Aktualisiert 02.11.2011 16:16

Einkaufstourimus

Deutsche kauften unsere Nudelregale leer

Wenn in Deutschland Feiertag ist, steigt in der Schweiz der Nudelabsatz. Am 1. November wurden in grenznahen Coop- oder Migros-Filialen bis zu 50 Prozent mehr Teigwaren verkauft.

Ist in Deutschland Feiertag, ist in grenznahen Schweizer Einkaufszentren «Nudelsonntag». Das Phänomen des umgekehrten Einkaufstourismus hält auch zu Zeiten der Frankenstärke an. Letzter «Nudelsonntag» war am Dienstag, an Allerheiligen.

«Nudelsonntag» ist daneben auch der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Die Bezeichnung erklärt sich mit der Vorliebe der nördlichen Nachbarn für Schweizer Teigwaren aller Art.

Im grenznahen Deutschland heissen die Feiertage denn auch «Nüdelitage» - in der Annahme, dass die Schweizer alles verkleinern. Daneben kaufen deutsche Einkaufstouristen Schokolade, Kaffee, Tee und Gewürze.

Warum die deutschen Einkaufstouristen gerade besonders viele Teigwaren in ihre Einkaufswagen laden, ist unklar. Vielleicht trauen sie den Schweizern eine höhere «Italianità» und damit ein glücklicheres Händchen mit der «Pasta» zu, vermutet Silke Seichter, Mediensprecherin von Migros Ostschweiz. Das Phänomen ist jedenfalls altbekannt.

Frankenstärke ändert wenig

So wurden einer einzigen Migros-Filiale in Schaffhausen am Tag der Deutschen Einheit 2009 gut und gerne 30 Tonnen Teigwaren aus den Regalen gerissen. Das Kundenvolumen war 50 Prozent höher als gewöhnlich.

Selbst in Zeiten des überbewerteten Frankens hat der deutsche Drang zur Schweizer Nudel kaum nachgelassen. In ihren grenznahen Filialen registrierte die Migros Ostschweiz an Allerheiligen verglichen mit den vier vorangehenden Dienstagen einen spürbar erhöhten Absatz der genannten Produkte.

Auch der diesjährige Tag der Deutschen Einheit wies deutlich höhere Absätze als die ihm vorangegangenen vier Montage auf, wie Seichter erklärt.

Überhaupt hätten die Kunden aus dem Ausland nicht stark auf die Frankenstärke reagiert, was der Absatz zeige, sagt Seichter. Wer sich an ein Produkt gewöhnt habe, zahle auch den Preis dafür. Sehr wohl spürbar sei hingegen der schweizerische Einkaufstourismus ins Ausland. Die Kunden kauften weniger.

Die Migros Basel erlebte an Allerheiligen dagegen keinen «Nudelsonntag». Nach Auskunft ihres Mediensprechers Dieter Wullschläger waren die Umsätze von Teigwaren, Schokolade und Kaffee praktisch gleich hoch. Die Migros unterhält im deutschen Lörrach nahe bei Basel eine Filiale. (sda)

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