Aktualisiert 03.11.2014 16:50

Studie der Uni Basel Deutsch für Dreijährige bewährt sich

Eine Studie der Universität Basel zeigt: Die verpflichtende Deutschförderung von Kindern ab drei Jahren ist ein Erfolg. Rund 70 Deutsch-Spielgruppen gibt es in Basel inzwischen.

von
Valeria Happel
592 fremdsprachige Kinder wurden seit 2013 zur Deutschförderung verpflichtet.

592 fremdsprachige Kinder wurden seit 2013 zur Deutschförderung verpflichtet.

35 Prozent aller Basler Kinder, die 2015 in den Kindergarten eintreten, wurden aufgrund von ungenügenden Deutschkenntnissen durch das Erziehungsdepartement Basel-Stadt zur frühen Deutschförderung verpflichtet. In Spielgruppen oder Tagesheimen erlernen die aus fremdsprachigen Familien stammenden Dreijährigen seit einem Jahr an zwei Halbtagen in der Woche spielerisch die deutsche Sprache. Die Institution wählen die Eltern selbst. «Je früher Kinder die deutsche Sprache erlernen, umso mehr Chancen haben sie später», erklärt Pierre Felder, Leiter der Volksschulen und Initiant des schweizweit einzigartigen Förderprogramms.

Seit 2013 erhielten hierfür 1778 Familien mit Wohnsitz in Basel-Stadt einen Fragebogen. Die Selektion der Kinder richtete sich dabei nach den Einschätzungen der Eltern: Diese mussten angeben, wie gut ihre Kinder die deutsche Sprache beherrschen. 592 Kinder, die 18 Monate vor dem Kindergarteneintritt standen, wurden insgesamt ins Obligatorium aufgenommen. «Die Reaktionen waren überaus positiv», sagt Felder.

Studie zeigt Erfolg

Eine Studie der Psychologischen Fakultät der Universität Basel zum Projekt «Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten» zeigt, dass die betroffenen Kinder die neue Regelung des Erziehungsdepartements begrüssen: 80 Prozent der 50 befragten Spielgruppenleiterinnen «haben den Eindruck, dass verpflichtete Kinder die Spielgruppe besonders gerne besuchen», so das Ergebnis der Umfrage.

«Für den Umgang mit verpflichteten Kindern erhält mindestens eine Spielgruppenleiterin eine spezielle Grundausbildung», so Felder. Die Umgangssprache ist zumeist Hochdeutsch, gelegentlich aber auch Schweizerdeutsch. «Es ist jedoch kein Sprachkurs. Die Kinder merken nicht, was mit ihnen geschieht – sie lernen spielerisch in Alltagssituationen», erklärt Felder.

Fremdsprachige Kinder sind trotzdem im Rückstand

Doch die Studie zeigt auch einen negativen Aspekt des Förderprogramms auf: Die fremdsprachigen Kinder schafften es trotz des einjährigen Programms nicht, ihre deutschsprachigen Altersgenossen aufzuholen. Laut Felder sollte die Deutschförderung deshalb noch früher und intensiver erfolgen. Angeregt werden 20 Stunden Deutschförderung innert zwei Jahren.

Dennoch ist bisher keine Ausdehnung des Programms geplant. Laut Erziehungsdirektor Christoph Eymann müssten hierfür die Kosten bedacht werden. Die Projektkosten beliefen sich bisher auf 2,4 Millionen Franken. Jährlich wiederkehrend fallen zusätzlich Kosten in Höhe von 2,3 Millionen Franken an. Damit müssen jährlich pro Kind rund 3750 Franken einkalkuliert werden.

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