Um Korruption aufzudecken: Deutsche Bahn spionierte Mitarbeiter aus
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Um Korruption aufzudeckenDeutsche Bahn spionierte Mitarbeiter aus

Die Deutsche Bahn hat Hunderte Mitarbeiter ausgespäht. Das Unternehmen räumte am Mittwoch ein, es habe regelmässig Führungskräfte überprüft und dabei auch Telefon- und Kontodaten gesammelt.

So habe man Anhaltspunkten auf mögliche Korruption nachgehen wollen. Die Bahn hatte dafür die Firma Network Deutschland eingeschaltet. Bereits im vergangenen Jahr war bekanntgeworden, dass die Firma Network zwischen 1998 und 2007 über 40 Aufträge von der Bahn erhalten und dafür gut 800 000 Euro kassiert hatte. Zuletzt hatte die Mitarbeiterüberwachung beim Discounter Lidl für Schlagzeilen gesorgt.

Nach einem Bericht des Magazins «Stern» hat die Bahn auch Namen von 500 Ehepartnern von Führungskräften sammeln lassen. Network habe dann die Personaldaten mit Angaben aus öffentlichen Firmenregistern vergleichen lassen. Damit habe man prüfen wollen, ob Aufträge an Ehepartner vergeben worden seien.

Datenschützer und Politiker reagierten bestürzt. Die zuständige Berliner Datenschutz-Behörde bemängelte unter anderem, dass Bahn- Mitarbeiter auch später nicht über die Kontrollen informiert worden seien. Die Bundesregierung verlangte lückenlose Aufklärung.

Der interne Bahn-Ermittler Wolfgang Schaupensteiner betonte, das Unternehmen habe das Recht, gegen Betrug vorzugehen. Über die von den Datenschützern geforderte Informationspflicht nach Überprüfungen für alle betroffenen Mitarbeiter gebe es unterschiedliche Auffassungen unter Juristen.

Nach Überzeugung der Bahn habe sich das Unternehmen aber insgesamt korrekt verhalten. Ob dies auch für die beauftragte Firma gelte, liess er offen: «Ich kann nicht ausschliessen, dass es bei Dritten zu Verstössen gekommen ist.» (sda)

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