Aktualisiert 14.12.2008 15:26

Fussball auf dem EisfeldDeswegen kam es zum Skandalspiel

Ski und Rodel gut im Sittener Tourbillon. Nach dem Spiel zwischen Sion und Xamax sprachen beide Seiten von absolut irregulären Bedingungen. Dass dieses Spiel austragen wurde, lag jedoch einzig am Filz im Fussballverband und persönlichen Interessen der Schiedsrichtergilde.

Das Romand-Derby zwischen dem FC Sion und Neuchâtel Xamax lieferte nahezu ideale Bedingungen – für Stéphane Lambiel. Doch der Walliser Eisprinz ist längst zurückgetreten und die Fussballer durften keine Schlittschuhe anlegen. Kurzum: Die Bedingungen waren skandalös!

Wie konnte es soweit kommen?

In der Vorwoche wurde das Feld für den anstehenden Luzern-Match vom Schnee befreit, doch auf Regen folgte ein wenig Schnee – und machte aus dem Tourbillon-Grün eine geschlossene Eisdecke. Auf der Seite der Haupttribüne gelang es nicht, das Eis aufzubrechen, weil der Boden und das gefrorene Wasser eine knochenharte, unebene Einheit bildeten. Es war gesundheitsgefährdend.

Der Xamax-Intendant Nico Zaugg brachte es auf den Punkt: «Für die Schiris geht es einfach um ein Spiel, aber die beiden Mannschaften spielten um Ihre Existenz.» Auf Seiten der Einheimischen ging man sogar noch weiter und dachte zwischenzeitlich gar mit einer Klage wegen Körperverletzung gegen den Verband und den Schiedsrichter Jérôme Laperrière, falls sich ein Spieler aufgrund des Bodens verletzen sollte.

Den Schiri unter Druck gesetzt

Gegenüber dem Westschweizer Fernsehen gab Laperrière zu, unter grossem Druck gestanden zu haben. Man habe ihn aufgefordert, dieses Spiel unter allen Umständen austragen zu lassen. Der Inspizient vor Ort machte ebenfalls klar, dass diese Partie auszutragen sei und bekräftigte den Entscheid, anzupfeifen - trotz äusserst prekären Verhältnissen.

Rund 100 Minuten vor dem Spiel telefonierte der Unparteiische auf dem Rasen mit seinem Chef und erklärte ihm am Natel, dass die Partie stattfinden kann. Wusste Meier vom Druck auf Laperrière?

Wieso wird unter diesen Bedingungen gespielt? Beide Teams sind international nicht mehr dabei. Da wird es im März, bei 15°C im sonnigen Wallis, doch bestimmt einen Termin geben, um das so wichtige Duell nachzuholen.

Persönliche Interessen der Schiedsrichtergilde

Der Match Sion – Xamax war das letzte Spiel von Schiri-Assistent Stéphane Cuhat, der schon unter Urs Meier, später unter Massimo Busacca durch dick und dünn ging. Zu seinen Ehren reisten viele aktuelle und ehemalige Super League Schiris extra ins Wallis. Erst der Match, dass eine Abschiedsparty für alle – offeriert vom scheidenden Linienrichter.

Alles war parat für das grosse Fest, ausser dem Rasen. Wie gesellig wäre der Abend wohl geworden, wenn Laperrière dem verdienten Assistenten das Abschiedsspiel versagt hätte? Vor der Kollegenschelte hatte Laperrière also mehr Respekt als vor dem Ärger der Fans, Spieler und Medien.

Die Schweiz eine Bananenrepublik?

Wenn terminliches Wunschdenken und die persönlichen Interessen der Schiedsrichter grösseres Gewicht haben als die reguläre Durchführung eines Derbys zweier abstiegsgefährdeter Mannschaften, wirft dies Fragen auf. Zentraler Punkt ist jedoch, in wie vielen anderen Ländern Europas die Austragung einen Spiels unter solch skandalösen Bedingungen möglich gewesen wäre? In anderen Ländern als der Schweiz?

(gwl)

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