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IrakDeutsche foltern für den IS-Geheimdienst

Für den Geheimdienst der Terrormiliz Islamischer Staat sollen auch Deutsche arbeiten. Ein IS-Rückkehrer berichtet von Folter und einem «Hinrichtungsmarktplatz».

IS-Trainingscamp: Mitglieder der «Lions Cubs» im Tal Afar, nahe der nordirakischen Stadt Mossul.

IS-Trainingscamp: Mitglieder der «Lions Cubs» im Tal Afar, nahe der nordirakischen Stadt Mossul.

Im Auftrag des Geheimdienstes der Terrormiliz Islamischer Staat arbeiten und foltern offenbar auch deutsche Jihadisten. Das zeigen Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» sowie der Sender NDR und WDR, die sich auf Aussagen eines deutschen IS-Rückkehrers stützen.

Der im Bericht Nils D. genannte Mann hat nach eigenen Angaben zwischen 2013 und 2014 dreizehn Monate bei einer IS-Einheit verbracht, die sich «Sturmtrupp» nannte. Neben ihm seien dort auch andere Deutsche aktiv gewesen. Die vom Bund als «Abteilung für Innere Sicherheit» des IS genannte Gruppe war für die Festnahme sowie das Bewachen von Deserteuren und sogenannter Abtrünniger zuständig. So habe er etwa in einem IS-Gefängnis in der syrischen Stadt Manbij gearbeitet.

Folterungen seien dort an der Tagesordnung gewesen, man habe die Gefangenen so lange gequält, bis sie gestanden. In Nils D.s Schilderungen kommt ausserdem ein «Hinrichtungsmarktplatz» vor, auf dem Erschiessungen und Enthauptungen stattgefunden hätten. Auch eine Kreuzigung habe er einmal miterlebt.

An 15 Festnahmen beteiligt

Die mehr als 20 Befragungen bestätigen Berichte syrischer Menschenrechtsorganisationen und anderer Rückkehrer, die ähnlich über die Methoden des Islamischen Staates sowie beteiligte Jihadisten deutscher Herkunft berichteten.

Er selbst sei zwar an rund fünfzehn Festnahmen beteiligt gewesen, sagt Nils D. aus, distanziert sich aber davon, bei Folterungen oder Hinrichtungen eine Rolle gespielt zu haben. Zu seinen Aufgaben im Gefängnis hätten Kochen und das Bewachen der Putztrupps gehört. Allerdings zeigt ein Handyfoto den Rückkehrer, wie er einem Gefangenen eine Waffe an den Kopf hält.

Teil des IS-Geheimdienstes werde man nur auf Empfehlung, sagt Nils D. aus. «Sturmtrupp»-Mitglieder hätten zur Motivation besseren Lohn und Boni erhalten, seien stets maskiert aufgetreten.

Ende 2014 kehrte der Deutsche wieder in seine Heimatstadt in Nordrhein-Westfalen zurück, wo er wenig später verhaftet wurde. Im Januar muss er sich vor Gericht verantworten. In anderen Prozessen soll er zudem als Zeuge auftreten.

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