Deutsche Irak-Geiseln sind frei
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Deutsche Irak-Geiseln sind frei

Freude und Erleichterung in Deutschland: Nach genau 14 Wochen in der Hand ihrer irakischen Entführer sind die beiden deutschen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke wieder frei.

Die beiden Leipziger kamen unversehrt in deutsche Obhut und sollten schon am Mittwoch nach Berlin zurückkehren, wie Aussenminister Frank-Walter Steinmeier in Chile erklärte. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel äusserten sich erleichtert. Einzelheiten über die Freilassung wurden zunächst nicht bekannt.

Der 32-jährige Bräunlich und der 28-jährige Nitzschke aus Leipzig und Umgebung waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi von bewaffneten Männern verschleppt worden. Sie sollten im Auftrag des Anlagenbauers Cryotec aus Bennewitz bei Wurzen eine technische Anlage in einer Raffinerie errichten und an die Iraker übergeben.

Köhler erklärte: «Unsere Gedanken sind bei Thomas Nitschke und René Bräunlich. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie das Leid, das sie erfahren haben, rasch überwinden.» Der Bundespräsident erinnerte an die Belastungen der Angehörigen. «Ihre Erleichterung muss unermesslich sein.» Merkel dankte dem Krisenstab des Auswärtigen Amts. «Und ich möchte den Familien und den vielen Menschen in Deutschland und ganz besonders auch den Menschen in Leipzig dafür danken, dass sie nie die Geiseln vergessen haben.»

Aussenminister Steinmeier erklärte: «Nach ersten Informationen sind beide Männer unversehrt und befinden sich in einem den Umständen entsprechend stabilen Zustand.» Sie wurden zunächst vor Ort im Irak betreut. Steinmeier berichtete, er habe mit beiden telefoniert «und ihnen gesagt, wie glücklich wir sind, sie wieder in Freiheit zu wissen». Auch die Angehörigen seien informiert worden.

Laut Steinmeier mussten die Männer die vergangenen Monate «unter menschenunwürdigen Bedingungen» verbringen. «Nach bangen und quälenden Wochen des Wartens, der Ungewissheit und der Angst hat die Entführung der beiden Leipziger nun das von allen sehnsüchtig erhoffte gute Ende gefunden», erklärte der SPD-Politiker und bedankte sich unter anderem beim Krisenstab des Auswärtigen Amts, der Botschaft in Bagdad, beim Bundesnachrichtendienst und Bundeskriminalamt.

In mehreren Videobotschaften waren während der vergangenen 13 Wochen verschiedene politische Forderungen an die Bundesrepublik gerichtet worden. Dazu gehörten die Schliessung der deutschen Botschaft in Bagdad, der Abzug aller deutschen Firmen und ein Ende der Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung.

«Ungeheures Gefühl der Erleichterung»

In Leipzig sagte der Nikolaikirchen-Pfarrer Christian Führer, der dort über 25 Mahnwachen mit jeweils hunderten von Teilnehmern abgehalten hat, er spüre ein «ungeheures Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit». «Nun können wir endlich den Dankgottesdienst planen, den wir für diesen Fall vorgesehen hatten», erklärte er und kündigte Glockengeläut an.

Ihre Freude und Dankbarkeit brachten auch die Parteivorsitzenden von Grünen, FDP und SPD sowie der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister und heutige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zum Ausdruck. Erleichtert äusserte sich nicht zuletzt die Geschäftsleitung von Cryotec in Bennewitz. «Wir freuen uns ungemein», sagte Firmenchef Peter Bienert. Niemals hätten er und seine Mitarbeiter in den vergangenen 14 Wochen die Hoffnung aufgegeben, dass Bräunlich und Nitzschke wieder in Freiheit sein werden.

Bräunlich wohnt im Leipziger Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg. Mit seiner 29-jährigen Lebensgefährtin Sindy Brost hat der Ingenieur einen gemeinsamen, dreijährigen Sohn. Bräunlich arbeitet seit sieben Jahren bei Cryotec. Nitzschkes Familie wohnt in Rackwitz nördlich von Leipzig.

(sda)

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