Aktualisiert 19.10.2012 12:19

50 Prozent ZunahmeDeutlich mehr Asylsuchende reisen aus

Das Schnellverfahren zeigt Wirkung: Seit September sinkt die Zahl der Asylgesuche und deutlich mehr Asylsuchende verliessen die Schweiz.

In der Schweiz sind in den Monaten Juli, August und September erneut mehr Asylgesuche eingereicht worden als im Vorquartal, nämlich 7830. Gestiegen ist aber auch die Zahl der Ausreisen, wie das Bundesamt für Migration (BFM) mitteilte.

Die Zahl der eingereichten Asylgesuche stieg im dritten Quartal um 550 auf 7830. Verantwortlich dafür waren vor allem Roma aus den Balkanstaaten Serbien, Mazedonien sowie Bosnien-Herzegowina. Im September ging die Zahl der Asylgesuche im Vergleich zum August dann aber um 19 Prozent zurück.

Entscheid in 48 Stunden

Das BFM begründet dies mit dem am 21. August eingeführten 48-Stunden-Verfahren: Asylsuchende aus Ländern, die für die Schweiz kein Visum benötigen, erhalten den erstinstanzlichen Entscheid in 48 Stunden im Empfangszentrum. Gestrichen wurden das Reisegeld von 100 Franken. Rückkehrhilfe wird nicht mehr gewährt.

Namentlich wegen des neuen Verfahrens wurden den Kantonen im September rund 500 Asylsuchende weniger zugewiesen. Ob die Massnahme auf längere Zeit wirkt, lässt sich laut BFM aber erst in zwei bis drei Monaten feststellen.

Einreise ohne Visum möglich

Bürger von Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien können ohne Visum in den Schengenraum einreisen. Wegen der besonders für sie schwierigen Lebensbedingungen in ihrer Heimat machen Roma von dieser Möglichkeit Gebrauch, um in Westeuropa um Asyl zu bitten.

Betroffen ist nicht nur die Schweiz: Mehr Gesuche aus den Balkanstaaten meldeten auch Deutschland, Österreich, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und Belgien an die EU-Kommission. Diese zeigte sich «extrem besorgt».

Zurzeit wird in der EU über die Einführung der Visa-Schutzklausel diskutiert. Damit könnte die Visumspflicht für visumsbefreite Drittstaaten wieder eingeführt werden. Wird eine solche Klausel verabschiedet, würde die Schweiz sie übernehmen.

Weniger Gesuche aus Tunesien

Wichtigstes Herkunftsland der Asylsuchenden in der Schweiz war auch im dritten Quartal 2012 mit 1120 Gesuchen (-12 Prozent) Eritrea. Dahinter folgten Serbien (797, 160 Prozent), Nigeria (721, 7 Prozent) und Mazedonien (515, 75 Prozent). Die Zahl der neuen Asylgesuche aus Tunesien ging um 31,1 Prozent auf 421 zurück.

Syrer und Syrerinnen stellten 337 Asylgesuche, 34 Prozent mehr als im Vorquartal. Das BFM nannte den Anstieg «moderat». Wichtigstes Ziel für syrische Asylsuchende ist laut BFM Schweden. Dort gehen pro Monat rund 1000 Gesuche ein.

Mehr Ausreisen

In den ersten neun Monaten 2012 wurden insgesamt 18 936 Asylgesuche erledigt, 34 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Erstinstanzlich hängig waren Ende September 18 212 Gesuche, 14 Prozent mehr als im Vorquartal.

418 Menschen wurde im Juli, August und September Asyl gewährt. 3460 Asylsuchende erhielten einen Nichteintretensentscheid, davon 2270 im Rahmen des Dublin-Verfahrens, das Mehrfach-Gesuche in verschiedenen Staaten verhindern soll.

3725 Ausländer und Ausländerinnen verliessen im dritten Quartal unter behördlicher Kontrolle im Flugzeug das Land, 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 1780 Menschen, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum, reisten selbständig aus.

Für 2811 Menschen stellte die Schweiz ein Übernahmegesuch an einen anderen Dublin-Staat; 1763 Gesuche gingen an Italien. Die Vertragsstaaten waren bereit, 2377 Personen zu übernehmen. 1133 Menschen wurden in für sie zuständige Dublin-Länder überstellt, 676 von ihnen nach Italien. (sda)

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