschiedener Getränke verglichen werden. Bei Liebhabern anishaltiger Getränke gilt: Je trüber die Flüssigkeit bei einem bestimmten Mischungsverhältnis wird, desto mehr Anis ist im Destillat enthalten.

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