18.06.2020 17:24

Toter Georgier in BerlinDeutsche Ermittler gehen von russischem Auftragsmord aus

Nach dem Mord an einem Georgier im August 2019 in Berlin hat die Bundesanwaltschaft vor dem Berliner Kammergericht Anklage gegen einen Russen erhoben. Die deutsche Regierung droht Moskau zudem mit Sanktionen.

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Am 18. Juni 2020 hat der deutsche Generalbundesanwalt Anklage gegen einen Verdächtigen erhoben und staatlichen russischen Stellen vorgeworfen, den im August 2019 verübten Mord an Tornike K. im Kleinen Tiergarten in Berlin angeordnet zu haben.

Am 18. Juni 2020 hat der deutsche Generalbundesanwalt Anklage gegen einen Verdächtigen erhoben und staatlichen russischen Stellen vorgeworfen, den im August 2019 verübten Mord an Tornike K. im Kleinen Tiergarten in Berlin angeordnet zu haben.

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Hintergrund des Tötungsauftrags sei gewesen, dass Tornike K. mit seiner tschetschenischen Abstammung ein Gegner des russischen Zentralstaats gewesen sei, erklärte der Generalbundesanwalt.

Hintergrund des Tötungsauftrags sei gewesen, dass Tornike K. mit seiner tschetschenischen Abstammung ein Gegner des russischen Zentralstaats gewesen sei, erklärte der Generalbundesanwalt.

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Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte der russische Botschafter in Berlin, Sergei Nechayew. Dafür gebe es auch keinerlei Beweise.

Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte der russische Botschafter in Berlin, Sergei Nechayew. Dafür gebe es auch keinerlei Beweise.

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Darum gehts

  • Ein 40 Jahre alter Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit wurde am 23. August 2019 im Kleinen Tiergarten, einem Stadtpark in Berlin, von einem Fahrrad aus mit Schüssen in Kopf und Rücken niedergestreckt.
  • Die deutsche Justiz vermutet einen russischen Auftragsmord.
  • Die Tat hatte erhebliche diplomatische Verwerfungen zwischen Deutschland und Russland ausgelöst.

Nach dem Mord an einem Georgier im August vergangenen Jahres in Berlin hat die deutsche Bundesanwaltschaft vor dem Berliner Kammergericht Anklage gegen einen Russen erhoben. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei der Tat um einen staatlichen Tötungsauftrag der russischen Regierung handelte. Nach der Anklage des Generalbundesanwalts mehrten sich auch die Forderungen nach Sanktionen gegen Russland.

«Solange die russische Staatsspitze die Täter des Tiergartenmordes deckt, darf die Bundesregierung nicht vor Sanktionen zurückschrecken», sagte der aussenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

«Das ist ein schwerwiegender Vorgang, der Russlands Ansehen in der Welt zusätzlich schweren Schaden zufügt und eine schwere Hypothek für eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellt», sagte sein SPD-Kollege Nils Schmid zu Reuters. Dies dürfe nicht folgenlos bleiben. Aussenminister Heiko Maas sagte, die Bundesregierung behalte sich weitere Massnahmen in diesem Fall vor.

Russe wurde am Tag des Attentats verhaftet

Der Generalbundesanwalt wirft staatlichen russischen Stellen vor, den Mord an dem Georgier Tornike K. im Kleinen Tiergarten in Berlin angeordnet zu haben. Hintergrund des Tötungsauftrags sei gewesen, dass Tornike K. mit seiner tschetschenischen Abstammung ein Gegner des russischen Zentralstaats gewesen sei. So habe Tornike K. im zweiten Tschetschenien-Krieg in den Jahren 2000 bis 2004 als Anführer einer Miliz gegen die Russische Föderation gekämpft.

Der Beschuldigte Vadim K. habe den Tatauftrag angenommen, weil er sich Geld erhofft habe oder weil er die politischen Motive des Auftraggebers geteilt habe. Am 23. August 2019 habe er dann Tornike K. mit einer Pistole in der Parkanlage mit mehrere Schüssen getötet. K. war noch am Tag des Attentats gefasst worden. Zeugen hatten beobachtet, wie er eine Perücke sowie ein Fahrrad und eine Waffe in der Spree versenkte. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Diplomatische Verwerfungen zwischen Deutschland und Russland

Bundesaussenminister Maas sprach bei einem Besuch in Wien von einem schwerwiegenden Vorgang. Der russische Botschafter sei deswegen erneut zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt geladen worden, um der russischen Seite die deutsche Haltung noch einmal unmissverständlich darzulegen.

Ein Sprecher der Bundesregierung verwies darauf, dass die Regierung bereits im Dezember 2019 in Zusammenhang mit dem Mord zwei Angehörige der russischen Botschaft ausgewiesen habe. Vor kurzem habe sie zudem Schritte gegen Russland im Zusammenhang mit einem Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag eingeleitet. Dabei habe sie deutlich gemacht, dass sie diesen Fall auch vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen zum sogenannten Tiergarten-Mordfall bewerte.

Hardt und der Grünen-Aussenpolitiker Omid Nouripour forderten eine europäische Antwort. «Die Bundesregierung sollte Konsequenzen aus diesem massiven russischen Eingriff in unsere Souveränität europäisch abstimmen. Wie die Briten nach Salisbury muss auch Deutschland europäische Solidarität gegen diese Aggression einfordern», sagte Nouripour zu Reuters. Er spielte auf den Giftanschlag in der britischen Stadt Salisbury auf einen russischen Dissidenten an. «Die Bundesregierung muss dafür auch unsere europäischen Partner gewinnen», sagte Hardt mit Blick auf mögliche EU-Sanktionen.

Russland wehrt sich

Russland droht Deutschland mit Gegenmassnahmen, sollte die Bundesregierung Sanktionen verhängen. Vorwürfe, dass Russland die Tötung des früheren tschetschenischen Rebellen angeordnet hätte, entbehrten jeder Grundlage, sagte der russische Botschafter in Berlin, Sergei Nechayew, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Dafür gebe es auch keinerlei Beweise. Nechayew wurde vom Auswärtigen Amt in dem Fall einbestellt.

(SDA)

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