Aktualisiert 19.10.2012 10:09

Grosse Ärzte-StudieDeutsche Ärzte? Kein Problem!

88 Prozent der Schweizer haben einen Hausarzt und sind mit diesem zufrieden. Von wo er kommt, ist den meisten egal – trotz angeheizter Migrationsdebatte. Das zeigt eine neue Studie.

von
Viktoria Weber

Wie gesund fühlen sich die Schweizer? Und wie zufrieden sind sie mit der hiesigen medizinischen Versorgung? Um sämtliche Fragen rund um das Thema Gesundheit beantworten zu können, lancierte 20 Minuten Online gemeinsam mit comparis.ch und dem gfs.bern «die grosse Schweizer Ärzte-Studie».

Zufriedenheit dank Vertrauen statt dank Genesung

Für eine deutliche Mehrheit der Schweizer scheint es wichtig zu sein, eine feste Bezugsperson im medizinischen Bereich zu haben. Denn 88 Prozent der Befragten geben an, einen festen Hausarzt zu haben - und scheinen damit gut zu fahren: Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) sind mit ihrem Hausarzt «sehr zufrieden», weitere 37 Prozent sind «eher zufrieden». Knapp die Hälfte der Befragten hat zusätzlich einen festen Spezialisten, der regelmässig konsultiert wird.

Doch welche Faktoren sorgen für diese hohe Zufriedenheit? Die Genesung, die beim Arztbesuch an oberster Stelle stehen sollte, spielt offenbar eine ungewöhnlich kleine Rolle. Viel wichtiger ist, dass die Schweizer ihrem Arzt vertrauen können, sich ernst genommen fühlen, dass der Mediziner sich Zeit für sie nimmt und dass er alles klar und deutlich erklärt. Die eigentliche Genesung ist sichtbar weniger wichtig.

Jeder Vierte musste zu lang warten

Weniger zufrieden zeigen sich die Befragten beim Thema Wartezeit: Ein Viertel der Schweizer schätzt den letzten Aufenthalt in einem Wartezimmer als zu lang ein. Während die Personen, die mit ihrer Wartezeit einverstanden waren, im Schnitt elf Minuten warteten, waren es bei den unzufriedenen Personen 33 Minuten. Als ideale Wartezeit gaben die unzufriedenen Personen 13 Minuten an, was wiederum nah an den elf Minuten liegt, welche die zufriedenen Personen im Wartezimmer verbrachten.

Insgesamt liegt die durchschnittliche Wartezeit beim Arzt in der Schweiz bei 17 Minuten, wobei die Antworten der Befragten zum Teil sehr weit auseinander gingen: Sie reichten von einer Minute bis hin zu über drei Stunden. In der Deutschschweiz wartet man im Durchschnitt etwas weniger lang als in der Romandie und im Tessin.

Mit den Öffnungszeiten ihres Arztes sind 69 Prozent der Schweizer zufrieden. Immerhin jeder Fünfte wünscht sich unter der Woche abends längere Sprechstundenzeiten. Vor allem Berufstätige und Vollzeitbeschäftigte äussern diesen Wunsch vermehrt. Besonders in der italienischsprachigen Schweiz ist man mit den gegebenen Öffnungszeiten einverstanden.

Nationalität eher unwichtig - ebenso das Geschlecht

Der überraschendste Befund ergab sich bei der Frage nach der Nationalität der Ärzte. Obwohl das Thema Migration in der Schweiz immer wieder heiss diskutiert wird, ist es im heiklen Bereich der ärztlichen Betreuung für mehr als die Hälfte kein Problem: Lediglich für 15 Prozent der Schweizer ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt ein Schweizer ist. Für 58 Prozent spielt diese Tatsache dagegen nur eine eher geringe oder sogar überhaupt gar keine Rolle. In der französischen Schweiz spielt die Nationalität des Arztes eine noch kleinere Rolle. Auf dem Land dafür eine etwas höhere.

Das Geschlecht des Mediziners des Vertrauens ist für die Mehrheit irrelevant. Wenn es um die Wahl eines Spezialisten geht, wird das eine oder das andere Geschlecht vor allem beim Gynäkologen und beim Urologen bevorzugt. Männliche und weibliche Ärzte werden bei der Spezialistenwahl fast zu gleichen Teilen (12 und 10 Prozent) bevorzugt. Bei den Hausärzten sieht es etwas anders aus: Hier wählt immerhin jeder Fünfte lieber einen männlichen Arzt, lediglich sechs Prozent bevorzugen eine Frau.

Die Ergebnisse der grossen Ärzte-Studie werden in vier Teilberichten abwechselnd von 20 Minuten Online und comparis.ch veröffentlicht. Auf diesen ersten Artikel zur Zufriedenheit mit Schweizer Ärzten folgen die Themen «Zufriedenheit mit Ärztedichte», die «Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands» und der «Verzicht auf Behandlung aus Kostengründen».

Eckdaten zur repräsentativen Umfrage

Die Befragung für die grosse Schweizer Ärzte-Studie fand mittels Telefon- und Online-Befragung statt. An den Telefon-Interviews (= CATI-Befragung) nahmen 1004 Personen ab 15 Jahren aus allen Landesteilen der Schweiz teil, den Online-Fragebogen füllten 9636 Personen aus. In die Auswertung flossen 6663 Fälle ein. Die Studienergebnisse sind repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren.

Ergebnisse zum Download >>

Zusammenarbeit mit gfs.bern

20 Minuten Online und das Forschungsinstitut gfs.bern werden in den kommenden Monaten diverse Umfragen gemeinsam durchführen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Aussagequalität der Umfragen schrittweise zu erhöhen. Dabei kommt ein spezielles Gewichtungsmodell zum Einsatz. Alle Umfragen sind vollkommen anonym.

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