13.06.2019 17:23

Genmanipulation

Designerbabys – Russe machts Chinesen nach

Die Empörung über die Geburt genmanipulierter Babys in China war gross. Nun kündigt ein weiterer Wissenschaftler den Tabubruch an.

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Hochumstrittene Experimente gehen in die nächste Runde: Der Russe Denis Rebrikow hat bekannt gegeben, es He Jiankui nachzumachen und gentechnisch veränderte Babys zu erzeugen.

Hochumstrittene Experimente gehen in die nächste Runde: Der Russe Denis Rebrikow hat bekannt gegeben, es He Jiankui nachzumachen und gentechnisch veränderte Babys zu erzeugen.

iStock/Leptospira
Rebrikow, der am Nationalen Medizinischen Forschungszentrum für Geburtshilfe, Gynäkologie und Perinatalmedizin Kulakow in Moskau arbeitet, will eine Genehmigung der Behörden abwarten.

Rebrikow, der am Nationalen Medizinischen Forschungszentrum für Geburtshilfe, Gynäkologie und Perinatalmedizin Kulakow in Moskau arbeitet, will eine Genehmigung der Behörden abwarten.

Kulakov
Dies hatte sein chinesischer Kollege nicht getan. Von seiner Aktion bekam die Welt erst etwas mit, als He die Geburt von genmanipulierten Zwillingen bekannt gab. Dies nicht in einem Fachjournal, sondern via Youtube.

Dies hatte sein chinesischer Kollege nicht getan. Von seiner Aktion bekam die Welt erst etwas mit, als He die Geburt von genmanipulierten Zwillingen bekannt gab. Dies nicht in einem Fachjournal, sondern via Youtube.

AP/Mark Schiefelbein

Der russische Forscher Denis Rebrikow will gentechnisch veränderte Babys erzeugen. Einem Bericht des Fachmagazins «Nature» zufolge möchte er HIV-infizierten Frauen Embryonen einsetzen, die er zuvor per Gentechnik vor einer Ansteckung mit dem Aids-Erreger geschützt hat.

Er wäre nach dem chinesischen Wissenschaftler He Jiankui der zweite Mensch, der solch ethisch hochumstrittene Experimente bekannt gibt. Rebrikow möchte die Versuche bestenfalls noch in diesem Jahr beginnen, will allerdings – anders als sein chinesischer Kollege – eine Genehmigung der Behörden abwarten.

Globaler Aufschrei

He Jiankui hatte im November vergangenen Jahres die Geburt von zwei genveränderten Babys bekannt gegeben, deren Erbgut er zuvor manipuliert habe. Auch er gab den Schutz vor einer HIV-Ansteckung als Motivation für seine Versuche (siehe Video) an.

International lösten diese Experimente Empörung aus. In der Schweiz, den USA und vielen anderen Ländern sind derartige Manipulationen an menschlichem Erbgut verboten, weil die Risiken bisher kaum abschätzbar sind und Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

(Video: Youtube/The He Lab)

Eintrittspforte für HIV ausschalten

Rebrikow, der am Nationalen Medizinischen Forschungszentrum für Geburtshilfe, Gynäkologie und Perinatalmedizin Kulakow in Moskau arbeitet, will wie sein Vorgänger He Jiankui das Gen namens CCR5 funktionsunfähig machen. Das von dem Gen gebildete Protein wird von den HI-Viren in den allermeisten Fällen als Eintrittspforte für eine Infektion der Zellen genutzt.

Rebrikow möchte laut «Nature» die Behandlung Frauen anbieten, die auf eine HIV-Standard-Therapie nicht ansprechen und so ein höheres Risiko haben, die Infektion an ihre Kinder weiterzugeben.

Ethische Bedenken

Rebrikow behauptet, seine etwas abgewandelte Technik biete grössere Vorteile, berge weniger Risiken als die von He Jiankui eingesetzte. Sie sei ethisch vertretbarer und für die Öffentlichkeit akzeptabler. Die Russische Akademie der Wissenschaften habe hingegen ethische Bedenken, wie mehrere russische Medien meldeten. Rebrikow habe nach eigenen Angaben bereits mit einem HIV-Zentrum in Moskau eine Vereinbarung getroffen, um dort mit HIV-infizierten Frauen in Kontakt zu kommen, heisst es in dem «Nature»-Bericht.

«Die Technologie ist noch nicht so weit», sagte Jennifer Doudna, eine der Mitentwicklerin der Genschere Crispr/Cas 9, die beide Forscher für ihre Manipulationen benutzt haben beziehungsweise nutzen wollen. «Es ist nicht überraschend, aber es ist sehr enttäuschend und beunruhigend.» (fee/sda)

Höheres Sterberisiko

Die Geburt von zwei genmanipulierten Babys hat im Vorjahr schockiert. Forscher wollten die Kinder vor Aids schützen, doch nun stellt sich heraus: Die gleiche Genveränderung erhöht das Sterberisiko durch andere Krankheiten deutlich. Sie haben ein um 21 Prozent verminderte Chance, das Alter von 76 zu erreichen. Das berichteten Anfang Juni 2019 im Fachjournal «Nature Medicine».

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