Leise Lieferung: Detailhändler setzen auf Elektro-Lastwagen

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Leise LieferungDetailhändler setzen auf Elektro-Lastwagen

Strom statt Diesel: Nach Coop setzt nun auch Lidl auf E-Laster. Ob sich die Fahrzeuge betriebswirtschaftlich rechnen, ist ungewiss. Eine wichtige Komponente ist das Image.

von
Sandro Spaeth

Das Motorengeräusch ist kein Brummen mehr, es ist ein Rauschen. Und das bei einem 18-Tonnen-Lastwagen, der mitten in der Nacht die Filialen von Detailhändlern beliefert. Nachdem Coop vor gut einem Jahr den beschafften Schweizer Elektro-Lastwagen E-Force präsentierte, zieht Konkurrent Lidl Schweiz nach. Der Harddiscounter wird seine zwei mit Strom betriebenen Laster am kommenden Sonntag bei der Feier zum fünften Jubiläum erstmals präsentieren.

Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge zwischen dem Lidl-Verteilzentrum in Weinfelden und Zürich. Während der Nacht transportieren sie Frischwaren, darunter Gemüse, Fleisch und Obst. Ziel ist die CO2-neutrale und lärmfreie Versorgung aller städtischen Filialen in der Region Zürich.

Die auf einem Iveco-Chassis basierenden Transporter kosten pro Stück 360'000 Franken, wie Lidl zu 20 Minuten sagt. Die Totalinvestition betragen aber knapp eine Million Franken, weil Lidl die Abladerampen bei den Filialen mit Strom-Tankstellen ausrüstet. Während der rund 45-minütigen Entladezeit soll der Akku des Lasters bereits wieder zu 10 bis 20 Prozent aufgeladen werden.

Einsatz in weiteren Städten denkbar

Bereits seit Januar im Einsatz steht ein E-Force-Laster bei Coop. Die Erfahrungen seien positiv, heisst es auf Anfrage. «Dass die Konkurrenz nun nachzieht ist ein Beweis, dass Coop die Praxistauglichkeit des Elektro-Lastwagen frühzeitig erkannt hat», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Das Fahrzeug sei einem vergleichbaren Diesel-Laster betreffend Emissionen überlegen und bei der Wirtschaftlichkeit ebenbürtig. Noch befindet sich das Projekt bei Coop in der Pilotphase. Verläuft sie gut, will man das Konzept auf andere Regionen ausdehnen.

Ähnlich will auch Lidl verfahren. «Es ist denkbar, dass wir das System in anderen Städten multiplizieren», sagt Lidl-Infrastrukturchef und Geschäftsleitungsmitglied Marco Landolt im Gespräch mit 20 Minuten. Zuerst müsse man aber Erfahrungen sammeln. Geeignet für die Belieferung mit E-Lastwagen sind in erster Line die Regionen Lausanne und Genf, wo Lidl wie in Zürich innerstädtische Filialen hat.

Laster muss keine Ersparnis bringen

Hat Lidl bei Konkurrent Coop abgeschaut? «Wir haben analysiert, wie andere Unternehmen die E-Laster einsetzen», sagt Landolt. Man habe den Laster aber für die eigenen Zwecke weiterentwickelt. So hat der Lidl-Laster beispielsweise leichtere Räder und verzichtet auf die Hebebühne, womit die Nutzlast grösser wird. Wegen der schweren Batterie hat ein 18-Tonnen-Elektro-Laster rund zwei Tonnen weniger Nutzlast als ein Diesel-Modell.

Im Vergleich mit dem Diesellaster ist die Elektrovariante in der Anschaffung rund doppelt so teurer. Die Betriebskosten veranschlagt der Hersteller E-Force aber lediglich auf 10 Franken pro 100 Kilometer, bei einem Diesellaster sind des 50 Franken. Die Wirtschaftlichkeit hängt darum stark von der Kilometerleistung ab. «Unser E-Lastwagen ist kein Image-Produkt. Er muss betriebswirtschaftlich aber auch keine Einsparung bringen», sagt Landolt. Viel wichtiger seien die ökologischen Vorteile.

Einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung der Elektro-Brummis hat die Schwerverkehrsabgabe (LSVA), wovon diese befreit sind. Sie schlägt pro Tonne und Kilometer mit rund 2,28 Rappen zu Buche. «Die Abgabenbefreiung sorgt dafür, dass die Kosten des E-Lasters nicht höher sind als bei der bisherigen Lösung», so Landolt.

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