«Negative Rückmeldungen»: Deutsche Flugbegleiter nerven Swiss-Passagiere
Aktualisiert

«Negative Rückmeldungen»Deutsche Flugbegleiter nerven Swiss-Passagiere

Flight Attendants, die nur Hochdeutsch sprechen, kommen offenbar nicht bei allen Schweizer Kunden und Kollegen an. Die Swiss dementiert.

von
V. Blank

Die Flugbegleiterin aus Deutschland hatte sich den Job bei der Swiss wohl anders vorgestellt. Anstatt offen im neuen Kollegenkreis aufgenommen zu werden, sei sie auf Unfreundlichkeit gestossen. Das schreibt eine Swiss-Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, in einem Brief an 20 Minuten: «Die Deutschen werden in der Firma nicht willkommen geheissen.»

Die Betroffene beschreibt, wie beim Antritt ihrer neuen Stelle die Schweizer Gastfreundlichkeit betont worden sei. Die Realität sehe aber anders aus. «Viele Kollegen äussern ihren Unmut über die Mitarbeiter aus Deutschland.» Anfangs sei sie sogar angefeindet worden, weil sie in kein Wort Schweizerdeutsch verstanden habe.

Gegenwind gibt es offenbar auch vonseiten der Passagiere. «Sie sind oft empört darüber, wenn sie bei der Swiss von einer deutschen Crew bedient werden», schreibt die Swiss-Flugbegleiterin weiter. Dass sich viele Passagiere beschweren, wenn das Swiss-Personal Hochdeutsch spricht, bestätigt auch Luc Vuilleumier, Präsident des Reisebüroverbands Swiss Travel Association: «Ich bekomme viele negative Rückmeldungen deswegen.» Als die Swiss noch in Schweizer Hand gewesen sei, habe man noch darauf geachtet, dass auch das Personal Schweizerdeutsch spreche.

Swiss wehrt sich gegen Vorwürfe

Auf Anfrage von 20 Minuten dementiert die Swiss, dass es wegen Hochdeutsch sprechenden Flight Attendants zu Beschwerden gekommen ist. Auch verneint sie, Kenntnis von Unstimmigkeiten zwischen schweizerischen und deutschen Flight Attendants zu haben. «Wir pflegen einen ausgeprägt kollegialen Umgang mit- und untereinander. Das gehört zu unserer Unternehmenskultur und ist uns sehr wichtig», sagt Swiss-Sprecher Stefan Vasic. Man toleriere in keiner Art und Weise Äusserungen, die Mitarbeitende aufgrund ihrer Herkunft in ihrer Persönlichkeit verletzen könnten, so Vasic.

Auch der Gewerkschaft des Kabinenpersonals (Kapers) sind «keine Auffälligkeiten» bekannt, was die Zusammenarbeit von Schweizer Flugbegleitern mit deutschen Kollegen betrifft, wie Kapers-Vizepräsident Harry Kreienbühl sagt. Er räumt aber ein: «Unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen beinhalten naturgemäss ein gewisses Spannungs- und Konfliktpotenzial.» Was hingegen von den Kapers-Mitgliedern immer wieder erwähnt werde, sei der zunehmend deutsche Führungsstil des Swiss-Managements.

Zu wenig Schweizer wollen den Job

Kürzlich ist bekannt geworden, dass die Swiss in Deutschland und Österreich mit Casting-Events auf der Suche nach neuem Kabinenpersonal ist. Offenbar gibt es in der Schweiz nicht mehr genügend Bewerber für den Job in der Kabine. Das niedrige Lohnniveau ist laut Kapers der Hauptgrund dafür, dass die Fluggesellschaft in der Schweiz keine neuen Flight Attendants findet.

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