UNO-Rüge: Detroit dreht Armen Wasserhahn zu
Aktualisiert

UNO-RügeDetroit dreht Armen Wasserhahn zu

Zehntausende Kunden in Detroit können die Wasserrechnung nicht bezahlen. Jetzt stellt ihnen die bankrotte Stadt das Wasser ab. Das ist menschenrechtswidrig, kritisiert die UNO.

von
sut

Als wäre die Armut nicht schlimm genug, müssen Detroits Bedürftige jetzt auch noch ohne Wasser leben. Seit März unterbindet das Wasseramt der Pleite-Stadt im Turnus wöchentlich mehreren Tausend Einwohnern die Frischwasserzufuhr. Sie bestraft damit alle Konsumenten, die trotz aller Mahnungen ihre Wasserrechnungen nicht bezahlen.

Geht nicht, sagt nun die UNO-Rapporteurin für Wasser und Kanalisation, Catarina de Albuquerque. Am Mittwoch teilte die Expertin mit, das Wasserabstellen wegen Nichtbezahlens sei «nur erlaubt, wenn nachgewiesen werden kann, dass ein Einwohner zahlen könnte, er dies aber nicht tut».

90'000 Haushalte im Zahlungsverzug

Mit dem Statement reagierte die UNO-Berichterstatterin auf einen Aufruf von Sozialhilfeorganisationen, die Vereinten Nationen sollten gegen Detroits unmenschliche Wasserpolitik einschreiten. Ann Rall, eine langjährige Freiwillige für die Organisation für Wohlfahrtsrechte in Michigan, bezeichnete die Folgen des Wasserabstellens gegenüber «Vocativ» als «vollkommen unmenschlich». Sie berichtete, dass Lehrer Schülern ihre Dusche zur Verfügung stellen und die Waschküchen von Schulhäusern zur Kleiderreinigung einsetzen. Nur wenige Menschen hätten bei Hilfsorganisationen angeklopft, sagt sie, «denn sie schämen sich zu sehr».

Im März lieferte Detroit Wasser an 323'900 Haushalte, wovon 150'806 ihre Rechnungen nicht bezahlten. Im Mai sei der Hahn bei 4500 Abnehmern zugedreht worden, worauf die Hälfte von ihnen zum Portemonnaie griff. Wie das Wasseramt der Agentur AP mitteilte, schulden derzeit 90'000 Kunden mit Zahlungsrückständen von mindestens zwei Monaten der Stadt gesamthaft 90 Millionen Dollar.

Wasser kostet 75 Dollar pro Monat

Die mit 18 Milliarden Dollar verschuldete Stadt Detroit greift durch, weil sie im Zusammenhang mit ihrem Konkurs überall Geld eintreiben will, wo das nur möglich ist. Sozialhilfegruppen halten das jedoch beim Wasser für ungerecht. Sie weisen darauf hin, dass sich die monatliche Wasserrechnung in Detroit im letzten Jahrzehnt um 119 Prozent verteuert hat und nun im Schnitt 75 Dollar beträgt.

Am Dienstag schloss sich der zuständige Kongressabgeordnete John Conyers der Kritik an. «Kräfte ausserhalb der Kontrolle der Einwohner haben die Zahlungsfähigkeit von Detroitern massgeblich unterhöhlt», sagte Conyers. Ihnen das Wasser abzustellen, sei nicht nur unmenschlich, sondern auch «ökonomisch kurzsichtig». Conyers versprach, in den kommenden Tagen mit lokalen und nationalen Behörden zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden.

UNO-Tadel wegen Menschenrechten

Auch die Rüge der UNO könnte Wirkung haben, hoffen die Wortführer des Appells. Weil es ein Recht auf Trinkwasser gebe, könnte internationaler Druck auf Detroit entstehen, sagt Maude Barlow vom Council of Canadians gegenüber Think Progress. Falls die US-Regierung nicht adäquat reagiere, könnte die periodische Bewertung der USA vor dem UNO-Menschenrechtsrat Schaden erleiden.

Deine Meinung