Flughafen Zürich: Deutsche laufen Sturm gegen Ostanflüge
Aktualisiert

Flughafen ZürichDeutsche laufen Sturm gegen Ostanflüge

Die drei süddeutschen Landkreise wehren sich mit einem Gutachten gegen das neue Betriebsreglement des Zürcher Flughafens. Dieser findet die Expertise inakzeptabel.

von
Pia Wertheimer
Unzufriedenheit: Für die Bewohner Süddeutschlands ist das neue Betriebskonzept des Flughafens in Kloten nicht akzeptabel. (Archiv)

Unzufriedenheit: Für die Bewohner Süddeutschlands ist das neue Betriebskonzept des Flughafens in Kloten nicht akzeptabel. (Archiv)

Keystone

Lange spannten die süddeutschen Landkreise Konstanz, Waldshut und Schwarzwald-Baar die Schweiz bezüglich des neuen Betriebsreglements 2014 des Zürcher Flughafens auf die Folter. Seit gestern weiss man auch weshalb: Die Regierungen haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, womit sie sich gegen das Betriebsreglement wehren. Das wird ungemütlich für den Flughafen. Das Reglement setzt verbindlich fest, wie die Flieger starten und landen dürfen. Es muss auch von Deutschland abgesegnet werden.

Kern der Änderungen des neuen Betriebsreglements 2014 ist das überarbeitete Ostkonzept. Es wird heute hauptsächlich während der deutschen Sperrzeiten ab 21 Uhr sowie bei Westwind angewendet - und hat eine Schwäche. Das hat eine Sicherheitsprüfung des Flughafens 2012 ergeben. Die Flugrouten der Maschinen, die von Osten her auf Piste 28 landen, kreuzen sich südlich des Flughafens mit den Abflugrouten der Maschinen, die auf den Pisten 32 oder 34 nach Norden starten.

Mehr Lärm in Süddeutschland

Jeder dieser Kreuzpunkte birgt ein Risiko. In das Betriebsreglement 2014 ist diese Sicherheitsexpertise eingeflossen. Es sieht ein sogenanntes entflochtenes Ostkonzept vor. Es trennt die Flugrouten der an- und abfliegenden Maschinen stärker als bisher. Die Flieger, die aus dem Warteraum über dem Aargau kommen, sollen sich statt südlich neu nördlich am Flughafen vorbei in den Endanflug im Osten einreihen. Also über Süddeutschland, wo der Widerstand bereits angekündigt worden war.

«Das Gutachten untermauert fachlich unsere Befürchtung, dass Südbaden durch das neue Betriebsreglement mehr Lärmbelastung tragen müsste», sagte der Waldshuter Landrat Martin Kistler gestern Nachmittag vor den Medien. Die Gutachter kommen zum Schluss, dass künftig über den drei Landkreisen zusätzliche 2000 bis 10 000 Flugbewegungen stattfänden. «Diese Mehrbelastung nehmen wir nicht hin», kündigt Kistler an. Zumal es eine Alternative gäbe, entwickelt von den Gutachtern. «Diese könnte die süddeutsche Bevölkerung deutlich entlasten und ist sicherheitstechnisch mit dem beantragten Betriebsreglement vergleichbar.»

Zu eng geführte Flugrouten

Während von Schweizer Seite nicht bestritten wird, dass mehr Maschinen Süddeutschland überfliegen werden, gehen die Ansichten punkto Sicherheit diametral auseinander. Stefan Conrad, Operationschef des Flughafens Zürich, sagt: «Das Gutachten ist inakzeptabel. Die vorgeschlagene Alternative verhindert, dass wir wesentliche Sicherheitsverbesserungen vornehmen können, die uns das Bundesamt für Zivilluftfahrt auferlegt hat.» Konkret führe der Vorschlag aus Deutschland die Flieger aus dem Warteraum über dem Aargau weiterhin südlich des Flughafens in den Endanflug. «Die Kreuzungspunkte werden so nicht eliminiert.»

Zudem seien die vorgeschlagenen Flugrouten im Norden, um Süddeutschland zu umfliegen, viel zu eng geführt. «Damit würde die Sicherheit eher abnehmen.» Der Flughafen erhält von der Flugsicherung Skyguide Schützenhilfe. «Das Gutachten konzentriert sich lediglich auf den Faktor Lärm und klammert wichtige Sicherheitsaspekte völlig aus», sagt Sprecher Vladi Barrosa. Das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) kann das neue Betriebsreglement nur in Kraft setzen, wenn Deutschland die einseitige Durchführungsverordnung (DVO) anpasst. Deshalb hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) das letzte deutsche Wort. Die Vertreter der süddeutschen Landkreise fordern von ihm eine Absage an das Betriebsreglement 2014. Sie kündigen an, andernfalls juristische Schritte zu prüfen.

Laut Operationschef Conrad hat der Zürcher Flughafen im Fall einer Absage keinen Plan B zum Betriebsreglement 2014. Was heisst: Der Flugbetrieb würde weiterlaufen wie bisher. «Wir wären jahrelang mit einem nicht entflochtenen Ostkonzept unterwegs - und müssten die Kreuzungspunkte akzeptieren.»

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