Disentis GR: Deutsche Islamisten zieht es in die Berge
Aktualisiert

Disentis GRDeutsche Islamisten zieht es in die Berge

Zwei Gefährten des deutschen Islamisten Pierre Vogel sollen im Klosterdorf Disentis GR predigen – erneut auf Einladung des Islamischen Zentralrats der Schweiz.

von
daw
Sportzentrum Disentis: Hier sollen radikale Islamisten wie Muhamed Ciftci predigen.

Sportzentrum Disentis: Hier sollen radikale Islamisten wie Muhamed Ciftci predigen.

Das «Islamische Bildungsseminar» mit 260 Teilnehmern soll vom 26. bis 28. März im Sportzentrum Disentis stattfinden. der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) hat die ganze Anlage reserviert. Brisant: Als Referenten treten ­wieder radikale Prediger auf. Aus Deutschland sollen Abu Anas und Abu Jibril ins Bündnerland kommen – beide sind mit dem Islamisten Pierre Vogel verbandelt, dem der Bund im Dezember die Einreise verweigerte.

Abu Anas, eigentlich Muhamed Ciftci, betreibt in Braunschweig eine Islamschule und wird vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet: Sein Institut ist als «Durchlauferhitzer für militante Islamisten» aufgefallen. «Junge Schüler, die sich in der islamistischen Szene um Ciftci bewegt haben, wurden radikalisiert und traten in Kontakt mit Dschihadisten», so Sprecherin Maren Brandenburger. Ciftci biete zwar zunächst gewaltfreie Lehren an. Diese seien aber so fundamentalistisch, dass der Übergang zur Gewalt ein fliessender sei. Im Verfassungsschutzbericht 2008 heisst es zudem, Ciftci erkläre in einem Internet-Video, dass für die Abkehr vom Islam Enthauptung die angemessene Strafe sei. Qaasim Illi, Sprecher des IZRS, verteidigt seinen Referenten: «Ciftci distanziert sich ausdrücklich von Gewalt und Extremismus. Ausserdem hat er nie gegen das Gesetz verstos­sen.» Die Vorwürfe des Verfassungsschutzes seien ungerechtfertigte Spekulationen. Auch Umberto Zanin, Betriebsleiter des Sportzentrums Disentis, sieht kein Problem: Am Vertrag mit dem IZRS will er festhalten.

Dass am Treffen im Klosterdorf auch Pierre Vogel auftauchen wird, ist nicht auszuschliessen. Erst Mitte Februar sagte Illi zu 20 Minuten: ­«Pierre Vogel wird in der Schweiz auftreten. Wir werden ihn einfach erst fünf Minuten vorher ankündigen.» (daw/20 Minuten)

«Vergleichbar mit Rechtsextremen»

Für die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Mes­sahli, ist die auffallende Aktivität des IZRS besorgniserregend: «Das sind Scharfmacher mit menschenfeindlicher Ideologie. Der Islam, den diese Islamisten wollen, entspricht auf keinen Fall der gros­sen Mehrheit der Schweizer Muslime.» Enge Verbündete von Pierre Vogel einzuladen, sei kontraproduktiv und reine Provokation. «Die Organisatoren des IZRS nutzen die Freiräume der Demokratie für ihren Zweck», so Keller-Messahli. Dies erinnere sie an vergangene Rütlifeiern: «Die Islamisten sind am besten zu vergleichen mit der rechtsextremen Szene. Auch diese reizt die Meinungsäusserungsfreiheit bis an die Grenze aus – das sind wohl die unvermeidbaren Nachteile der Demokratie.» (gsc)

Deine Meinung