03.07.2020 06:34

Zweite WelleDetailhändler bereiten sich auf Maskenpflicht vor

Experten fordern, das Maskenobligatorium im öffentlichen Verkehr auch auf Supermärkte auszudehnen. Lidl hat bereits Vorräte angelegt.

von
Pascal Michel
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Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes empfiehlt das Maskenobligatorium auch für Supermärkte.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes empfiehlt das Maskenobligatorium auch für Supermärkte.

KEYSTONE
Im öffentlichen Verkehr ist eine Hygienemaske ab 6. Juli Pflicht.

Im öffentlichen Verkehr ist eine Hygienemaske ab 6. Juli Pflicht.

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Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, möchte gar noch weitergehen: «Eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen wie auch Clubs wäre aus epidemiologischer Sicht jetzt vernünftig.»

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, möchte gar noch weitergehen: «Eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen wie auch Clubs wäre aus epidemiologischer Sicht jetzt vernünftig.»

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Darum gehts

  • Der Bundesrat hat ein Maskenobligatorium für den ÖV beschlossen.
  • Die Taskforce des Bundes empfiehlt, die Pflicht auszudehnen.
  • Eine aktuelle Studie zeigt, dass Masken Infektionen reduzieren.
  • Auch Politiker fordern ein breiteres Maskenobligatorium.
  • Detailhändler beobachten die Situation.
  • Lidl legt bereits Vorräte für Mitarbeitende an.

Nachdem die Corona-Fallzahlen in den letzten Tagen wieder angestiegen sind, hat Gesundheitsminister Alain Berset reagiert: Ab Montag, 6. Juli, gilt im öffentlichen Verkehr die Maskentragpflicht. Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, möchte gar noch weitergehen: «Eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen wie auch Clubs wäre aus epidemiologischer Sicht jetzt vernünftig.»

Zum selben Schluss kommt auch die wissenschaftliche Taskforce des Bundesrates. «Die aktuelle Lage ist heikel, es ist möglich, dass die Fallzahlen wieder exponentiell zunehmen. Jetzt zählt bei Massnahmen jeder Tag», sagt Matthias Egger, Epidemiologe und Leiter der Taskforce, gegenüber 20 Minuten. Deshalb empfiehlt die Gruppe bei weiter steigenden Zahlen ebenfalls eine Maskenpflicht überall dort, wo die Distanzregeln nicht eingehalten werden können und ein Contact-Tracing nicht möglich ist. Die Taskforce nennt dabei neben dem ÖV auch Läden oder allgemein «Innenräume mit schlechter Belüftung».

Maske schützt auch den Träger

Diese Massnahme stützt sich auf eine aktuelle Übersichtsarbeit der WHO, wonach sich das Infektionsrisiko bei Maskenträgern um etwa 40 Prozent reduziere. Demnach schützte die Maske nicht nur andere, sondern auch einen selbst. Ein weiterer Punkt, der für eine breite Maskenpflicht im öffentlichen Raum spricht: «Ein Grossteil der Übertragungen erfolgt von Personen ohne Symptome. Das zeigt, wie wichtig das Maskentragen für die Kontrolle des Virus ist», heisst es in einer Analyse der Taskforce.

Auch Nationalrätin Ruth Humbel (CVP), Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats, würde eine Ausweitung begrüssen: «Eine Maskenpflicht überall, wo Abstände nicht eingehalten werden, wäre sinnvoll. So könnten wir drastischere Massnahmen wie einen erneuten Lockdown verhindern.» Auch die SVP spricht sich für eine generelle Maskenpflicht aus. «Abstandhalten ist die wirkungsvollste Schutzmassnahme. Wo das nicht eingehalten werden kann, ist die Maske eine Option», sagt SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher.

«Bereiten uns auf alle Eventualitäten vor»

Die Detailhändler selbst treffen bereits Vorkehrungen, sollte eine Maskenpflicht für ihre Läden erlassen werden. «Wir alle sind aufgefordert, die Abstands- und Hygienemassnahmen weiterhin strikte einzuhalten, um erneut einschneidende Massnahmen zu verhindern», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter. Eine allfällige Verschärfung obliege dem Bundesrat oder den kantonalen Behörden. «Selbstverständlich bereiten wir uns aber auf jeden Fall auf alle Eventualitäten vor.»

Bei Coop heisst es auf Anfrage: «Massgebend in der Frage nach Schutzmasken sind die Vorgaben des BAG. Diese sehen zurzeit keine Maskenpflicht in Geschäften vor. Unsere Schutzmassnahmen haben nach wie vor Bestand.»

Lidl hat Vorräte angelegt

Auch Lidl beobachtet «die Entwicklung der Lage sehr genau» und bereitet sich auf verschiedene mögliche Szenarien vor. «So bereiten wir beispielsweise für jede Filiale eine Reserve an Masken und Desinfektionsmittel für Mitarbeitende oder Bodenmarkierungen vor», sagt Sprecherin Corina Milz. Den eigenen Mitarbeitenden habe man schon vor längerer Zeit Masken für sich selbst sowie für Familie und Freunde zur Verfügung gestellt. «Diese können sie auch – freiwillig – während der Arbeit tragen.»

Bereits reagieren auch die Kantone. So hat der Kanton Glarus beschlossen, für die Landsgemeinde am 6. September eine Schutzmaskenpflicht zu erlassen. Den Teilnehmenden gibt der Kanton gar eine FFP2-Maske gratis ab. Die Masken dürfen einzig bei Wortmeldungen abgenommen werden.

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304 Kommentare
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Interessant

04.07.2020, 21:32

Und zudem ist nicht jeder, der positiv getestet wird, infektiös, sondern es sind nur Protein Bausteine vorhanden, welche Corona zugeordnet werden können.

Durchschaut

04.07.2020, 20:55

Das Theater wird so weitergehen, bis die Zwangsimpfung bereit ist..... merkt ihr nicht, auf wenn der BR und seine Berater hören....

F.K.

04.07.2020, 19:05

Ich trage gerne eine Maske in den ÖV, Einkaufsläden, wenn ich damit zum Schutz beitragen kann....ABER gleichzeitig dürfen die Jungendlichen weiterhin in Clubs ohne Maske feiern?? Das kann’s nicht sein! Wenn schon, dann müssen alle Gefahren eingedämmt werden, ansonsten bringt das gar nichts!