Universität Zürich: Deutsch studieren, ohne Latein zu können?
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Universität ZürichDeutsch studieren, ohne Latein zu können?

Das Deutsche Seminar der Universität Zürich will die Lateinpflicht abschaffen. Das stösst aber nicht bei allen auf Zustimmung.

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jen
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Professoren am Deutschen Seminar der Universität Zürich wollen Latein als Pflichtfach abschaffen.

Professoren am Deutschen Seminar der Universität Zürich wollen Latein als Pflichtfach abschaffen.

Keystone/Petra Orosz
Den Ausschlag für diese Forderung sei ein leichter Rückgang bei den Studierendenzahlen.

Den Ausschlag für diese Forderung sei ein leichter Rückgang bei den Studierendenzahlen.

Keystone/str
Nicht alle Mitarbeitenden sind glücklich über den Entscheid, den die Institutsversammlung getroffen hat.

Nicht alle Mitarbeitenden sind glücklich über den Entscheid, den die Institutsversammlung getroffen hat.

Keystone/Walter Bieri

In Zukunft sollen Studenten an der Universität Zürich ein Germanistikstudium ohne Lateinkenntnisse absolvieren können. So wollen es die Professoren am Deutschen Seminar. Sie beantragen die Abschaffung der Lateinpflicht für fast alle Studienprogramme. Daniel Müller Nielaba, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Studiendekan der Philosophischen Fakultät, bestätigt einen entsprechenden Bericht der Zürcher Studierendenzeitung.

Der Entscheid treibt den Untergang des Lateinobligatoriums an der Uni Zürich weiter voran. Seit März 2015 verabschiedeten sich gleich mehrere Fächer vom Latein: Kunstgeschichte, Philosophie, Anglistik, Rätoromanisch sowie Deutsche Sprachwissenschaft. Davon, dass man auch Deutsche Literaturwissenschaft ohne Latein studieren können soll, war damals noch nicht die Rede.

Latein von «zentraler Bedeutung»

Warum kommt es nun trotzdem zum Kahlschlag? Wie aus dem Umfeld des Deutschen Seminars zu hören ist, dürfte ein leichter Rückgang bei den Studierendenzahlen den Ausschlag gegeben haben. Ohne Latein, so die Idee, wird das Studium in Zürich attraktiver.

Nicht alle Mitarbeitenden sind glücklich über den Entscheid, den die Institutsversammlung getroffen hat. Öffentlich äussern möchte sich niemand, doch dem «Tages-Anzeiger» liegt ein dreiseitiger Brief an die Seminarleitung vor, in dem Lateinbefürworter ihre Sorge beschreiben. Die im Lateinunterricht erworbenen Sprach-, Literatur- und Kulturkenntnisse seien von «zentraler Bedeutung» für die Forschung und die Lehre am Deutschen Seminar.

Latein in einjährigem Kurs nachholen

Die Lateinbefürworter sorgen sich speziell um die Ältere Deutsche Literaturwissenschaft. Dieser Bereich befasst sich mit Texten, die in der Zeit um 800 bis 1700 entstanden sind. Durch die Abschaffung der Lateinpflicht nehme das Deutsche Seminar seinen Studierenden den Anreiz, sich mit deutschen Autoren wie Opitz oder Gryphius auseinanderzusetzen, die lateinische Literatur verfasst hätten, befürchten die Kritiker.

Tatsache ist, dass sich schon im Gymnasium immer weniger Schüler für Latein interessieren. Im Jahr 2013 machten noch 5,8 Prozent der Gymnasiasten eine Matur mit altsprachlichem Schwerpunkt. Alle anderen müssen das Latinum an der Uni in einem einjährigen Kurs nachholen, wenn sie ein Fach mit Lateinpflicht studieren. Germanistik-Studierende machen rund 40 Prozent der durchschnittlich 50 Teilnehmer in den Latinumkursen aus.

Folgen für Mittelschulen

Eine Abschaffung der Lateinpflicht an der Uni hätte nicht nur für diese Kurse Folgen. Sie könnte sich auch auf die Zukunft des Unterrichtsfachs Latein an den Mittelschulen auswirken – der Anreiz, das Latinum schon im Gymi zu erwerben, fällt weg.

Eine Lateinpflicht kennen heute neben der Theologischen Fakultät auch noch das Historische und das Romanische Seminar. Für Geschichte und Romanistik sei das Obligatorium derzeit nicht infrage gestellt, sagen die Seminarleiter.

Entscheid noch nicht definitiv

Am Deutschen Seminar gehen derweil viele Anfragen von Studierenden ein, die gerne wüssten, ab wann die Änderungen gelten und ob sie ihre Lateinkurse zu Ende besuchen müssen.

Studiendekan Müller Nielaba muss alle vertrösten: Noch ist nicht definitiv, dass die Lateinpflicht für die Germanistik tatsächlich aufgehoben wird. Die Fakultätsversammlung wird am kommenden Freitag, 18. November, über den Antrag entscheiden.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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