Food-Waste – Detailhändler werfen tonnenweise Toastbrot-Anschnitte ins Tierfutter

Publiziert

Food-WasteDetailhändler werfen tonnenweise Toastbrot-Anschnitte ins Tierfutter

Weil der Gupf bei vielen Toast-Packungen nicht dabei ist, enden Unmengen an einwandfreiem Brot im Futtertrog. Das ist Food-Waste. Deshalb verkauft die Migros jetzt testweise auch die Anschnitte.  

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Der Gupf kommt in die Toast-Packung zurück.

Der Gupf kommt in die Toast-Packung zurück.

IMAGO/YAY Images
Die Migros verkauft die Anhäuel testweise wieder beim dunklen Toastbrot.

Die Migros verkauft die Anhäuel testweise wieder beim dunklen Toastbrot.

Screenshot Migros.ch
Zuvor landeten die Anhäuel im Tierfutter.

Zuvor landeten die Anhäuel im Tierfutter.

IMAGO/Martin Wagner

Darum gehts

  • Bei der Migros gibt es bei dunklen Toasts wieder einen Anschnitt.

  • Vorher landete der Gupf im Tierfutter.

  • Damit will die Migros 530 Tonnen Food-Waste einsparen.

Die Migros startet einen Versuch gegen Food-Waste. Bis Mitte Mai verkauft die Detailhändlerin bei zwei dunklen Toastbroten den Anschnitt mit. Wenn das gut ankommt, soll bei allen dunklen Toasts der Gupf oder der Zipfel in der Verpackung dabei sein.

Durch die Massnahme fallen bei der Migros pro Jahr 530 Tonnen weniger Food-Waste an, schreibt die Detailhändlerin im «Migros-Magazin». Dieses Gewicht entspreche mehr als 725’000 weggeworfenen Grosspackungen.

Toastbrot landet im Futtertrog

Die einwandfreien Anschnitte landeten bisher aber nicht im Abfall. Mit einem Teil deckte die Migros ihren Bedarf an Paniermehl, der Rest landete im Tierfutter, wie ein Migros-Sprecher auf Anfrage sagt.

Von Food-Waste, also Lebensmittelverschwendung, lässt sich gemäss der Organisation Foodwaste.ch aber auch dann sprechen, wenn das Essen nicht weggeschmissen wird. Food-Waste ist demnach, wenn für den menschlichen Konsum produzierte Lebensmittel auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren gehen oder weggeworfen werden.

Der Migros-Sprecher erklärt das Entfernen der Anschnitte aus der Toast-Packung damit, dass diese gemäss Erfahrung der Migros am ehesten liegen bleiben und damit Gefahr laufen, zu verderben und im Abfall zu landen. «Aus ökologischer Perspektive wäre es bedeutend schlimmer, wenn die Anschnitte im Abfall landen würden und nicht im Tierfuttertrog», so der Sprecher.

So sieht es auch das Bundesamt für Umwelt. Die Verfütterung an Tiere sei die aus ökologischer Sicht bestmögliche Verwertung, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Toastanschnitte gehörten zu den vermeidbaren Lebensmittelverlusten, die der Bund bis 2030 halbieren will (siehe Box).

Bundesrat will Food-Waste verringern

Fast ein Drittel der für den Konsum produzierten Lebensmittel wird in der Schweiz verschwendet oder unnötig weggeworfen. Das sind rund 330 Kilogramm Abfall pro Kopf und Jahr. Der Bundesrat hat deshalb am Mittwoch einen Aktionsplan mit freiwilligen Massnahmen verabschiedet, der die Verminderung von Lebensmittelverschwendung beschleunigen soll. So soll es etwa eine verbesserte Angabe der Haltbarkeitsdauer für bestimmte Produkte geben. Alle Unternehmen der Lebensmittelbranche, Bund, Kantone und Gemeinden sind an dem Plan beteiligt. Bis 2030 soll der Food-Waste so in der Schweiz im Vergleich zum Jahr 2017 halbiert werden.

Auch beim WWF fände man es schlimmer, wenn das Brot in der Biogasanlage landen würde als im Tierfutter, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt. Sie sei aber froh über den Versuch der Migros. «Der WWF findet es begrüssenswert, dass die Migros diese Abschnitte wieder beilegt», so die Sprecherin. Sie hofft, dass der Versuch bei der Kundschaft gut ankommt, damit die Migros langfristig dabei bleibt.

Allerdings legt die Detailhändlerin beim hellen Toastbrot weiterhin keine Anschnitte in der Packung bei. Um Food Waste handelt es sich dabei aber nicht, weil die Migros die hellen Anhäuel zu Paniermehl weiterverarbeitet. Nur bei der M-Budget-Linie gibts helle und dunkle Toastbrote inklusive Anfang und Ende.

Bei der Konkurrenz ist es ähnlich, wie das Konsumentenmagazin «K-Tipp» schreibt. Coop verkauft zwei Toast-Sorten mit Anschnitten und alle anderen ohne. Die übriggebliebenen Anschnitte zermahlt Coop nach eigenen Angaben zu Paniermehl, arbeitet sie in neuen Teig ein, oder gibt sie ebenfalls ins Tierfutter.

Keine Toast-Anschnitte gibts bei den Discountern Aldi, Denner und Lidl. Sie verwenden ebenfalls einen Teil der Anschnitte für neue Teige und für Paniermehl. Lidl sagt gegenüber «K-Tipp», dass Toastbrot ohne Anschnitte marktüblich seien. Aldi sagt dem Konsumentenmagazin, ohne Anschnitte seien die unterschiedlichen Sorten in den Regalen leichter erkennbar.

Deine Meinung

214 Kommentare