Deutsche Kohlekraftwerke sind die Dreckschleudern Europas
Aktualisiert

Deutsche Kohlekraftwerke sind die Dreckschleudern Europas

Deutsche Kohlekraftwerke gehören nach Berechnungen der Umweltorganisation WWF zu den klimaschädlichsten Stromlieferanten in der Europäischen Union.

Nach einer heute in Berlin veröffentlichten Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF stehen von den 30 grössten Dreckschleudern in der EU allein zehn in der Bundesrepublik. Während die Grünen angesichts der Studie die jahrelange Kohle-Subventionspolitik anprangerten, forderte die CDU abermals eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

Der Studie zufolge sind Braunkohlekraftwerke besonders schmutzig, sechs der zehn EU-weit giftigsten Anlagen dieser Art befinden sich auf deutschem Boden. Im eigenen Land führend ist nach diesen Angaben mit dem dritten Platz auf der EU-Negativ-Rangliste das vom Energieversorger RWE betriebene Braunkohlekraftwerk Niederaussem im Rheinland.

Die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen angesiedelten RWE-Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf, Weisweiler und Neurath belegen die Plätze fünf, sechs und sieben. Zwei Vattenfall-Braunkohleanlagen im brandenburgischen Jänschwalde und im sächsischen Boxberg stehen auf Platz vier beziehungsweise zehn der EU-Liste.

Negativ-Spitzenreiter in Europa ist laut WWF das Kraftwerk Agios Dimitrios in Griechenland. Pro Kilowattstunde erzeugten Stroms bläst es nach der Studie rund 1.350 Gramm Kohlendioxid (CO2) in die Luft. Die restlichen vier der zehn zu den «Dreckigen Dreissig» gehörenden Anlagen in der EU seien in Deutschland die Braunkohlekraftwerke Schwarze Pumpe in Brandenburg (Rang 14) und Lippendorf in Sachsen (Rang 16) sowie die Steinkohlekraftwerke Scholven bei Gelsenkirchen (Rang 20) und Mannheim (Rang 28).

Die Analyse basiert nach Angaben des WWF auf den Emissionsdaten von 2006, die im Rahmen des Emissionshandels erhoben werden. Die Untersuchung habe gezeigt, dass im vergangenen Jahr 393 Millionen Tonnen Kohlendioxid, das entspricht zehn Prozent der europäischen CO2-Emissionen, auf das Konto der «Dreckigen Dreissig» gegangen sind. Der WWF forderte die Bundesregierung auf, vor diesem Hintergrund endlich die Privilegien und Subventionen für die klimaschädliche Kohle zu streichen.

CDU und Grüne sehen Klimaschutzziele gefährdet

Der Grünen-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer erklärte, Deutschland habe «in der Champions League dreckiger Kohlekraftwerke (...) einen Kantersieg» erzielt. Dies sei das Ergebnis jahrelanger zielstrebiger Kohle-Subventionspolitik von SPD und CDU. Schlimmer noch als der erschreckende Status quo seien jedoch die Neubauplane für mehr als 40 Kohlekraftwerke in den nächsten zwanzig Jahren. «Damit würde Deutschland alle international eingegangenen Klimaschutzziele um Längen verfehlen», warnte Bütikofer.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche, erklärte, in den kommenden Jahren müssten alte ineffiziente und klimaschädliche Kohlekraftwerke durch moderne ersetzt werden. Zugleich warnte Reiche, der von der rot-grünen Vorgängerregierung geplanten Atomausstieg werde zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen führen und den Klimaschutzzielen diametral entgegenlaufen. Eine Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke ermöglichte dagegen neue Spielräume im Klimaschutz. Denn bei längeren Laufzeiten könnte auf einen Teil der geplanten Neubauten von Kohlekraftwerken verzichtet werden. (dapd)

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