Kriminalität: Deutsche Apotheken verkaufen gefälschte Pillen
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KriminalitätDeutsche Apotheken verkaufen gefälschte Pillen

Die Zahl gefälschter Medikamente nimmt weltweit zu. In Deutschland sind in Apotheken unechte Pillen aufgetaucht. Was unternimmt die Schweiz dagegen?

von
Kaspar Wolfensberger
Die Anzahl gefälschter Medikamente nimmt weltweit zu. Patienten riskieren bei der Einnahme von Imitaten starke gesundheitliche Probleme.

Die Anzahl gefälschter Medikamente nimmt weltweit zu. Patienten riskieren bei der Einnahme von Imitaten starke gesundheitliche Probleme.

Hoher Blutdruck, der trotz Medikamenten nicht absinkt oder ein Herzinfarkt nach der Einnahme von Viagra: Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln boomt. Auch hierzulande schlucken Menschen pro Jahr 20'000 bis 40'000 Päckchen gefälschter Pillen, die meist in Indien oder China produziert wurden.

Waren in der Vergangenheit primär online bestellte Medikamente von dieser Problematik betroffen, so hat sie in Deutschland nun die Apotheken erreicht. So tauchten zum Beispiel in einer Berliner Arzneiausgabe Fälschungen des Wachstumspräparats SimpleXx auf. Wie die «Wirtschaftswoche» berichtet, machen sich verbrecherische Medikamentenhändler dabei eine besondere Vorschrift zunutze. Die besagt, dass deutsche Apotheker einen Teil ihrer Arzneimittel zu günstigeren Preisen im Ausland beziehen müssen, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Wie der «Spiegel» berichtet, nutzen das Kriminelle, um gestohlene und gestreckte oder gänzlich gefälschte Medikamente über fingierte Zwischen- und Grosshändler nach Deutschland weiterzuverkaufen.

Vor allem beim Diebstahl und der Streckung von Medikamenten haben dabei laut «Spiegel» auch Mafiosi aus Süditalien ihre Hände im Spiel. Wie das deutsche Magazin unter Berufung auf die italienische Aufsichtsbehörde Aifa schreibt, brechen die Kriminellen gezielt in italienische Krankenhäuser ein oder rauben Lastwagentransporte aus. Dabei setzen sie auf die Zusammenarbeit mit kriminellen Banden aus Osteuropa, die ihnen beim Verkauf nach Deutschland weiterhelfen.

Schweiz bisher verschont

In der Schweiz ist es bisher noch nicht zu diesen Problemen gekommen. Ruth Mosimann vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic erklärt: «Dank strengeren Auflagen für Parallelimporte konnten solche Fälle hierzulande bisher verhindert werden.» Im Internet gebe es aber nach wie vor unseriöse Websites, über die kriminelle Organisationen Arzneimittel anbieten und Fälschungen liefern.

Im Kampf gegen Fälschungen setzen Pharmaunternehmen und Zollbehörden unter anderem auf spezielle Markierungen, erklärt der Verband Interpharma auf seiner Website. Zum Einsatz kommen beispielsweise Hologramme oder Seriennummern. Sie seien die Voraussetzungen für eine lückenlose Verfolgung der Arzneimittel und für eine Authentizitätsprüfung jeder einzelnen Packung. Dank ihnen können Apotheker bei jedem Medikament die Echtheit überprüfen, bevor sie es an Patienten abgeben, schreibt Interpharma.

Ein kleiner Prozentanteil

Trotz steigender Zahlen weltweit spielen die Fälschungen für die Schweizer Pharmakonzerne nur eine untergeordnete Rolle. Novartis-Sprecher Satoshi Jean-Paul Sugimoto sagt auf Anfrage, dass «ein sehr kleiner Prozentanteil unserer Produkte gefälscht wird». Die wirtschaftlichen Folgen seien für das Unternehmen nicht signifikant, fügt er an. Die grösste Gefährdung, die von gefälschten oder gestreckten Medikamenten ausgehe, betreffe die Gesundheit der Patienten. Novartis arbeite bei der Verfolgung von Fälschern eng mit den Behörden in den verschiedenen Ländern zusammen, schliesst Sugimoto seine Ausführungen.

Bei Roche klingt es ähnlich: Mediensprecherin Nina Schwab erklärt, dass ihr Unternehmen alles tue, um Produktfälschungen zu bekämpfen. Tatsächlich seien die imitierten und gestreckten Arzneimittel ein ernstzunehmendes Problem und ein Risiko für die Patienten, das es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen gelte.

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