Aktualisiert 01.10.2010 11:59

Randy Krummenacher

Deutsche Bastler statt Schweizer Hightech

Die Entscheidung ist gefallen: Randy Krummenacher (20) fährt 2011 die Moto2-WM auf Kalex. Was die Frage provoziert: Deutsche Technik statt Schweizer Qualität?

von
Klaus Zaugg
Randy Krummenacher. Nächste Saison nicht mehr auf Schweizer Know-how unterwegs. (Bild: Keystone)

Randy Krummenacher. Nächste Saison nicht mehr auf Schweizer Know-how unterwegs. (Bild: Keystone)

In der Moto2-WM fahren alle mit den gleichen Motoren (Honda), den gleichen Reifen (Dunlop) und dem gleichen Benzin. Freie Marktwirtschaft gibt es nur bei den Fahrwerken. Die Wahl des richtigen Fahrwerkes kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Von allem Anfang an war klar, dass Randy Krummenacher 2011 im deutschen Kiefer-Team entweder eine Suter oder eine Kalex einsetzen wird. Im Kiefer-Team fährt Stefan Bradl diese Saison ein Fahrwerk des Schweizer Konstrukteurs Eskil Suter und steht in der WM auf dem 15. Rang. Aber seit Wochen laufen die Verhandlungen über einen Markenwechsel von Suter zu Kalex.

Gegen Schweizer Know-how entschieden

Nun ist die Entscheidung gefallen: «Wir arbeiten im Kiefer-Team 2011 nicht mehr mit Eskil Suter. Wir werden neu eine Kalex einsetzen», bestätigt Krummenachers Manager Robert Siegrist gegenüber 20 Minuten Online und beendet damit alle Spekulationen.

Das provoziert die bösartige Frage: Bastler statt Hightech? Das ist tatsächlich eine bösartige Frage. Kalex ist eine in Bobingen ansässige Töff-Hightech-Firma. Spezialisiert auf die Herstellung von exklusiven Fahrwerken für den Strassen- und Renneinsatz und die Fertigung von Hightech-Motorradeilen. Die Firmenbezeichnung ergibt sich aus den Vornamen der Gründer Alex Baumbärtel und Klaus Hirsekom.

Die beiden führenden Fabrikate in der Moto2-WM 2010 sind Moriwaki und Suter. Die Japaner rüsten unter anderem WM-Leader Toni Elias und Tom Lüthi aus und haben nicht die Kapazitäten für weitere Topkunden.

Vom Tösstal in die grosse, weite Welt

Eskil und Simon Suter bauen in Turbenthal (ZH) am meisten Moto2-Bikes. Sie rüsten zwölf Fahrer aus, darunter Dominique Aegerter. Der ehemalige GP-Pilot Eskil Suter hat neben Moriwaki-Firmengründer Mamoru Moriwaki die grösste Erfahrung in der Herstellung von Rennmotorrädern. Der Vorteil der Suter-Kunden: Eine sehr gute Betreuung vor Ort und eine enorme Fülle von Informationen, die laufend in die Entwicklung gesteckt werden. Die grossen Fortschritte von Dominique Aegerter (er hat diese Saison als erster Schweizer Tom Lüthi auf WM-Niveau besiegt) hängen eng mit der Arbeit von Eskil Suter zusammen.

Warum also verlässt das Kiefer-Team Suter und arbeitet 2011 mit Kalex zusammen? Krummenachers Manager Robert Siegrist sagt es so: «Kalex kann uns 2011 eine umfassende Betreuung und Weiterentwicklung zusichern. Es ist ein Entscheid für Kalex, nicht gegen Suter.» Zudem habe man die Zusicherung, dass die Maschine für 2011 total überarbeitet und weiterentwickelt werde und damit werde man auf dem höchstmöglichen technischen Stand sein.

Das Unternehmen Kalex ist von der Grösse ungefähr vergleichbar mit Suter Racing Technology und daher scheint es auf den ersten Blick gehupft wie gesprungen, ob Krummenacher nun Suter oder Kalex fahren wird.

Nackte Zahlen sprechen für Suter

Beim ersten freien Training zum GP von Japan am Freitag stehen die Suter-Bikes auf den Plätzen 1, 4, 8, 10, 12, 17 - und die beste Kalex finden wir erst auf dem 19. Platz. Diese Momentaufnahme ist polemisch und muss für 2011 wenig heissen. Aber es gibt doch einen ganz grossen Unterschied: die Erfahrung. Kalex-Boss Alex Baumgärtel steht mit seiner Firma im ersten Rennsportjahr auf allerhöchster Ebene. Eskil Suter arbeitet hingegen seit mehr als zehn Jahren auf höchstem Motorsportniveau, früher auch als Chassisbauer für die MotoGP-Klasse (Kawasaki).

Die entscheidende Frage ist: Kann die Begeisterung und die Kompetenz und die Qualität der Kalex-Leute die Erfahrung von Suters Ingenieuren kompensieren?

Erfahrung ist im Rennsport so wichtig wie das Benzin. Krummenachers Team geht ein grosses Risiko ein.

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