Kündigungswelle: Deutsche Bank Schweiz entlässt 50 Mitarbeiter
Aktualisiert

KündigungswelleDeutsche Bank Schweiz entlässt 50 Mitarbeiter

Die grösste Bank des Nachbarlands setzt das Messer in Zürich und Genf an. Knapp 50 Angestellte wurden per sofort auf die Strasse gestellt. Auch hohe Kader verlieren ihren Job.

von
Lukas Hässig
Die Filiale der Deutschen Bank in Genf.

Die Filiale der Deutschen Bank in Genf.

Jetzt erfasst die Krise auch die wichtigste Auslandbank des Finanzplatzes. Die Deutsche Bank bestätigt breitflächige Entlassungen. Die Kündigungen wurden bereits ausgesprochen und treffen Banker in Zürich und Genf. Diese müssen ihr Büro räumen und gehen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank Schweiz bestätigt entsprechende Meldungen. «Wir mussten knapp 50 Kündigungen aussprechen», sagte Tanja Kocher gegenüber Inside Paradeplatz. «Alle Betroffenen wurden per sofort freigestellt.»

Auch hohe Kader verlieren ihren Job

Der Abbau soll Mitarbeiter aller Hierarchiestufen und sämtlicher Bereiche treffen, also quer durch die Vermögensverwaltung, das Asset Management und die Investmentbank gehen. «Entlassen wurden nicht nur einfache Mitarbeiter, sondern auch Managing Directors und Kundenberater», sagt Sprecherin Kocher.

Die Deutsche Bank Schweiz beschäftigt insgesamt rund 1000 Mitarbeiter, davon 400 in Zürich und dort hauptsächlich am neuen Luxus-Standort im Prime Tower im boomenden Westend der Stadt. Dort zog die Deutsche Bank mit Pauken und Trompeten und vielen neu verpflichteten Mitarbeitern vor Jahresfrist ein.

Joe Ackermanns Nachfolger räumen auf

Die Meldung des Abbaus beim Finanzmulti steht für zwei Entwicklungen. Einerseits ist die Schweiz völlig abhängig von Entscheiden, welche die Chefs der Deutschen Bank in ihrer Zentrale in Frankfurt fällen. Dort wurde vor kurzem beschlossen, weltweit 1900 Stellen abzubauen.

Diesen Beschluss hatte das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen Ende Juli gefällt. Sie sind die Nachfolger des Schweizers Josef Ackermann, der die Deutsche Bank bis zum seinem Abtritt im Mai 10 Jahre lang operativ geleitet hatte.

Auch Ackermanns Schweizer Buddies verlieren ihre Positionen. Risiko-Chef Hugo Bänziger ist bereits weg, nun soll auch Personalchef Ulrich Zwygart bald abtreten, wie das Finanzportal meldet. Zwygart ist ein bekannter Divisionär und galt vor seinem Wechsel zur Deutschen Bank im 2008 als möglicher Armeechef.

Schwere Zeiten für Genf und Lugano

Andererseits ist der Abbau ein Fanal der schleichenden Abkehr der Auslandbanken vom Schweizer Finanzplatz. Viele kleinere Institute sind bereits weg, während die grossen und bekannten ihren Personalbestand stetig verkleinern.

Vor allem der Bankenplatz Genf hat dies bereits zu spüren bekommen. Der Schweizer Ableger der englisch-asiatischen HSBC zählte rund 2000 Mitarbeiter, reduziert aber derzeit seinen Bestand durch stetes Restrukturieren.

Ebenfalls im Schrumpfmodus befinden sich die Ableger der grossen französischen Banken wie Crédit Agricole und BNP Paribas. Beide sind für die Calvin-Stadt gross und wichtig.

In Lugano ist die Zukunft der dort stark präsenten BSI Bank in der Schwebe. Sie gehört zum grossen italienischen Versicherungskonzern Generali und soll zum Verkauf stehen. Offenbar hält sich das Interesse in Grenzen. Jedenfalls ist nichts von einem bevorstehenden Deal bekannt – obwohl die Meldungen über die Verkaufsabsichten nicht mehr neu sind.

Vom schleichenden Rückzug der Auslandbanken weniger betroffen ist Basel. Am Rheinknie hat die Finanzindustrie schon vor längerer Zeit an Bedeutung verloren. Bei der Fusion von Bankverein und Bankgesellschaft im 1998 wurde zwar Basel neben Zürich zum Co-Sitz des neuen Riesen erklärt. Doch faktisch hatte die Limmatstadt das Rennen für sich entschieden.

Kommen die Chinesen?

Die heute bekannt gewordene Entlassungswelle bei der Deutschen Bank dürfte lediglich das Vorspiel für weitere Abbaurunden bei den Auslandinstituten sein. Vor wenigen Tage spekulierten deutsche Medien über zusätzliche Abbaupläne, welche das neue Führungsduo derzeit aushecken würde. Davon dürfte dann auch wieder die Schweiz als wichtiger Markt betroffen sein.

Die negative Entwicklung verläuft parallel zum Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses. Viele Töchter ausländischer Banken hatten in den alten Zeiten vom besonderen Status bei den Steuern profitiert und sich davon erhofft, einen Anteil am gigantischen Offshore-Kuchen des Schweizer Finanzplatzes ergattern zu können.

Die grosse Frage wird nun sein, ob und, falls ja, wer in die Lücke springen wird. Kürzlich meldeten chinesische Banken Ansprüche an. Sie verfügen über gefüllte Kriegskassen und könnten die Schweiz auch ohne Schwarzgeld als interessanten Standort für die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung betrachten.

Ebenfalls fragt sich, ob kleinere Asset Manager und unabhängige Vermögensverwalter vom Rückzug der Auslandbanken profitieren könnten. Diese stehen schon länger im Konkurrenz-Wind und wissen, dass sie nur mit guten Leistungen eine Zukunft haben.

So gesehen ist der Jobabbau von heute bei der Deutschen Bank bedeutungsvoll. Altes geht zu Ende, Neues wird entstehen. Wie dieses aussieht, weiss derzeit noch niemand genau.

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