Endlich offiziell: Deutsch ist eine uneinheitliche Sprache
Aktualisiert

Endlich offiziellDeutsch ist eine uneinheitliche Sprache

Ist das Eis auf dem See genug dick oder dick genug? Beides ist richtig, sagen Sprachwissenschaftler – allerdings in unterschiedlichen Regionen.

von
Fee Riebeling
Forscher suchen in Zeitungen regionale Grammatiken. Foto: maz luzern

Forscher suchen in Zeitungen regionale Grammatiken. Foto: maz luzern

Was dem Schweizer sein Velo, ist dem Deutschen das Fahrrad. Das ist bekannt und steht auch so im Duden. Hingegen sind gängige Unterschiede in der Grammatik kaum oder nur unsystematisch dokumentiert. Das will ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Uni Zürich ändern.

Um herauszufinden, welche nationalen und regionalen Eigenheiten tatsächlich von Schreibenden und Lesenden akzeptiert werden, analysieren die Sprachwissenschaftler 57 deutschsprachige Online-Zeitungen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein und dem Südtirol. In den lokalen und regionalen Teilen suchen sie nach bereits bekannten, aber auch nach unbekannten sprachlichen Eigenheiten. Inserate und Agenturmeldungen werden nicht berücksichtigt, weil sie für eine überregionale Verbreitung gedacht sind und daher nicht immer der Sprache vor Ort entsprechen, sagt Martin Businger, einer der Projektkoordinatoren. Das könnte das Ergebnis verzerren.

Rund 300 Millionen Wörter wollen die Wissenschaftler erfassen. Eine derart grosse Datenbasis ist wichtig, denn aus Sicht der Forscher gilt: «Wenn Tausende von Menschen einer Region eine Formulierung als richtig empfinden, dann muss das als grammatikalische Eigenheit der Gegend akzeptiert und als solche deklariert werden.» Die Sprachwissenschaftler hoffen, dass Nachschlagewerke wie der Duden künftig mehr Varianten zulassen. Schliesslich sei Sprache nichts Statisches, sondern verändere sich laufend. Dieser Wandel müsse dokumentiert werden.

«Wenn ein sprachliches Phänomen in Zeitungen weit verbreitet ist, dann kann niemand mehr behaupten, das sei falsch.»

Martin Businger, Sprachwissenschaftler an der Uni Zürich.

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