Resistente Bakterien: «Desinfektionsmittel könnte langfristig katastrophale Folgen haben»

Publiziert

Resistente Bakterien«Desinfektionsmittel könnte langfristig katastrophale Folgen haben»

Ein britischer Wissenschaftler sieht den Einsatz der alkoholhaltigen Lösungen im Alltag kritisch. Er befürchtet multidesinfektionsmittelresistente Bakterien.

von
Claudia Steiger
1 / 5
Alltägliches Bild in der Corona-Pandemie: Desinfektionsmittel-Spender in einem öffentlichen Gebäude.

Alltägliches Bild in der Corona-Pandemie: Desinfektionsmittel-Spender in einem öffentlichen Gebäude.

KEYSTONE
Die Mittel werden überall bereitgestellt – nun warnt ein britischer Wissenschaftler vor übermässigem Gebrauch.

Die Mittel werden überall bereitgestellt – nun warnt ein britischer Wissenschaftler vor übermässigem Gebrauch.

KEYSTONE
Dadurch könnten andere Viren und Bakterien auf unseren Händen eine Immunität entwickeln.

Dadurch könnten andere Viren und Bakterien auf unseren Händen eine Immunität entwickeln.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein britischer Wissenschaftler warnt vor übermässigem Gebrauch von Desinfektionsmittel.
  • Dadurch könnten andere Viren und Bakterien auf den Händen eine Immunität dagegen entwickeln.
  • Sie wären alkoholresistent und so möglicherweise weitaus schädlicher.
  • Er rät zum regelmässigen Händewaschen mit Seife.

Desinfektionsmittel gehören in Zeiten der Corona-Pandemie zum Alltag. Nun warnt ein britischer Wissenschaftler vor den Folgen eines übermässigen Gebrauchs der Mittel auf Alkoholbasis. Durch eine Überbeanspruchung könnten andere Viren und Bakterien auf den Händen eine Immunität dagegen entwickeln, sagte Andrew Kemp vom British Institute of Cleaning Science dem britischen «Daily Express».

«Handgele sollten nur als letztes Mittel und als kurzfristige vorübergehende Massnahme verwendet werden», sagte der Wissenschaftler. Langfristig könnten sie potenziell katastrophale Folgen haben. Selbst wenn 99,9 Prozent aller Bakterien abgetötet würden, könnten nach der Desinfektion noch immer Tausende am Leben bleiben.

«Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die überlebenden Bakterien selbst hochgefährliche Krankheitserreger sind und an Zahl zunehmen können», erklärt Kemp. Sie wären alkoholresistent und so möglicherweise weitaus schädlicher. Er warnte vor einer möglichen «Armageddon-Situation»: Nebst antibiotikaresistenten Bakterien könnten auch multidesinfektionsmittelresistente Bakterien entstehen, die selbst für Routineoperationen ein Risiko bergen würden.

Mehr Schaden als Nutzen

«Das bedeutet, dass die routinemässige Verwendung von Desinfektionsmittel uns letztendlich mehr schaden als nützen könnte.» Auch wenn Menschen auf der ganzen Welt während der Pandemie zum Gebrauch dieser Mittel auf Alkoholbasis geraten worden sei: Regelmässig die Hände mit Seife zu waschen, sei der bessere Weg, um sich und andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, so Kemp.

Zudem sei noch immer nicht nachgewiesen worden, dass die Mittel das Virus auf der Haut tatsächlich abtöteten. Andrew Kemps Forschungsergebnisse wurden im «American Journal of Biomedical Science and Research» veröffentlicht und sollen im Oktober auch auf einer internationalen Konferenz über Antibiotikaresistenz vorgestellt werden.

Deine Meinung

489 Kommentare