Robert-Koch-Institut: Deutsche halten Corona-Impfstoff im Herbst doch nicht für möglich
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Robert-Koch-InstitutDeutsche halten Corona-Impfstoff im Herbst doch nicht für möglich

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält den Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus ab Oktober nicht für möglich. Stunden zuvor hatte das Institut eine falsche Mitteilung herausgegeben.

Das RKI rechnet nicht mehr damit, dass ein Impfstoff im Herbst verfügbar sein könne.

Das RKI rechnet nicht mehr damit, dass ein Impfstoff im Herbst verfügbar sein könne.

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Wichtig: Dieser Artikel wurde am 12. August um 20 Uhr aktualisiert.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) zieht eine Prognose zurück, wonach der Einsatz eines Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus bereits im Herbst möglich sein könnte. Eine RKI-Sprecherin bezeichnet eine zuvor auf der Homepage des Instituts veröffentlichte entsprechende Einschätzung als nicht mehr aktuell. Die Publikation sei versehentlich veröffentlicht worden und völlig veraltet. Das RKI rechnet nicht mehr damit, dass ein Impfstoff im Herbst verfügbar sein könne.

Falsche Medienmitteilung am Mittwochmorgen

«Vorläufige Prognosen lassen die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (gegebenenfalls mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen», heisst es in einer am Mittwochmorgen veröffentlichten Publikation des deutschen Robert-Koch-Institut mit dem Titel «Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten». Anfang Juli hatte das RKI davon gesprochen, dass es frühestens 2021 einen Impfstoff in relevanten Mengen geben werde. Das Institut warnt allerdings vor Erwartungen, mit einem Impfstoff ab Herbst sei die Pandemie beherrschbar.

Kurze Immunitätszeiten sowie Mutationen des Virus könnten den Impf-Nutzen relativieren. Angesichts zuletzt steigender Infektionszahlen zeigte sich die Regierung alarmiert. Höhere Zahlen müssten vermieden werden. Russland hatte am Dienstag mit der Zulassung eines Impfstoffes für Aufsehen, aber auch Kritik gesorgt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, nach allem was man wisse, sei der Stoff nicht hinreichend erprobt. Es gehe nicht darum, erster zu sein, sondern eine wirksamen und sicheren Impfstoff zu haben.

Stärkung der Gesundheitsämter

Auch das RKI setzt daher weiter den Schwerpunkt beim Schutz der Menschen auf die Abstands- und Hygieneregeln sowie auf Verbesserungen bei der Nachverfolgung von Infektionen. Es könne zwar insgesamt eine positive Zwischenbilanz für den Umgang mit der Pandemie in Deutschland gezogen werden. Aber: «Es besteht die berechtigte Sorge, dass aufgrund der scheinbaren Ruhe der vergangenen Wochen die notwendige Aufmerksamkeit und Energie geschwunden ist.»

Gleichzeitig wachse die Gefahr neuer Ausbrüche und möglicherweise einer zweiten Welle. «Deshalb müssen jetzt die richtigen Impulse und Ziele gesetzt werden, um dem entgegenzutreten», heisst es in der im Internet veröffentlichten Publikation, die die Strategie bis April 2021 skizziert. Hygiene und Abstandsregeln müssten zu einem «Stück gelebte Normalität» werden. Die Gesundheitsämter müssten zudem weiter gestärkt werden.

(REUTERS)

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