15.07.2020 08:21

Auch ohne KrankheitDeutsche Ärztin verschickt für 5 Euro Masken-Zeugnisse

Um der Maskenpflicht im ÖV zu entgehen, besorgen sich Schweizer Zeugnisse einer deutschen Ärztin. Das ist verboten, es drohen hohe Haftstrafen.

von
Daniel Graf
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Mit diesem Bild wehren sie die «Corona-Rebellen» unter anderem gegen die Maskenpflicht im ÖV.

Mit diesem Bild wehren sie die «Corona-Rebellen» unter anderem gegen die Maskenpflicht im ÖV.

Screenshot Facebook 
Die Maskengegner stören sich daran, dass in Zug, Tram und Bus eine Maske getragen werden muss.

Die Maskengegner stören sich daran, dass in Zug, Tram und Bus eine Maske getragen werden muss.

VBZ
Eine E-Mail und 5 Euro reichen, um innerhalb von 24 Stunden ein ärztliches Attest zu erhalten, das bescheinigt, dass man keine Maske tragen kann.

Eine E-Mail und 5 Euro reichen, um innerhalb von 24 Stunden ein ärztliches Attest zu erhalten, das bescheinigt, dass man keine Maske tragen kann.

Darum gehts

  • Einige wollen sich nicht mit der Maskenpflicht im ÖV abfinden.
  • In der Telegram-Gruppe der «Corona-Rebellen» wird dafür einen Lösung präsentiert: Für 5 Euro verschickt eine deutsche Ärztin Atteste auch in die Schweiz.
  • Das geht komplett ohne ärztliche Konsultation oder Untersuchung – und ist deshalb illegal.
  • Sowohl die Ärztin als auch die «Patienten» machen sich strafbar, wie Rechtsexperten erklären.

Die Maskenpflicht im ÖV stösst auf Widerstand. Mit Flyern und in Telegram-Gruppen kämpfen etwa die «Corona-Rebellen» dagegen an. Seit kurzem empfehlen sie einen neuen Trick: Per E-Mail können Maskengegner bei der deutschen Ärztin Monika J.* ein Attest bestellen. Dazu müssen sie lediglich das richtige Wort in die Betreffzeile schreiben und einen Grund wie Panikattacken oder Atemnot sowie Vornamen, Namen und Geburtsdatum angeben. Innerhalb von 24 Stunden ist das ärztliche Attest im Posteingang – gegen eine Gebühr von 5 Euro.

Ärztin Monika J. ist selber klare Maskengegnerin: In einer E-Mail inklusive angehängten Attests, das 20 Minuten vorliegt, schreibt sie: «Bitte setzen Sie sich ausserdem für eine masken- und notverordnungsfreie Welt in Freiheit und Grundrechten ein. Setzen Sie sich für das sofortige Ende aller Massnahmen ein, wie und wo Sie können. Sie haben Verantwortung auch für die Kinder- und Enkelgeneration.»

Anstiftung zur Urkundenfälschung

Die «Corona-Rebellen» behaupten auf Telegram, die Praxis sei legal. Anders sehen das mehrere von 20 Minuten befragte Schweizer Rechtsexperten. So sagt etwa die auf Medizinrecht spezialisierte Rechtsanwältin Evalotta Samuelsson: «Wenn die Diagnose erfunden ist und ohne persönliche Konsultation gemacht wird, verbrieft die Ärztin willentlich und wissentlich eine falsche Tatsache. Damit verstösst sie gegen elementare Berufspflichten und auch Standesregeln.»

Damit mache sich die Ärztin in Deutschland strafbar. In der Schweiz könne sie deswegen nicht belangt werden. Doch auch wer sich ein Arztzeugnis bestellt, kann sich laut Samuelsson strafbar machen: «Bei einem ärztlichen Attest handelt es sich um eine Urkunde. Wer jemanden zur Fälschung einer Urkunde anstiftet, macht sich ebenfalls strafbar. Wenn das Prozedere wirklich wie beschrieben abläuft, liegt hier meiner Meinung nach eine Straftat vor.»

Das Anstiften zu Urkundenfälschung kann laut Samuelsson mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden. Die Anwältin sagt klar: «Das ist keine Kleinigkeit, es handelt sich dabei nicht um ein Bagatelldelikt.»

Auch die «Corona-Rebellen» machen sich wohl strafbar

Schwieriger zu klären ist die Frage, ob sich auch die «Corona-Rebellen» strafbar machen, welche den Kontakt zur Ärztin herstellen. Samuelsson sagt: «In der bundesrätlichen Verordnung zur Maskenpflicht ist festgehalten, dass die Umgehung mit einer Busse bestraft werden kann.» Beim Besorgen von getürkten Arztzeugnissen handle es sich klar um eine Umgehung dieser Verordnung. «Ich gehe deshalb davon aus, dass der Bund die Kompetenz hätte, auch die ‹Corona-Rebellen› zu büssen.»

«Bei Fremdgefährdung hört der Spass auf»

Auch die Juristin und Risikopatientin J.S.* ist über das Angebot gestolpert und ist klar der Meinung, dass sich sowohl die Ärztin als auch die «Patienten» strafbar machen. Das Verhalten macht sie wütend: «Wenn Menschen denken, Corona könne sie nicht treffen, und sich selber nicht dagegen schützen wollen, ist das eine Sache. Wenn sie sich aber der Maskenpflicht widersetzen und damit das Leben anderer gefährden, hört der Spass für mich auf.»

S. hat die deutsche Ärztin bei der Ärztekammer des entsprechenden Bundeslandes gemeldet und die SBB informiert. «Gerade als Risikopatientin möchte ich mich im ÖV sicher fühlen. Diesem Verhalten muss Einhalt geboten werden», findet S.

Auf Fragen reagiert J. nicht: Am Telefon bittet die Assistentin um schriftliche Kontaktaufnahme, eine E-Mail blieb bis am Dienstagabend aber unbeantwortet.

*Namen der Redaktion bekannt

«Keine Zeugnisse aus Deutschland»

SBB wissen von nichts

Bei den SBB hatte man laut Mediensprecher Martin Meier am Montagmittag noch keine Kenntnis von Arztzeugnissen aus Deutschland. «Falls jemand aus medizinischen Gründen ein Arztzeugnis benötigt, empfehlen wir dieser Person, das Arztzeugnis auf sich zu tragen», sagt Meier. Generell würden nur sehr selten Arztzeugnisse vorgewiesen, wenn Menschen im ÖV keine Maske anhaben.

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554 Kommentare
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Ira

16.07.2020, 20:37

Alle ÖV-Nutzer sollten halt überlegen, ob sie sich als erste durchseuchen lassen wollen oder nicht. Und ob es nun eine lästige Pflicht oder eher Privileg ist, die Maske zu tragen..

Steff

16.07.2020, 15:36

Für alle, welche das mit den Masken noch nicht begriffen haben, ein Beispiel: Stell dir vor, du und ein anderer Mann stehen nackt auf einer Wiese. Der andere pinkelt dir ans Bein, du wirst nass (bääää). Wenn du jetzt eine Jeans trägst, wirst du zwar noch immer nass, aber bedeutend weniger. Wenn jetzt der andere ebenfalls eine Jeans trägt, bleibst du komplett trocken, der pinkelt sich nur noch selber ans Bein. Genau gleich verhält es sich mit den Masken...! Und wer keine Maske tragen will: Überleg mal, was du mit jemandem machen würdest, der dir ans Bein pinkelt... Genau, das würde ich auch mit dir tun, also zieh das Ding einfach an und gut ist!

Roger mit und ohne Maske

16.07.2020, 07:49

Toll. Ich habe schon auf den Masken Artikel gewartet. Über die Hitze kann man dieses Jahr ja nicht sprechen. Ich wsr auch froh, dass ich gestern etwas von der Walliserin gehört habe.