Afghanistan: Deutsche Elitesoldaten machen von sich reden
Aktualisiert

AfghanistanDeutsche Elitesoldaten machen von sich reden

Plötzlich sind sie in Afghanistan wieder da, die geheimnisumwitterten deutschen Elitesoldaten der KSK. Zuletzt war es ein wenig still geworden um das in Calw stationierte Kommando Spezialkräfte.

Dann belastete der Abbruch der GSG9-Operation gegen somalische Piraten das Image deutscher Sicherheitskräfte. Nun hatte die Truppe einen Erfolg zu melden: KSK-Soldaten kassierten den mutmasslichen Taliban-Führer Abdul Rasek nach einer aufreibenden Jagd durch das afghanischen Hochgebirge.

Heldengeschichten mag die Generalität nicht. Die KSK-Soldaten sind zwar Spezialisten für hochgefährliche Einsätze, aber ein Rambo-Image will die Bundeswehr nicht haben. Am Zugriff auf Rasek wurde ihre Beteiligung aber bestätigt. Generell wird in den Berichten über die jüngsten Ereignisse stets die Zusammenarbeit mit afghanischen Sicherheitskräften betont. Die hätten auch den lange gesuchten «hochrangigen Terrorverdächtigen» Rasek übernommen und in dem Gefecht den Gegnern auch die Verluste zugefügt.

Stolz in der Überschrift

Dennoch merkt man ein bisschen die stolz geschwellte Brust: «Schlag gegen Terror in Afghanistan» überschrieben die Streitkräfte ihren Bericht im Internet. Er beginnt korrekt: «Berlin/Feisabad, 07.05.2009, Stand: 16 Uhr.» Und weiter: «Deutsche ISAF-Spezialkräfte führten in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften im Distrikt Varduj (Raum Feisabad) eine Zugriffsoperation gegen den mutmasslichen Straftäter Abdul Rasek durch. Die Zielperson wurde am Morgen des 7. Mai gegen 8 Uhr unserer Zeit in unwegsamem, gebirgigem Gelände cirka 60 Kilometer südostwärts von Feisabad gestellt und durch die afghanischen Kräfte festgenommen,» hiess es militärisch knapp.

Rasek ist nach deutschen Erkenntnissen verantwortlich für einen Anschlag auf eine deutsche Patrouille am 26. Juni 2008, Anschlagplanungen mit Sprengfallen gegen die internationale Friedenstruppe ISAF im Juli 2008 sowie den Anschlag auf den Konvoi des Provinzgouverneurs von Badakshan am 5. November 2008.

Rasek war laut «Focus Online» seit Mitte vergangenen Jahres auf der Zielliste der ISAF. Als Leiter der Wählerregistrierung für die Präsidentenwahl im August habe er als Inhaber eines öffentlichen Amts praktisch zweitweise Immunität genossen.

Immer häufiger Anschläge

Auf die Bundeswehr sind in jüngster Zeit immer häufiger Anschläge verübt worden, hauptsächlich in der Nähe von Kundus. In der Nacht zum Freitag erreichte dies eine neue Qualität. Deutsche Soldaten wurden in ein Feuergefecht verwickelt, das sich von Donnerstag bis in den Freitag hinzog. Aufständische hatten eine Bundeswehrpatrouille mit Hand- und Panzerabwehrwaffen angegriffen, fünf Kilometer westlich von Kundus. An Bord der insgesamt drei Fahrzeuge vom Typ Dingo und zwei Transportpanzer Fuchs befanden sich 29 Soldaten, berichtete die Bundeswehr: «Die Soldaten erwiderten das Feuer aus Maschinengewehren sowie Handwaffen und zwangen die Angreifer dadurch zum Ausweichen. Die Verfolgung der Angreifer wurde anschliessend aufgenommen.»

Gleichzeitig seien durch das Regionale Wiederaufbauteam (PRT) Kundus die Afghan National Security Forces (ANSF) zur Unterstützung angefordert und deutsche Verstärkungskräfte eingesetzt worden, hiess es weiter. Ob hierbei konkret KSK-Kräfte dabei waren, blieb offen.

Der Verlauf des Zwischenfalls dokumentiert laut Ministerium, dass die Zusammenarbeit zwischen afghanischen und deutschen Behörden funktioniere. «Unsere Botschaft ist weiterhin, dass diejenigen, die uns oder unsere Alliierten angreifen, damit rechnen müssen, dass sie verfolgt werden», sagte Sprecher Thomas Raabe. Aber Raabe blieb dabei: Es handele sich bei dem deutschen Engagement in Afghanistan nicht um einen Krieg, sondern um einen «Stabilisierungseinsatz». (dapd)

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